Bäderquartier
Architekt Mario Botta über sein Thermalbad: «Die Limmat rückt jetzt wieder ins Zentrum»

Im Gespräch über sein Thermalbad verrät Architekt Mario Botta (75), was ihm das Projekt persönlich bedeutet und was er bei der Eröffnung 2020 zu tun beabsichtigt.

Frederic Härri
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«Bei der Eröffnung werde ich mir sicher ein Bad gönnen.» ASP

«Bei der Eröffnung werde ich mir sicher ein Bad gönnen.» ASP

Alex Spichale

Herr Botta, sind Sie nach all den Jahren der Planung erleichtert, dass es nun endlich mit dem Bau des Bades losgeht?

Mario Botta: Ich bin nicht nur erleichtert, ich bin auch glücklich. Vor zehn Jahren habe ich die ersten Skizzen erstellt und danach fast täglich an diesem Projekt gearbeitet. Herausgekommen ist nicht nur einfach ein Gebäude, sondern eine Neuinterpretation der Geschichte dieser Stadt. Seit 2000 Jahren badet man hier in den Thermen, sie sind identitätsstiftend. Nicht umsonst lautet der Name der Stadt «Baden».

Sie sagen, das Bad gehöre für die Stadt zur Identifikation. Was bedeutet es für Sie persönlich?

Ich bin davon überzeugt, dass die heutige Architektur nur dann funktioniert, wenn sie zu einem Teil des Ortes wird. Für mich ist das Bad darum wichtig, weil es nicht einfach ein isoliertes Projekt ist, das unsere künstlichen Bedürfnisse befriedigt. Nein, Thermalwasser ist schliesslich etwas, das aus den Tiefen der Erde kommt und uns Menschen guttut.

Was sind aus Ihrer Sicht die Stärken des neuen Thermalbades?

Einer der entscheidenden Punkte ist, dass die Limmat ihrer wichtigen Rolle wieder gerecht werden kann. Sie ist im Grunde genommen eine Wasserstrasse, ein wichtiger Verbindungsweg. Daneben entsteht für Fussgänger eine schöne Promenade. Die Limmat, die heute etwas abseits liegt, wird wieder ins Zentrum der Stadt rücken.

Haben Sie vor, selbst gelegentlich in «Ihrem» Bad baden zu gehen, wenn es eröffnet worden ist?

Ob gelegentlich kann ich nicht sagen. Doch bei der Eröffnung werde ich mir sicher ein Bad gönnen. Vielleicht ja dann mit Champagner, wenn es kein Thermalwasser hat. Aber Spass beiseite, es geht nicht um meine persönlichen Bedürfnisse. Die Aufgabe eines Architekten ist es, für das Wohlbefinden der Allgemeinheit zu arbeiten.

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