Bezirksgericht Baden
Auswanderer fälschte Lohnausweise – um mehr Arbeitslosengeld zu kassieren

Ein 55-jähriger Auswanderer wehrt sich vor dem Bezirksgericht Baden gegen mehrere Vorwürfe – ohne Erfolg. Er wurde der mehrfachen Urkundenfälschung und des versuchten Betrugs schuldig gesprochen.

Luca Giannini
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Wegen gefäschter Lohnausweise wurde der Mann vor dem Bezirksgericht Baden angeklagt.

Wegen gefäschter Lohnausweise wurde der Mann vor dem Bezirksgericht Baden angeklagt.

Walter Schwager/Keystone (Montage AZ)

Mehrfache Urkundenfälschung und versuchter Betrug: So lauteten die Vorwürfe auf dem Strafbefehl gegen einen knapp 55-jährigen Schweizer aus der Region. Laut Staatsanwaltschaft hat der Mann Ende 2014 in zwei Fällen einen Arbeitsvertrag, Ar­beitgeberbescheinigungen und mehrere Lohnabrechnungen gefälscht. Er soll sich dabei jeweils einen zu hohen Lohn ausgewiesen und diese Dokumente bei der Aargauer Arbeitslosenkasse eingereicht haben. Diese hätte ihm eine zu hohe Arbeitslosenentschädigung ausgezahlt – doch den zuständigen Mitarbeitenden erschienen die eingereichten Dokumente suspekt.

Gegen den Strafbefehl hatte der Beschuldigte Einsprache erhoben. Nun stand er, in Jeans und Kapuzenjacke, vor dem Bezirksgericht Baden. Seit einigen Jahren lebt er auf der indonesischen Ferieninsel Bali. Einen Verdienst habe er zurzeit nicht. «Ich bin zu Hause, ein Hausmann. Das ist ja auch ein Job», sagte er zu Gerichtspräsidentin Gabriella Fehr, die als Einzelrichterin amtete.

3800 Franken unerklärbare Differenz

Die Vorwürfe bestritt der Angeklagte kategorisch. Beim ersten Fall arbeitete er bei einem Malerbetrieb. Dort habe er im Management geholfen, wobei er kurz nach seiner Anstellung krankheitsbedingt ausfiel. Laut Abrechnung der Unfallversicherung Suva betrug sein Lohn rund 6200 Franken. Die Unterlagen, die er der Arbeitslosenkasse zustellte, wiesen dagegen ein Gehalt von rund 10'000 Franken aus. «Wie können Sie diese Differenz erklären?», wollte Richterin Fehr vom Beschuldigten wissen. Dieser betonte, dass er die Dokumente bei seinen Arbeitgebern eingefordert, nach Erhalt aber nicht geprüft, sondern gleich an die Arbeitslosenkasse weitergeleitet habe. «Mir wurde die Lohnabrechnung so geschickt», erklärte er.

Den Unterschied könne er sich auch nicht erklären, zumal das alles ja schon sieben Jahre her sei. Beim Antrag für das Arbeitslosengeld hatte er auch nicht angegeben, dass er aufgrund einer Krankheit arbeitsunfähig war. Das habe er nicht absichtlich verschwiegen, so der Beschuldigte. Er habe wohl gar nicht realisiert, dass dies eine Frage gewesen sei, die er beim Antrag für das Arbeitslosengeld hätte beantworten müssen.

10'000 Franken versprochenes Gehalt

Laut den eingereichten Lohnabrechnungen hatte er im zweiten Fall, als er bei einer anderen Firma angestellt war, auch einen Lohn von rund 10'000 Franken monatlich erhalten. Vor Gericht räumte der Beschuldigte nun aber ein, dass dieses Unternehmen auf dem Papier nie existiert habe. «Das war ein Projekt, eine Firma in Gründung», erklärte er. Das Gehalt sei ihm versprochen worden, er habe es aber nie erhalten.

Die Lohnabrechnungen habe er der Arbeitslosenkasse aber eingereicht, weil er sich erhofft habe, dass ihm der versprochene Lohn noch ausbezahlt werde. Bei einer polizeilichen Befragung im Jahr 2017 hatte er noch angegeben, dass er sich den Lohn als Geschäftsführer selber ausbezahlt habe. Gabriella Fehr wollte wissen, wieso er die in Aussicht gestellten, aber nie erfolgten Lohnauszahlungen nicht eingeklagt habe. Der Beschuldigte hatte darauf keine Antwort.

Für Einzelrichterin Fehr war der Fall schliesslich klar: Sie bestätigte den Strafbefehl und sprach den Beschuldigten schuldig der mehrfachen Urkundenfälschung und des versuchten Betrugs. Sie verurteilte ihn zu 180 Tagessätzen à 30 Franken, bei einer Probezeit von 2 Jahren, und zu einer Busse von 1000 Franken. «Es sind so viele Zufälle, dass ich überzeugt bin, dass Sie die Dokumente angepasst haben», sagte sie.