Die erste Einwohnerratssitzung im neuen Jahr läuteten Schüler der Musikschule Wettingen mit entspannenden Klavier-, Gitarren- und Saxophonklängen ein. Es schien fast so, als ob die Musik die Gemüter früh genug beruhigen sollte, um die später erwartete, hitzige Diskussion mit handzahmen Einwohnerräten führen zu können. So war im Vorfeld einiges über den vom Gemeinderat gestellten Kreditantrag von 450 000 Franken für das 975-Jahr-Jubiläumsfest «Atmosphäre» von 2020 geschrieben und gesagt worden. Die Meinung der Fraktionen war klar: Dieser Beitrag an das gesamte Festbudget von 2,8 Millionen Franken war für eine der am höchsten verschuldeten Gemeinden im Aargau einfach zu hoch. Der Tenor: Feiern ja, aber nicht für diesen Preis.

Der Antrag der Finanzkommission (Fiko), den Beitrag um 150 000 auf 300 000 Franken zu reduzieren, wurde grossmehrheitlich von den Fraktionen bereits im Vorfeld begrüsst, was sie in ihren Voten an der Einwohnerratssitzung auch noch einmal bestätigten: Am Ende befürworteten 39 Einwohnerräte die Reduktion des Beitrags, 7 enthielten sich ihrer Stimme.

Bescheideneres Fest

Doch von vorne: François Chapuis (CVP) bemängelte in seiner Funktion als Präsident der Fiko, dass im vorliegenden Traktandenbericht die ganzen finanziellen Auswirkungen des Festes wie auch die finanzrechtlichen Aspekte viel zu wenig beleuchtet worden seien. Eines der Ziele des Festes, eine schweizweite Ausstrahlung zu erlangen, sei mit hohen Erwartungen verbunden. Aber: «Wir sind nicht Baden mit der Badenfahrt und nicht Zürich mit dem Züri Fäscht.»

Deshalb forderte die Fiko aus Gründen der Tragbarkeit eine Redimensionierung des Gemeindebeitrags. Darüber hinaus stellte sie weitere Anträge, darunter die Aufnahme des Kreditbetrags im Budget 2020 sowie die Gründung des Vereins «Wettingen 975-Jahr-Feier». In dessen Statuten solle festgehalten werden, dass über die Verteilung eines allfälligen Gewinns alleine der Gemeinderat zu entscheiden hat.

Die Parteien gingen grundsätzlich mit den Anträgen der Fiko überein. Alain Burger, Co-Präsident der Fraktion SP/WettiGrüen, fand in seiner energischen Rede: «Etwas bescheidener passt doch besser zu uns.» Denn: «Die Schulden der Gemeinde erreichen schon bald den oberen Rand der ‹Atmosphäre›», sagte er in Anspielung auf den Namen des Festes, «da bleibt eigentlich gar nichts übrig, weder die 450 000 noch die 300 000 Franken, die die Fiko fordert.» Doch seine Fraktion sei sich einig, dass die Wettinger ein einzigartiges Fest auf die Beine stellen werden, weshalb sie mehrheitlich dem Antrag der Fiko folge.

Ebenso die Fraktion EVP/Forum 5430. Nach den Ausführungen von OK-Präsident Paul Koller hätte die Partei realisiert, dass es darum geht, ein gemeinsames Erlebnis entstehen zu lassen. «Da haben wir uns gesagt: Das wollen wir! Und so schliessen wir uns in der Grössenordnung dem Vorschlag der Fiko an», so Fraktionspräsidentin Marie-Louise Reinert. FDP-Fraktionspräsidentin Judith Gähler fand: «Das Fest wird ein Antrieb für die Wirtschaft sein und das lokale Gewerbe ankurbeln.» Auch mit einem kleineren Budget werde das Fest über Wettingen hinausstrahlen. Die FDP stimme ebenfalls dem reduzierten Kredit zu. So auch die SVP: «Wir können uns keine Luxuslösung leisten und sind der Meinung, weniger ist mehr«, votierte Martin Fricker im Namen der Partei.

Rückweisungsantrag abgelehnt

Die einzige Partei, die nicht für den Antrag der Fiko votete, war die GLP-Fraktion. Diese stellte einen Rückweisungsantrag und verlangte eine neue Kreditvariante. Gemeindeammann Roland Kuster (CVP) forderte danach eindringlich dazu auf, diesen Antrag nicht anzunehmen: «Die Vorbereitungen für das Fest laufen schon seit geraumer Zeit. Wir stehen ein bis anderthalb Jahre vor dem möglichen Austragungstermin.» Die Rückweisung des Antrags berge das Risiko, die ganzen Vorbereitungen noch einmal nach hinten schieben zu müssen. «Doch jetzt ist jeder Tag wichtig, um bei möglichen Sponsoren vorbeigehen zu können», sagte er mit der leisen Vorahnung, dass am Ende wohl der Antrag der Fiko genehmigt würde. Derjenige der GLP fand kein Gehör und wurde deutlich abgelehnt, mit 32 Nein zu 7 Ja. 7 enthielten sich der Stimme.

Der OK-Präsident Paul Koller der 975-Jahr-Feier war sehr froh darüber, kam am Ende immerhin der Antrag mit 300 000 Franken beim Einwohnerrat durch: «Für mich ist das die zweitbeste Lösung des Abends.»