Der Bauernverband Aargau bricht eine Lanze für die Birmenstorfer Gemüsebauern – und wehrt sich gegen Kritik von Pro Natura. Ein kurzer Rückblick: In Birmenstorf soll eine Spezialzone für den Gemüseanbau entstehen. Der Anbau von Salaten, Gurken oder Sellerie hat auf den Birmenstorfer Feldern eine lange Tradition. Zunehmend werden die Lebensmittel auch in Gewächshäusern gezogen. Weil die Gemüsebauern Platz brauchen, um zu expandieren, soll nun der kantonale Richtplan angepasst werden. Denn die geplante Spezialzone liegt in der vom Bund geschützten Reusslandschaft. Die Anpassung wurde von den Gemüsebauern und von der Gemeinde Birmenstorf angeregt. Bis Ende September läuft die Vernehmlassung, an der sich auch die Öffentlichkeit beteiligen kann.

Der Naturschutzverband Pro Natura erhob im August deutliche Kritik an den Plänen: Die Birmenstorfer Landwirte würden buchstäblich die Bodenhaftung verlieren, und es werde unnötig Boden versiegelt. Durch die Umzonung könnten wertvolle Fruchtfolgeflächen mit festen Gewächshäusern überbaut werden. «Dafür braucht man kein Ackerland, das könnte man genauso gut auf den Dächern von Zürich machen», sagte Pro-Natura-Geschäftsführer Johannes Jenny im August.

«Falsche Behauptungen»

Diese Woche nun hat der Bauernverband Aargau (BVA) seine Stellungnahme zu dem Thema eingereicht. Geschäftsführer und CVP-Grossrat Ralf Bucher sagt: «Pro Natura hat teilweise mit falschen Behauptungen argumentiert.» Im Schweizer Gemüsebau bleibe der Boden auch unter Gewächshäusern grundsätzlich frei, sei also nicht betoniert, auch wenn in Substrat angebaut werde. Als Substrate, also Nährböden, dienen etwa Kokosfasern oder Steinwolle, auf denen das Gemüse wachsen kann.

Der Bauernverband argumentiert auch, dass mit dem Ausbau der heimischen Gemüseproduktion der Selbstversorgungsgrad gesteigert werde. Heute müssten 45 Prozent des Gemüses aus dem Ausland in die Schweiz importiert werden. Mit dem hiesigen Anbau würden Transporte und weniger nachhaltige Anbaumethoden im Ausland verringert. Bucher sagt deshalb zur Kritik von Pro Natura: «Ich habe kein Verständnis dafür. Anscheinend ist sich Pro Natura nicht richtig bewusst, wie der Anbau in Gewächshäusern funktioniert.» In der Stellungnahme des Bauernverbands wird ausführlich geschildert, dass keine Fruchtfolgeflächen, sprich fruchtbares Ackerland, zerstört würden. Der gewachsene Boden bleibe weitgehend intakt. Die Treibhäuser hätten zahlreiche Vorteile für den Gemüsebau und seien umweltschonend. Der BVA sei gerne bereit, das Pro Natura aufzuzeigen.

Verhärtete Fronten

Matthias Betsche, Präsident von Pro Natura Aargau, sagt zu den Vorwürfen: «Wir weisen die Aussagen des Bauernverbands, wonach Pro Natura mit falschen Behauptungen argumentieren würde, dezidiert zurück.» Er sei von der Haltung des Bauernverbandes enttäuscht, sagt Betsche. Er bleibt dabei: «Mit den Hors-sol-Hallen in Birmenstorf geht der Landwirtschaft fruchtbares Ackerland verloren. Durch die geplanten massigen Bauten wird zudem eine geschützte Landschaft von nationaler Bedeutung massiv verunstaltet.» Er werde sich «entschieden für den Schutz dieser wunderschönen Landschaft einsetzen».

Betsche bleibt auch dabei, dass Birmenstorf der falsche Ort sei: «Die Kulturen auf künstlichen Substraten sind auf einen Standort in den Fruchtfolgeflächen nicht angewiesen. Sie könnten ebenso gut auf Flachdächern von Industriehallen oder Einkaufszentren gebaut werden und wären so näher beim Konsumenten.»

Die Kritik am Standort in der Reusslandschaft lässt wiederum der Bauernverband nicht gelten. Ralf Bucher sagt: «Die Reusslandschaft ist – anders als etwa Auenschutzzonen – kein absolutes Naturschutzgebiet, sondern belebt mit Siedlungen und Industriebetrieben.» Sein eigener Hof liege auch in der Reusslandschaft. In dieser Zone müsse auch eine gewisse unternehmerische Entwicklung möglich sein. Die geplanten Flächen im «Gemüsebaudorf» Birmenstorf würden an bestehende Betriebe angeknüpft und seien so angelegt worden, dass die Reusslandschaft möglichst wenig tangiert würde. Die vorgeschlagene Anpassung des Richtplans sei deshalb zu genehmigen, fordert der Bauernverband.