Baden

Asyl-Pläne sind für Spital «schwere Last» – Hochuli appelliert an Solidarität

Regierungsrätin Susanne Hochuli (Grüne) in Baden: «Die Asylsuchenden werden so lange wie nötig, aber so kurz wie möglich hier untergebracht.»

Regierungsrätin Susanne Hochuli (Grüne) in Baden: «Die Asylsuchenden werden so lange wie nötig, aber so kurz wie möglich hier untergebracht.»

Beim Kantonsspital werden 200 Asylsuchende im unterirdischen Notspital einquartiert – Regierungsrätin Susanne Hochuli appelliert an die Solidarität der Bevölkerung.

Der Kanton Aargau kämpft mit Platzproblemen für Flüchtlinge und geht deswegen bei der Unterbringung neue Wege. Letzte Woche sind die ersten Asylbewerber in Zelten untergebracht worden, und ab Mitte Monat werden beim Kantonsspital Baden gestaffelt bis zu 200 asylsuchende Männer einquartiert.

Küche, Waschraum, Schlafzimmer: Einblicke in die «Zeltstadt» für Asylbewerber in Aarau.

Küche, Waschraum, Schlafzimmer: Einblicke in die «Zeltstadt» für Asylbewerber in Aarau.

Platz finden werden sie im unterirdischen Notspital, das amtlich als «Geschützte Operationsstelle» (Gops) bezeichnet wird. An einer Informationsveranstaltung appellierte Regierungsrätin Susanne Hochuli (Grüne) gestern Abend an die Solidarität der Bevölkerung:

«Weltweit befinden sich 50 Millionen Menschen auf der Flucht. Wir sollten mit den Asylsuchenden so umgehen, wie wir es uns wünschen würden, wenn wir unser Land verlassen müssten.» Hochuli erinnerte daran, dass während des Kosovo-Krieges Ende der 1990er-Jahre an selber Stelle schon einmal Flüchtlinge Unterschlupf gefunden hatten.

Grundsätzlich will der Kanton Asylsuchende nicht unter Tage unterbringen. Doch oberirdisch sind die Unterkünfte voll belegt, gleichzeitig haben die Zuweisungen vom Bund in den vergangenen zwei Monaten stark zugenommen.

Im unterirdischen Badener Notspital werden ab 19. August «allein reisende Männer» einquartiert, wie der Kanton schreibt. Für Familien sei die Unterkunft nicht geeignet. Adrian Schmitter, CEO des Kantonsspitals Baden, nimmt die Umfunktionierung des Notspitals in eine Asylunterkunft zähneknirschend hin.

«Der Entscheid, Asylsuchende hier unterzubringen, ist nachvollziehbar, und das Kantonsspital Baden versucht, so gut wie möglich zu helfen. Wir sind gesetzlich verpflichtet, im Notfall und kurzfristig Asylsuchende aufzunehmen. Klar aber ist, dass die Last für uns nur schwer zu tragen ist und dass die Behinderungen gross sein werden.»

Gleich bei der Unterkunft befänden sich der Helikopter-Landeplatz, Parkplätze und die Wäscherei, erklärte Schmitter. Das Spital sei ein offenes Haus, doch nun müsse der Zugang reglementiert werden. Grösste Priorität habe nun die Sicherheit der Patienten, der Mitarbeiter und insbesondere der Mitarbeiterinnen – Letztere hätten ihr Unbehagen deutlich zum Ausdruck gebracht, so der Kantonsspital-Chef.

Geschätzte 300 Personen hörten im Untergeschoss des Kantonsspitals den Ausführungen von Vertretern des Kantons, des Spitals und der Stadt zu. Die Fragerunde dauerte bis nach Redaktionsschluss. Bedenken wurden vor allem betreffend der Sicherheit geäussert.

Regierungsrätin Hochuli gab zu Bedenken, dass Rayonverbote nur für Einzelpersonen, nicht aber grundsätzlich ausgesprochen werden dürfen. Es gelte nun, zusammen mit dem Spital Zonen festzulegen, die Asylbewerber gemäss einer Art Hausregel nicht betreten dürfen. Eine externe Firma stellt die Betreuung der Asylsuchenden sicher, vier Personen werden stets vor Ort sein.

Eine Frau fragte: «Nachts wird in unserem Quartier seit einigen Monaten die Strassenbeleuchtung abgeschaltet. Wie wird die Sicherheit gewährleistet?» Stadtammann Geri Müller (Grüne/Team Baden) antwortete: «Die Sicherheit hat sich nicht verschlechtert in den Quartieren, in denen die Lichter gelöscht wurden.»

Es gelte aber nach wie vor, was der Stadtrat stets betont habe: «Falls sich das Lichterlöschen in ein Sicherheitsrisiko verwandelt, werden wir handeln.» Er sei stolz, wie Badens Einwohner auf die Nachricht der Zuweisung von Asylbewerbern reagiert habe: «Es gab kritische Fragen, aber keine Tumulte.»

«Sie könnten die Bänkli benutzen»: Spitalbesucher stehen der Asylunterkunft im Spitalkeller kritisch gegenüber.

«Sie könnten die Bänkli benutzen»: Spitalbesucher stehen der Asylunterkunft im Spitalkeller kritisch gegenüber.

Gemäss dem Leitbild der Stadt sei klar, dass man den Asylsuchenden in Würde helfen wolle, sagte Geri Müller. Vertreter der Badener SVP kritisierten, viel zu spät beziehungsweise aus der Zeitung erfahren zu haben, dass 200 Asylbewerber in der Stadt untergebracht würden.

Der Stadtammann nahm den Kanton in Schutz und erklärte, er sei rechtzeitig darauf hingewiesen worden, dass Baden beim Kantonsspital Flüchtlinge aufnehmen müsse.

Was würde passieren, wenn ein Katastrophenfall wie etwa ein Erdbeben einträte und Patienten im Notspital behandelt werden müssten? «Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Katastrophenfalls ist klein, aber sollte er in den kommenden Wochen eintreten, müssten die Asylbewerber wieder ausquartiert werden», erklärt Spital-Sprecher Marco Bellafiore.

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