Sind wir – sprichwörtlich – im falschen Film? Was hat es zu bedeuten, wenn der Aargauer Kulturminister Alex Hürzeler (SVP) ein Interview mit Donald Duck führt und sich der etwas beleibte Luzerner SVP-Nationalrat Felix Müri zu Moderatorin Fabienne Hadorn in den Pool setzt? Die Antwort ist so naheliegend wie banal: Das 14. Fantoche hat begonnen.

Gewohnt originell, witzig und schräg führte die Schauspielerin und Sängerin in der voll besetzten Trafo-Halle durch die Eröffnungsfeier. Zwar etwas ins Alter gekommen, hat Hadorn nichts von ihrem Schalk verloren. Welchen Stellenwert das internationale Festival für Animationsfilm – das erste fand vor 21 Jahren in Baden statt – inzwischen hat, zeigte nicht nur die grosse Zahl der Gäste, sondern vor allem auch deren Zusammensetzung. So hatten sich nebst den oben erwähnten Politikern auch Stadtammann Geri Müller und die beiden Aargauer Nationalräte Yvonne Feri und Jonas Fricker sowie das ganze Who is who der Kulturszene eingefunden. Als erster Redner wandte sich der Neuenburger Ständeratspräsident Raphaël Comte (FDP) – erst auf Französisch – an die Gäste. In Anspielung auf die greise Hadorn und ihren nicht unbedingt vitaleren Ehegatten sagte Comte einleitend: «Umgeben von so vielen alten Leuten fühle ich mich beinahe wie im Ständerat», um sogleich ernst anzufügen: «Animationsfilme wecken Kindheitserinnerungen. Doch sie sind nicht nur lustig und leicht, sondern sollen auch zum Nachdenken anregen.» Damit spielte er auf den Eröffnungsfilm «Ma vie de courgette» von Claude Barras an, der von einem Waisenkind handelt.

Mit Animation und viel Humor: Szenen der Festival-Eröffnung.

Mit Animation und viel Humor: Szenen der Eröffnungsfeier.

Alex Hürzeler gab in besagtem Interview mit Donald Duck Einblick in die Aargauer Kulturszene. «Anders als die Kantone Zürich, Luzern oder Basel fehlen uns die grossen Zentren mit ihren Mäzenen.» Donalds Onkel Dagobert wäre darum sehr willkommen, sagte der Kulturminister in Anspielung auf die finanzielle Lage des Kantons.

Und dann kam der Moment, als Felix Müri, bekleidet mit einem Bademantel über dem Anzug, zu Hadorn in den Pool stieg. Müri ist Präsident der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur und outete sich selbst als grosser Kulturfan, auch wenn seine Frau bestimme, welchen Film man jeweils ins Kino schauen gehe. Er erntete viel Applaus für diese Worte: «Kulturelle Leuchttürme wie zum Beispiel das Fantoche sollen vom Bund durchaus mehr Unterstützung erfahren.»

Anlehnend an das Fokusthema

«Humanité animée» sprach der Badener Kulturvorsteher Erich Obrist zu den Gästen: «Vom EM-Final ist mir nicht das Spiel, sondern vielmehr die Szene geblieben, als ein portugiesischer Bub nach dem Spiel einen Franzosen getröstet hat.» Der Knabe habe die Verzweiflung des Mannes gespürt und sich in diese hineinversetzt – «das ist Menschlichkeit». Er danke allen, die das Fantoche ermöglichen, helfe dieses doch, den Ruf der lebensfrohen Stadt Baden in die Welt zu tragen.

Jugend-Jury beurteilt neu Filme

Bis kommenden Sonntag werden in der Kategorie «Internationaler Wettbewerb» 27 Filme aus 18 Ländern in vier Programmblöcken gezeigt. Auffällig seien die vielen Einreichungen aus China, wo die gesellschaftliche Dynamik Auswirkungen auf den Animationsfilm habe, so die Festival-Organisatoren. In der Kategorie «Schweizer Wettbewerb» werden dieses Jahr sechs Preise vergeben, drei davon sind neu. So wird etwa der «Swiss Youth Award» neu von einer Jugendjury mit Jugendlichen aus allen drei Sprachregionen vergeben. Insgesamt werden 22 Filme in zwei Programmblöcken gezeigt. Im Kinderfilm-Wettbewerb sind insgesamt 23 Filme zu sehen.

Festivalleiterin Annette Schindler betonte bei ihrer Ansprache, die heutige Generation ernte jetzt die Früchte der Animationspioniere. «Die Frage ist deshalb, was pflanzen wir beziehungsweise welche Früchte können künftige Generationen von uns ernten?» Die Antwort gab sie gleich selbst: «Unter anderem haben wir drei neue Preise ins Leben gerufen und insbesondere auch die Jugend wollen wir zu Wort kommen lassen.» Schindler brachte es eindrücklich auf den Punkt, was die Faszination von Animationsfilmen ausmache. «Animationsfilme müssen sich nicht an Naturgesetze halten.» Und sie lud alle Anwesenden ein: «Erkunden Sie in den nächsten Tagen die Weiten der Vorstellungskraft.»