Nun wird der «Fall Gomes» zum Juristenfutter: Wie Gemeindeammann Bruno Gretener (FDP) am Dienstagabend an der Wintergmeind unter «Verschiedenes» erwähnte, habe man «vor einiger Zeit eine Meldung an die Staatsanwaltschaft gemacht wegen allfälliger Amtsgeheimnisverletzung». Da es sich um ein laufendes Verfahren handle, werde man sich nicht näher dazu äussern, sagte Gretener. Auf die Meldung angesprochen, sagte Gemeinderat Beat Gomes (parteilos) am Rande der Gmeind, ihm sei nicht bekannt, welches Amtsgeheimnis er verletzt haben soll: «Ich weiss von nichts.» Er warte nun die Einvernehmung bei der Kantonspolizei ab, die heute stattfindet. «Danach sehen wir weiter.»

Zur Erinnerung: Mitte August hatte der Gemeinderat seinem Mitglied Beat Gomes einen Teil seiner Ressorts entzogen. Als Begründung gab der Gemeinderat unter anderem mehrfaches Fehlverhalten, Missachtung des Kollegialitätsprinzips sowie Gomes’ Verhalten gegenüber Mitarbeitenden, Behörden- und Kommissionsmitgliedern an. Auf den Inhalt des Ressortentzugs ging der Gemeinderat aufgrund des Amtsgeheimnisses nicht näher ein.

Was sich viele Mellinger nun fragen: Wie ist die Situation im Gemeinderat? «Wir können immer noch fair und sachlich miteinander umgehen, auch wenn die Diskussionen rege und wir uns manchmal nicht einig sind», unterstrich Bruno Gretener an der Gmeind. Beat Gomes seinerseits sagte zur AZ, dass ordentliche Diskussionen geführt würden. «Ich kann mich einbringen und bestimme mit. Wir haben eine gute Gesprächskultur.» In vielen Belangen gehe er gar mit dem Ammann einig. Gomes: «Ich habe das Gefühl, dass sich alle – nachdem es zum Eklat gekommen ist – um eine gute Gesprächskultur bemühen.»

FC Mellingen: Ja zum Neubau

Einige der 178 Stimmberechtigten vermochten beim Apéro nach der Gmeind wohl noch das eine oder andere Wort über den «Fall Gomes» gewechselt haben. Was am Abend zu langen Diskussionen geführt hat, war der Kreditantrag über 1,25 Millionen Franken für den Neubau des Garderobengebäudes mit Klubhaus für den FC Mellingen. Bruno Gretener machte keinen Hehl daraus, dass es ein grosser Betrag sei, den die Gemeinde in die Infrastruktur des Vereins investiere. Er appellierte deshalb: «Dem FC soll dies bewusst sein und ihn dazu verpflichten, sich weiterhin für die Gemeinde und die Jugend einzusetzen.»

Für die Stimmberechtigten war unbestritten, dass der FC einen grossen Beitrag zur Jugendförderung leistet. Jedoch wurde von einigen die Höhe des Kostenanteils der Gemeinde bemängelt. Konkret: 950'000 Franken investiert die Gemeinde netto, wobei der FC einen einmaligen Betrag von 100'000 Franken leistet und die Betriebseinrichtung finanziert, den Rückbau sowie einen jährlichen Pachtzins bezahlt. Hinterfragt wurde zudem, weshalb das Klubhaus und das Garderobengebäude im Besitz der Gemeinde bleibt. «Der FC soll das selber zahlen und auch selber betreiben», so ein Stimmberechtigter.

Kein Präjudiz schaffen

Die FDP-Ortspartei stellte einen Rückweisungsantrag mit dem Auftrag, dass mit dem FC eine wesentlich höhere finanzielle Beteiligung zu vereinbaren sei. Man wolle kein Präjudiz schaffen, das Ansprüche anderer Vereine wecken würde, sagte Parteipräsidentin Mirjam Egloff. Simon Koller, Stimmberechtigter und Schulpflegemitglied, war gegen die Rückweisung und betonte, dass das Klubhaus eine grosse Chance für die Schule und alle anderen Vereine sei.

Wie Koller war die grosse Mehrheit gegen den Rückweisungsantrag der FDP. In der Schlussabstimmung genehmigte die Gmeind den Kredit für den Neubau des Garderobengebäudes mit überwältigendem Mehr.

Genehmigt wurde auch der Kredit für die Sanierung des Rebwegs, Herrenrebenwegs und Rebhaldenwegs über 2,94 Mio. Franken sowie der Kredit für den Umbau und die Erweiterung des Rathauses über 0,57 Mio. Franken. Zuletzt sagte die Gmeind Ja zum Budget 2019 mit einem Steuerfuss von 110 Prozent.