Circus Knie

Als die Elefanten in Baden den Löwenbrunnen leer tranken

Der Löwenbrunnen in Baden (hier 1928) wurde von Elefanten des Circus Knie in früheren Jahren leergetrunken. ZVG

Der Löwenbrunnen in Baden (hier 1928) wurde von Elefanten des Circus Knie in früheren Jahren leergetrunken. ZVG

Der Circus Knie gastiert mit seinem Jubiläumsprogramm in Wettingen. Der National-Circus hat auch in der Region Geschichten geschrieben. Direktor Fredy Knie junior und Badens Ehrenbürger Sepp Schmid blicken zurück.

Seit Ende März ist der Circus Knie auf seiner 100-Jahr-Jubiläumstournee, die durch 33 Städte in der ganzen Schweiz führt. Halt macht er am Dienstag und Mittwoch auch in Wettingen im Gebiet «Margeläcker». Die Jubiläumstournee sei ein bewegendes Erlebnis, betont Fredy Knie: «Für uns ist es natürlich speziell, und ich denke, auch für die Schweizer Bevölkerung. Ein Familienunternehmen in der 8. Generation, das gibt es nicht wie Sand am Meer.» Viele Vorstellungen sind bereits ausverkauft, den Besuchern bietet der Zirkus anlässlich des Jubiläums auch einen tieferen Einblick in die Geschichtsbücher.

Vor mehr als 200 Jahren legte Friedrich Knie den Grundstein für den heutigen Nationalzirkus Knie. 1803 schloss er sich einer Kunstreitertruppe an, nachdem ihn das Künstlerleben beeindruckt und er sich in eine Artistin verliebt hatte. Drei Jahre später endete die Liebesbeziehung. Friedrich Knie blieb dem Artistenleben jedoch treu und gründete mit Akrobaten ein Seiltänzer- und Künstlerunternehmen, die Arena Knie.

Fredy Knie junior, der Urururenkel des Gründers Friedrich Knie und heutige Zirkusdirektor, erinnert sich: «Die Arena Knie wurde in Deutschland, Österreich und in der Schweiz bekannt und wuchs stetig.» Rund 100 Jahre später, am 14. Juni 1919, traten die vier Brüder Friedrich, Rudolf, Karl und Eugen Knie auf der Schützenmatte in Bern mit ihrem Freilichtzirkus erstmals unter einem Zeltdach auf. Mit dem Kauf des Zeltes hatten sie sich auch einen Platz im Handelsregister gesichert. Heute ist der Schweizer Nationalzirkus dort unter dem Namen «Gebrüder Knie, Schweizer National-Circus» zu finden.

Eine der Vorstellungen des Nationalzirkus in Wettingen möchte auch Sepp Schmid aus Baden besuchen. Der 81-Jährige hat einen besonderen Bezug zum Zirkus. Schmid wohnt im Haus, in dem sich bis 1964 das Hotel Engel befand. Die ganze Familie Knie sei jeweils über Vorstellungstage im Hotel untergebracht gewesen, erklärt Schmid. Direkt vor seiner Haustüre ereignete sich zudem um das Jahr 1950 ein amüsantes Erlebnis. «Sechs oder sieben Elefanten wurden vom Bahnhof hier durchgeführt, um zum Schadenmühleplatz zu gelangen. Dabei legten sie am Löwenbrunnen eine Trinkpause ein.» Im Brunnen habe es danach praktisch kein Wasser mehr gehabt.

So habe es sich aber nicht nur in Baden zugetragen: «Wir liefen mit unseren Elefanten jeweils vom Bahnhof zum Zirkusgelände eines Tournee-Ortes», sagt Fredy Knie junior. «Sobald sich eine geeignete Trinkstelle am Weg befand, gönnten wir den Tieren eine Pause. Bei den Brunnen saugten sie auch Wasser in die Rüssel und gönnten sich eine Dusche nach langem Transport im Zug. Das war ein Spektakel.»

Tiere machen Menschen Platz

Tempi passati: Heute beinhaltet das Programm des Circus Knie noch Pferde und Papageien, die mit den SBB transportiert werden. Das Unternehmen hat zwar weniger Tiere als früher, mit rund 250 Personen dafür aber mehr Personal. Mit der steigenden Zahl von Zirkuswagen wuchs auch der benötigte Platz, um sich an einem Ort für Vorstellungen niederzulassen.

Platzmangel sei der Grund, weshalb der Circus Knie nicht mehr auf dem Schadenmühleplatz in Baden gastiert, so Direktor Knie. Auch die räumlichen Verhältnisse und das Inventar hätten sich im Vergleich zu früher geändert: «Früher mussten die Artisten und Musiker bei Familien oder in lokalen Hotels übernachten, da der Zirkus noch nicht so viele Wagen hatte, um alle Mitarbeiter unterzubringen.» Verändert haben sich auch die Ansprüche der Leute. Überraschen sei bei der ganzen Palette an Unterhaltungsmöglichkeiten heute wichtig, so Knie: «Man muss Top-Qualität zeigen, um die Leute anzulocken. Die Erwartungshaltung der Besucher steigt stetig.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1