Ehrendingen

Autobahn-Prügler soll Schulleiter werden – Ammann von Ehrendingen: «Das ist dem Ruf der Gemeinde nicht förderlich»

Zweikampf auf der Autobahn A1: Überholmanöver endet in Handgemenge

Zweikampf auf der Autobahn A1: Überholmanöver endet in Handgemenge

Auf der Autobahn A1, Höhe Luterbach, kam es zu einem Zweikampf zwischen zwei Autofahrer. Begonnen hat alles mit einem Überholmanöver.

Sein Wutausbruch auf der Autobahn A1 ging viral. Nun ist der AZ bekannt: Die Person, die auf der Autobahn ausrastete, sollte am 10. August eine neue Stelle als Schulleiter in Ehrendingen antreten.

Es war eine wüste Szene, die sich am 20. Juli auf der Autobahn A1 in Kriegstetten (SO) abspielte: Ein 58-jähriger Mann bremste einen anderen Autofahrer aus, stürmte aus seinem Auto und traktierte seinen Gegner und dessen Auto am helllichten Tag mit Tritten und Schlägen. Zuschauer nahmen das Geschehene auf, das Video wurde auf Facebook und diversen Nachrichtenportalen öffentlich.

Bereits kurze Zeit später zeigte sich der Prügler reuig, entschuldigte sich in die Kameras von «Blick» und «20 Minuten» für seinen Ausraster. Er sagte, er schäme sich für das, was vorgefallen war. 
Doch der Mann aus dem Kanton Bern rastete offensichtlich nicht zum ersten Mal aus.

Ehemalige Weggefährten berichteten gegenüber «Blick» von regelmässigen Aussetzern. Unter anderem im Aargau: Auch an der Schule Full-Reuenthal soll er als Schulleiter Mühe gehabt haben, sein Temperament zu zügeln. Das Anstellungsverhältnis wurde «aufgrund unterschiedlicher Auffassungen» aufgelöst; das geht aus einem Bericht der Schule hervor.

Wie die Aargauer Zeitung nun weiss, wurde der Mann, der auf dem Prügelvideo zu sehen ist, als neuer Schulleiter in der Gemeinde Ehrendingen angestellt. Auf das neue Schuljahr hin, also nach diesen Sommerferien, soll er dort eine Teilzeitstelle antreten.

Doch was nun? In Ehrendingen wurde der Gemeinderat von Aussenstehenden darüber informiert, dass es sich beim Autobahnprügler um den neuen Schulleiter handle. Wenige Tage vor Schulbeginn stellt sich nun die Frage, ob ein Schulleiter nach einer solchen öffentlichen Prügelattacke tragbar ist. 
 «Aus Sicht des Gemeinderates ist es für den Ruf der Gemeinde und den Schulstandort sicher nicht förderlich, dass diese Person als Schulleiter angestellt wird», sagt Urs Burkhard, Gemeideammann von Ehrendingen, auf Anfrage.

«Der Gemeinderat hätte sich gerne zur Einstellung des neuen Schulleiters geäussert», sagt Burkhard weiter. «Aber die Anstellung ist Sache der Schulpflege und wir hatten keine Kompetenz dazu.» Ob der Gemeinderat gerne interveniert hätte, weil er wusste, dass dieser Mann in Vergangenheit bereits als Schulleiter gearbeitet und mutmasslich Probleme gehabt hatte, will Urs Burkhard nicht bestätigen.

Schulpflege schweigt zum Vorfall

Eine Recherche zeigt, dass besagter Schulleiter auch an einer anderen Schule im Kanton Uri nicht lange tätig war: Nach nur sechs Monaten trennten sich Schulrat und Schulleiter. Das geht aus einem Protokoll der Delegiertenversammlung der Lehrerinnen und Lehrer des Kantons Uri vor.

Verantwortlich für die Einstellung des Schulleiters ist die Schulpflege. Ob der wütende Autobahnprügler seine Stelle als Schulleiter nächste Woche trotz allem antreten kann, bleibt unbeantwortet.

Auf die Fragen hin, ob das Prügelvideo Konsequenzen für die Anstellung des neuen Schulleiters habe und ob die Schulpflege nichts über die mutmasslichen Probleme zwischen dem Schulleiter und der Aargauer Schule in Full-Reuethal wusste, schreibt die Schulpflegepräsidentin Tina Treier: «Aus Datenschutzgründen können wir Ihnen leider keine Auskunft erteilen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1