Todesurteil

«@baden.ch»-Mailadressen werden für Private endgültig nicht mehr angeboten

Die Einwohner von Baden müssen in Zukunft auf ihre E-Mail-Adresse «@baden.ch» verzichten.

Die Einwohner von Baden müssen in Zukunft auf ihre E-Mail-Adresse «@baden.ch» verzichten.

Die rund 1950 Nutzer von «@baden.ch»-Mailadressen müssen sich definitiv nach Alternativen umschauen. Ab dem 1. Oktober 2014 erhält, wer eine Mail an eine solche Adresse schickt, die Antwort: «Diese Adresse ist nicht mehr in Betrieb.»

Gross war der Ärger Anfang Jahr, als die Stadt den Benutzern von «@baden.ch»-Mailadressen mitteilte, die kostenlose Mailadresse werde aufgehoben. Der Verlust einer lieb gewordenen Adresse wurde bedauert; noch mehr die kurze Frist bis zur Schliessung (zwei Monate) und das Fehlen einer Übergangslösung. Immerhin hatte die Kritik zur Folge, dass der Stadtrat entschied, die Adresse bis Ende September 2014 anzubieten und einen Weiterleitungsdienst bis 31. Mai 2015 zu gewährleisten.

Doch Einwohnerrat Fritz Bosshardt (team) genügte dies nicht. Ende Januar reichte er ein Postulat ein, in dem er den Stadtrat aufforderte, grundsätzlich eine Weiterführung der Adressen für Private zu prüfen. «Dieser Dienst ermöglicht es den Einwohnern, ihre Verbundenheit mit Baden in die Welt zu tragen», hiess es unter anderem im Postulat. Gleichzeitig schlug Bosshardt Alternativen vor, so unter anderem die Möglichkeit eines Kostenbeitrags durch die Benutzer.

Doppelnutzung wird ausgeschlossen

In seiner Antwort - diese wird an der Einwohnerratssitzung vom 17. Juni diskutiert - erläutert der Stadtrat, weshalb er an der Aufhebung des kostenlosen Dienstes festhält, der seit 14 Jahren angeboten wird. Es sind unter dem Strich dieselben Argumente, die er schon Anfang Jahr bei der Ankündigung ins Feld geführt hat. Missbrauchsgefahr, «nicht Kernaufgabe einer Stadt» und Verwechslungsgefahr. Denn die Stadt beabsichtigt, die «@baden.ch»-Adressen dereinst selber für die Verwaltung zu beanspruchen. Heute operiert die Stadt über die Maildienstleistung des Kantons mit den entsprechenden «@baden.ag.ch»-Endungen. Dass die Adresse gleichzeitig von Verwaltung und Privaten benutzt werde, schliesst der Stadtrat aus: «Die bestehende Mail-Infrastruktur der Verwaltung befindet sich in einem geschützten Kommunikationsbereich; das verhindert, dass Freemail-Nutzer und Verwaltung die gleiche Mail-Domäne nutzen.»

Nicht als Hauptargument führt er die Kosten ins Feld, betragen diese heute doch nur moderate 20 000 Franken pro Jahr. Gleichzeitig betont er aber, dass eine Ersatzlösung - und eine solche würde sich aufdrängen - deutlich teurer zu stehen käme.

Fritz Bosshardt zeigt sich von der Antwort des Stadtrates wenig überrascht: «Ich habe damit gerechnet; leider werden die Bedürfnisse der Verwaltung höher gewichtet als diejenigen der Bevölkerung.» Mit der Abschaltung werde die Chance auf eine besondere Form des Standortmarketings vergeben, ist er überzeugt.

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