Baden

Auf dem höchsten Kran der Bäder-Baustelle: Hier oben gibts keine Pinkelpause

Reporter Martin Rupf wagt sich auf den Kran Nummer 3, den höchsten Kran der Bäder-Baustelle. Nicht nur die Aussicht ist imponierend.

«Der höchste Arbeitsplatz der ganzen Stadt». Das wäre bei einer Kran-Reportage zwar eine verlockende, aber doch nicht ganz korrekte Schlagzeile – man denke etwa an die Arbeitsplätze im Restaurant Baldegg.

Und doch darf der portugiesische Kranführer Riccardo Fonseca für sich in Anspruch nehmen, einen der wohl ungewöhnlichsten und in Bezug auf die Höhe über Boden eben doch höchsten Arbeitsplatz der Stadt zu haben. Sein Büro hängt stolze 63 Meter über dem Boden.

«Wirklich eindrücklich, hier oben zu stehen», findet selbst der Bauführer. Ein Interview mit David Diesner hoch über der Bäder-Baustelle.

«Wirklich eindrücklich, hier oben zu stehen», findet selbst der Bauführer. Ein Interview mit David Diesner hoch über der Bäder-Baustelle.

Für diese Zeitung darf ich den Kran Nummer 3 auf der Bäder-Baustelle besteigen. Mit einer Höhe von über 60 Metern ist er der höchste von insgesamt sechs Kranen auf der Baustelle. Bauführer David Diesner von der ARGE BM Bäderquartier nimmt mich unten beim Kran in Empfang. Ich blicke ehrfürchtig nach oben; mir wird etwas mulmig und ich lasse Diesner gerne den Vortritt. Nach knapp zehn Minuten – Diesner wartet schon oben – habe ich die über 200 Leitersprossen bewältigt. Immerhin sorgen die Zwischenböden dafür, dass man das Gefühl für die Höhe und somit auch die Angst vor dieser etwas verliert. Und auch wenn nur ein schwacher Trost: Sollte ich an einer Sprosse ausgleiten, würde ich nur maximal rund sechs Meter in die Tiefe fallen.

Prächtige Aussicht über das Limmatknie

Oben angekommen, geniesse ich erst einmal die prächtige Aussicht über die Baustelle, das Limmatknie und die Reben von Ennetbaden. Riccardo Fonseca ist nicht in seiner Kabine. Er hat es vorgezogen, sein Mittagessen unten einzunehmen.

Doch das dürfte nicht der einzige Grund sein, weshalb er die 600 Sprossen (runter, hinauf und am Abend wieder runter) auf sich genommen hat. Denn oben gibt es kein WC. Wie macht der Kranführer das? «Ganz einfach, aufs WC geht man vor und nach der Arbeit», sagt er mir trocken, nachdem ich ihn unten in der «Kantine» nach meiner Kranbesteigung doch noch angetroffen habe.

Aus der Vogelperspektive: ein Flug über die Badener Bäderquartier-Baustelle

Aus der Vogelperspektive: ein Flug über die Badener Bäderquartier-Baustelle im September 2018.

Doch zurück auf den Kran: Während ich mich langsam an die Höhe gewöhne, deckt mich Bauführer Diesner mit allerlei Wissenswertem ein. «Dieser Kran hier ist nicht etwa deshalb so hoch, weil wir so hoch bauen. Vielmehr ist jeder Kran genauso hoch gebaut, dass die Ausleger in verschiedenen Höhen kreuzen können». Doch was, wenn eine Last am Ausleger hängt? «Auch das ist kein Problem. Die Krane sind mit einem Anti-Kollision-System ausgestattet, sodass sich die Lasten nicht in die Quere kommen oder verheddern können», erklärt Diesner.

Bis zu welcher Windstärke kann ein Kran betrieben werden? «Die Krane selbst halten sehr viel aus. Doch ab einer gewissen Windstärke macht es keinen Sinn mehr, weil dann die angehängten Lasten zu sehr ausschwingen.» Apropos Lasten: Der Ausleger von Kran Nummer 3 misst 65 Meter. «Ganz aussen kann er bis zu fünf Tonnen heben. Je näher beim Pfeiler, desto schwerer kann die Last sein; maximal 16 Tonnen.» Dass der Kran bei diesen Lasten nicht kippt, dafür sorgen rund 130 Tonnen, die am Fuss des Krans befestigt sind.

Der Job des Kranführers sei ein sehr anspruchsvoller, «abgesehen davon, dass man nicht unter Höhenangst leiden sollte», sagt Diesner mit einem Lachen. Es könne sehr einsam sein hier oben in der Führerkabine. Diese ist im Fall von Kran Nummer 3 immerhin klimatisiert – ein nicht zu unterschätzender Luxus im Sommer. «Ein Kranführer muss im wahrsten Sinn einen guten Überblick über die Baustelle haben und die Bauabläufe gut kennen.»

Die Kommunikation erfolge über Funk. «Bei dieser Baustelle sind insgesamt zwölf Funkgeräte im Einsatz.» Die Sicherheit stehe immer an erster Stelle, was eine ziemliche Herausforderung darstelle, da alles auf Sicht passiere. «Wir werden aber bald an die Flasche – an dieser befindet sich der Haken – eine Kamera befestigen. Das ermöglicht dem Kranführer, auf seinem Display genau zu sehen, wo sich seine Last befindet, auch wenn er keinen Sichtkontakt mehr zum Ort des Geschehens hat», so Diesner.

Mental umso mehr gefordert

Es gebe sicherlich den einen oder anderen Bauarbeiter, der mal neidisch nach oben blicke und gerne mit dem Kranführer tauschen würde. «Zwar ist der Job körperlich nicht so anstrengend, dafür ist der Kranführer mental umso mehr gefordert.»

Weit weniger mental bin ich beim Abstieg gefordert. Mit jeder der 200 Sprossen, die ich mich wieder dem Erdboden nähere, entspanne ich mich ein bisschen mehr. Mit dem Kranführer tauschen würde ich trotzdem nicht wollen, da ziehe ich dann doch mein Büro im BT-Hochhaus vor.

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