Die Szenerie am Morgen kurz nach 9 Uhr beim Ländli erinnerte an einen Flughafen zur Hauptferienzeit. Erstens waren so viele Schülerinnen und Schüler anzutreffen, dass man sich den Weg durch die Menschenmasse regelrecht erkämpfen musste. Zweitens waren da – analog den Reiseführern am Flughafen – die Klassenlehrer, die Plakate in die Höhe hielten, in der Hoffnung, all ihre Schüler würden zum richtigen Verbund finden. Und als letzte Analogie zum Flughafen gab es auch Schüler, die beim falschen Gate eincheckten respektive ihr neues Klassenzimmer partout nicht finden konnten (oder wollten).

Nach nur vier Monaten Bauzeit ist das Schulprovisorium auf der Ländliwiese in Betrieb genommen worden. In den nächsten drei Jahren werden hier rund 640 Oberstufenschüler von rund 60 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet, während in der Burghalde ihr neues Schulhaus für knapp 100 Millionen Franken entsteht. Es handelt sich dabei um 22 Bez- sowie je vier Sekundar- und Realschulklassen. «Bereits in der ersten Ferienwoche wurden an die 2000 Kisten gezügelt und alles neu beschriftet», sagt Schulleiter Jethro Gieringer. In der letzten Ferienwoche hätten die Lehrkräfte dann alles eingerichtet, weshalb man heute bereit sei, hier auf der Ländliwiese den Schulbetrieb aufzunehmen.

Eröffnung Schulprovisorium Ländli

Eröffnung Schulprovisorium Ländli

Im Provisorium auf der Ländli-Wiese begingen 640 Schülerinnen und Schüler ihren ersten Schultag nach den Sommerferien.

Der Augenschein vor Ort bestätigt diese Aussage grundsätzlich. Die hellen Räume wirken einladend und modern. Klassenlehrer Erich Hausherr begrüsst seine Schüler jedoch mit den Worten, es sei noch nicht ganz alles bereit. So dürfe etwa noch nicht allzu viel an die Wände gehängt werden, da diese noch nicht stabil genug seien.

Improvisieren im Provisorium

Die Verantwortlichen zeigten sich sehr erfreut über das neue Schulhaus, das mit rund 7,2 Mio. Franken zu Buche schlägt. In den beiden zweigeschossigen Pavillon-Bauten sind 45 Schulzimmer untergebracht. Der grössere der beiden Pavillons soll 2012 wieder abgebaut werden. Im kleineren Pavillon werden zwischen 2021 bis 2023 die Primarschüler unterrichtet, die dann ab 2013 im sanierten Schulhaus Pfaffechappe unterrichtet werden.

Projektleiter Hans Weibel von der städtischen Abteilung Planung und Bau, spricht in Anbetracht der Modul-Bauweise von einem «Lego-Schulhaus». Die Realisierung sei nicht ohne gewesen, wenn man nur etwa an die Statik denke, stehe das neue Schulhaus doch auf dem Ländli-Parkhaus.

Auch Jethro Gieringer zeigte sich vor der offiziellen Eröffnung tief beeindruckt vom neuen Bau und dankte allen Beteiligten. Im Wort «Provisorium» sei das Wort «pro» enthalten. «Pro bedeutet für etwas sein; für etwas einstehen.» Zufrieden ist auch der verantwortliche Badener Architekt Franco Pinazza: «Ich selber ging immer gerne zur Schule. Mir war es ein grosses Anliegen, ein Schul-Provisorium zu realisieren, das für die Schüler ein gutes Umfeld darstellt.»

Apropos Umfeld: Im Vorfeld der Realisierung des Baus kritisierten Eltern den Standort auf der Ländliwiese, da die Platzverhältnisse hier (in unmittelbarer Nähe werden noch rund 750 Primar- und Oberstufenschüler unterrichtet) viel zu eng seien. Nun soll wenigstens der Kiesplatz teilweise überdacht werden, der Ländliweg soll als Pausenplatz dienen und die grossen Pausen der Unter- und Oberstufe werden zeitlich versetzt. «Nicht nur der Bau des Provisoriums hat eine Herausforderung dargestellt, sondern auch der Schulbetrieb», sagt Gieringer. Dieser verlange auch einiges an Improvisation ab. Deshalb habe man den Slogan «zäme improvisiere im Provisorium» entworfen.