Baden

Autofahrer fährt Lotsen auf Schulhausplatz vor die Füsse: kein Freispruch vor Gericht

Der Schulhausplatz Baden ist die meistbefahrene Kreuzung im Kanton. Hier hat sich der Vorfall ereignet.

Der Schulhausplatz Baden ist die meistbefahrene Kreuzung im Kanton. Hier hat sich der Vorfall ereignet.

Rechthaberei kann ins Geld gehen. Das musste ein Autofahrer lernen, der den Verkehrsanweisungen eines Lotsen in Baden nicht folgte – er fuhr dem Lotsen direkt vor die Füsse. Die Busse wollte der Beschuldigte nicht bezahlen, blitzte nun aber vor Gericht ab.

Im April 2018 waren die Bauarbeiten auf dem Schulhausplatz in Baden noch voll im Gange, und statt der Ampeln regelten Mitarbeiter einer Security-Firma den Verkehr. Einem solchen sei Adam (Name geändert) mit seinem BMW an einem Mittwochnachmittag bis vor die Füsse gefahren sein.

Knapp zwei Monate später war Adam wegen «Verletzung des Strassenverkehrsgesetzes» per Strafbefehl zu einer Busse von 250 Franken plus 400 Franken Gebühr verknurrt worden. Das liess der 36-jährige Polymechaniker nicht auf sich sitzen und erhob Einsprache. Zur Verhandlung vor Einzelrichterin Gabriella Fehr erschien er mit einem Anwalt.

Adam wies klar von sich, dem Security-Mann mit dem Auto zu nahe gekommen zu sein. Er sei damals von der Mellingerstrasse her unterwegs in Richtung Brugg gewesen. «Ich stand auf der linken Spur, als ein Lotse die Spur freigab und die Fahrzeuge vor mir losfuhren. Plötzlich zeigte mir ein anderer Lotse an, dass ich stoppen soll, was ich auch tat.» Da er, so Adam weiter, aber schon mitten auf der Kreuzung stand, habe er dem Lotsen mit Gesten zu verstehen gegeben, dass er ihn noch durchlassen soll. «Ich hatte Bedenken, dass es zu einer heiklen Situation mit anderen Fahrzeugen kommt.»

Aussage gegen Aussage

Der Lotse habe ihn aber weiter angehalten. «Und dann sind Sie bis vor seine Füsse gefahren», zitierte die Richterin den Staatsanwalt. «Nein», widersprach Adam energisch, «ich bin stehen geblieben.» Der betroffene Security-Mann, eine andere Lotsin sowie ein Passant gaben bei Polizei und Untersuchungsbehörde jedoch zu Protokoll, der BMW sei auf den Lotsen zugefahren. «Ich bin erst wieder gefahren, als er mir das entsprechend signalisiert hatte», erwiderte Adam.

Auf eine Vorladung der Zeugen verzichteten Adam und sein Anwalt. Dieser forderte einen Freispruch: Es gehe hier um ein Missverständnis. Während der langen Bauzeit sei es auf dem Schulhausplatz immer wieder zu solchen Situationen gekommen. Die Security-Leute seien von der alles andere als einfachen Arbeit häufig überfordert gewesen. «Warum hätte sich mein Mandant vordrängeln sollen und eine Karambolage riskieren?»

«Auch Bagatellvergehen gehören bestraft»

Die Richterin sprach Adam schuldig. Es sei durchaus kein Missverständnis gewesen: Adam habe das Haltezeichen gesehen, zunächst angehalten, sei dann aber – worüber sich drei Zeugen einig sind – auf den Lotsen zugefahren. «Durch die Tatsache dass er fuhr, war sein Auto doch erst zum Hindernis geworden. Auch Bagatellvergehen gehören bestraft», so Richterin Fehr, «dazu gibts ja auch Bussen.»

Zu den 250 Franken Busse und 400 Franken Strafbefehlgebühr gesellen sich für Adam nun noch die Gerichts- und die Anwaltskosten. Einsprache gegen einen Strafbefehl erheben will wohl in den allermeisten Fällen gut überlegt sein.

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