digitalEvent

Affenforscherin und Legende Jane Goodall kam mit einer beunruhigenden Botschaft nach Baden

Die Badener Kantischülerinnen bekamen für ihr Umwelt-Projekt ein von Jane Goodall signiertes Zertifikat.

Die Badener Kantischülerinnen bekamen für ihr Umwelt-Projekt ein von Jane Goodall signiertes Zertifikat.

Die 85-jährige Umweltaktivistin und Affenforscherin kam mit einer eindeutigen Botschaft nach Baden. Mit dabei wie immer: Plüschaffe «Mr. H.».

«Es ist geradezu bizarr, dass wir Menschen mit all unserem Intellekt es geschafft haben, auf den Mond zu reisen und den Mars erkunden wollen; aber unserer Erde nicht genug Sorge tragen.» Diese Worte von Jane Goodall machen das Badener Publikum betroffen.

Die Stimme der Primatenforscherin ist sanft, ihre Botschaft aber eindeutig. Sie will der Welt klarmachen, wie wichtig der Natur- und Klimaschutz sind. Und dass jeder Mensch die Verantwortung hat, etwas dazu beizutragen.

Goodall ist auf ihrer Mission noch immer rund 300 Tage im Jahr unterwegs. Dabei hasst die 85-Jährige das Reisen. «Wegen ihres vollen Terminkalenders haben wir die 13. Ausgabe des digitalEvent extra um eine Woche verschoben», bekunden die Organisatoren Tobias Küng und Paul Merki. Rund 2500 Besucher strömen in die Trafo-Hallen, um sich bei den 32 Ausstellern über die neusten Trends im Bereich Fotografie und Film zu informieren, an einem der zahlreichen Seminare Tipps von bekannten Fotografen zu erhalten oder eben, um einmal Jane Goodall live zu erleben.

Kantischülerinnen für Umweltprojekt prämiert

Einem Bericht in der Zeitschrift «National Geographic» ist es zu verdanken, dass in den Sechzigerjahren die noch unbekannte Jane Goodall in die Öffentlichkeit katapultiert wurde. Die Story der jungen blonden Sekretärin, die ohne wissenschaftliche Ausbildung in der afrikanischen Wildnis des Gombe-Nationalparks ihre Zelte aufschlug, um fortan das Verhalten der Schimpansen zu erforschen, sorgte für reichlich Schlagzeilen.

«Goodall kennt die grosse Macht der Bilder. Deshalb hat sie für unseren Fotoevent zugesagt. Wir sind sehr stolz, denn es ist einer ihrer ersten öffentlichen Auftritte in der Schweiz», meint Küng. Ein weiterer wichtiger Grund für das Erscheinen der Britin ist aber auch das seit 1991 existierende ökologische und humanitäre Jungendprojekt Roots & Shoots, das zur Jane-Goodall-Stiftung gehört. Es animiert junge Menschen, mit selbst gewählten Aktionen in ihrem eigenen Umfeld etwas zu verändern.

Als Ansporn fand im Frühling die Jane Goodall Challenge Schweiz statt. Von allen eingereichten Projekten werden der berühmtesten Tierschützerin der Welt die drei besten vorgestellt. Zu den Auserwählten gehören auch Annika, Sonja und Vivienne von der Kantonsschule Baden. Sie konzipierten für ihre Maturaarbeit im Jonenwald eine Schnitzeljagd zum Thema Umwelt und Natur für Kinder im Primarschulalter. Der «Greta-Effekt» habe dabei keine Rolle gespielt, betonen sie: «Wir haben uns schon vorher für die Umwelt engagiert.»

Früher nahm sie Regenwürmer mit ins Bett

Goodall heisst die Jugendlichen mit einem Schimpansen-Gruss willkommen. Das macht sie bei jedem Auftritt. Alle lachen. Dann erzählt sie witzige Episoden aus ihrer frühesten Kindheit. Zum Beispiel, wie sie Regenwürmer mit ins Bett nahm, um sie genau zu beobachten. Die Mutter unterstützte sie stets auf ihrem Lebensweg. «Das hat mich stark gemacht», sagt die grazile Persönlichkeit mit der gigantischen Willenskraft.

Jane Goodall beehrte den 13. digitalEVENT im Trafo Baden

Jane Goodall beehrte den 13. digitalEVENT im Trafo Baden

Wie bei all ihren Auftritten hat sie ihren Plüschaffen «Mr. H.» dabei. Den schenkte ihr vor 29 Jahren Gary Haun, der mit 25 Jahren erblindete und trotzdem ein fantastischer Zauberkünstler wurde. Für sie ein Symbol, niemals die Hoffnung aufzugeben. Auch nicht in Bezug auf die Umwelt. «Es ist nie zu spät, etwas zu ändern», motiviert sie ihre Zuhörerinnen und Zuhörer.

Bei der Präsentation der Jugendprojekte zeigt sich Goodall zugänglicher als am Abend bei ihrem Referat. «Ihr seid die Zukunft – und der Grund, dass ich in meinem Alter überhaupt noch unterwegs bin», gesteht sie.

Sie revolutionierte die Verhaltensforschung

Das «erwachsene» Publikum erlebt einen Querschnitt durch das Wirken von Jane Goodall, die ihr Leben dem Schutz der Schimpansen verschrieben hat und mit den Erkenntnissen aus ihrer Feldarbeit die Verhaltensforschung revolutionierte. Obwohl sie anfänglich in Opposition mit damaligen Fakultätsgrössen geriet, die Tieren weder Individualität noch Gefühle zuschreiben wollten. Dank dem unermüdlichen Wirken von Goodall fand ein Paradigmenwechsel statt.

Ein sichtlich nervöser Patrick Rohr interviewt sie nach verschiedenen Filmeinspielungen in der Trafo-Halle: Was gab ihr mit 23 den Mut, nach Afrika zu gehen? «Nichts, es war einfach alles, was ich immer wollte.» Hatte sie je Angst? «Nicht vor den Tieren, eher dass mir für meine Forschungen das Geld ausgeht.» Wollte sie jemals aufgeben? «Nie!» Sie lacht. Ihre Contenance verliert Jane Goodall nie. Und sie nimmt sich am Schluss noch anderthalb Stunden Zeit für Autogramme.

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