Würenlos
5G-Gegner befürchten Strahlung bis an Nachttisch – aber verlieren Abstimmung um Smart-Meter deutlich

An der Gemeindeversammlung äussern sich 5G-Kritiker skeptisch zur geplanten Anschaffung der intelligenten Messsysteme. Doch mit ihrem Antrag bleiben sie ohne Chance.

Philipp Zimmermann
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Ein alter Stromzähler und ein neuer Smart-Meter.

Ein alter Stromzähler und ein neuer Smart-Meter.

Badener Tagblatt

Gegner der 5G-Technologie haben sich bisher vor allem gegen das Aufstellen und Aufrüsten von Mobilfunk-Antennen gewehrt. In Würenlos geht der Widerstand weiter: Im Dorf an der Grenze zum Kanton Zürich wehren sich 5G-Gegner gegen die Einführung von modernen Stromzählern, sogenannten Smart-Metern. An der Gemeindeversammlung vom Dienstag stand für die Einführung von Smart-Metern ein Kredit von rund, 1,8 Millionen Franken zur Debatte.

Im Rahmen der Energiestrategie 2050 sollen die bestehenden Elektrizitätszähler gegen «die intelligenten Messsysteme», wie es im Traktandenbericht heisst, ausgetauscht werden. Bis 2027 ist der Einbau bei mindestens 80 Prozent der Haushalte vorgesehen. 3700 Zähler sind es in Würenlos. Sie gehören den Technischen Betrieben Würenlos (TBW), die wiederum im Besitz der Gemeinde ist.

In Zukunft freie Wahl des Stromlieferanten

Ein grosser Vorteil der Smart-Meter sei, dass die Stromkunden dadurch in einem liberalisierten Markt ihren Lieferanten frei wählen können, führte Vizeammann und Ressortleiter Nico Kunz (FDP) aus. Wann die Liberalisierung Tatsache wird, ist allerdings noch unklar.

Andreas Pestalozzi, ein Physiker und pensionierter Bezirkslehrer, wehrte sich für die «IG Mitsprache 5G zWürelos» gegen die geplante Anschaffung. Der IG gehe es nicht um die Anschaffung der Smart-Meter an sich, sagte Pestalozzi. Er befürchte, dass sich elektromagnetische Strahlung von den Smart-Metern über alle Leitungen im Haus verteilt, bis zum Nachttischchen. Er sagte:

Die Information der Gemeinde über gesundheitliche Risiken der Bevölkerung finden wir völlig ungenügend.

Seine Forderung: «Wir beantragen die Rückweisung des Geschäfts, kombiniert mit dem Auftrag an den Gemeinderat, eine Regelung zu erarbeiten, die einen smarten Betrieb mit möglichst minimalen elektromagnetischen Emissionen ermöglicht.»

Diese Regelung könnte in einem halben Jahr erarbeitet werden, sagte Pestalozzi. Die IG hatte bereits vor der Gemeindeversammlung einen offenen Brief an die Würenloser Haushalte verteilt.
Vizeammann Kunz wies den Vorwurf der ungenügenden Information zurück. Die Sendeleistung der Smart-Meter sei emissionsarm, hielt er dagegen. TBW-Geschäftsleiter Richard Leiter ergänzte:

Die Strahlung beträgt nur ein Bruchteil von dem, die wir heute haben.

Für Laien der Materie blieb es zwar schwierig, die Argumente gegeneinander abzuwägen. Die grosse Mehrheit der 167 Anwesende hatte aber offenbar mehr Vertrauen in die Abklärungen und Aussagen von Gemeinderat und TBW-Geschäftsleiter. Dementsprechend lehnte die Gemeindeversammlung den Rückweisungsantrag der IG mit 28 Ja- zu 99 Nein-Stimmen ab. Den Kredit von 1,8 Millionen Franken für die Anschaffung der Smart-Meter nahm das Stimmvolk daraufhin mit grossem Mehr an. Die Smart-Meter sollen von 2021 bis 2023 in Würenlos montiert werden.

Kritische Fragen zu einer Erschliessung

Die Realisierung des Alterszentrums in Würenlos rückt einen weiteren Schritt näher: Die Gemeindeversammlung hat dem Baurecht zu Gunsten der Alterszentrum Würenlos AG deutlich mit 145 Ja zu 6 Nein zugestimmt. Die AG will ein Alterszentrum auf zwei Parzellen der Einwohnergemeinde realisieren.

Mit einem zweiten deutlichen Ja (137 zu 9) erhielt der Gemeinderat grünes Licht, um den Baurechtsvertrag abzuschliessen. Ein Anwohner traf mit kritischen Fragen zur ungelösten Erschliessung einen wunden Punkt. «Wir sind daran, dieses Projekt neu aufzugleisen und die Erschliessung neu zu lösen», sagte Gemeindeammann Anton Möckel (parteilos). Er bat um Geduld und fügte an:

Es ist eine schlechte Situation und ich möchte, dass diese gelöst wird.

Die weiteren Entscheide der Gemeindeversammlung

Die Stimmbevölkerung nahm an der Gmeind alle Vorlagen an. Dazu gehören:

Deutliches Ja zum Baurecht: Es ist ein wichtiger Schritt für die Realisierung des Alterszentrums in Würenlos: Die Gemeindeversammlung hat dem Baurecht zu Gunsten der Alterszentrum Würenlos AG deutlich mit 145 Ja zu 6 Nein zugestimmt. Die AG will ein Alterszentrum auf zwei Parzellen der Einwohnergemeinde realisieren. Mit einem zweiten deutlichen Ja (137 zu 9) ermächtigte die Gmeind den Gemeinderat, den Baurechtsvertrag abzuschliessen. Ein Alterszentrum für das Dorf ist eine fast unendliche Geschichte.

Das Budget 2021 mit unverändertem Steuerfuss von 103 Prozent.

Kredit über 823'000 Franken für den Umbau des Knotens Bahnhofstrasse/Landstrasse. Dieser ist für den Neubau der Landi nötig.

Rechnung 2019 und Rechenschaftsbericht 2019, Verpflichtungskredite für die ARA, Werk- und Kanalisationsleitungen.

Gemeinderatsentschädigung für die Amtsperiode 2022-25, die unverändert bleibt: Der Gemeindeammann erhält 65'000, der Vizeammann 30'000 und Gemeinderäte 25'000 Franken.

13 Einbürgerungen ohne eine einzige Gegenstimme: Über nicht weniger als 13 Einbürgerungsgesuche zu 17 Personen hatte die Gemeindeversammlung zu befinden. Sie stimmte allen zu – und das bei nicht einer einzigen Gegenstimme. Danach folgte ein warmer und anhaltender Applaus für die Eingebürgerten. Einziger Wermutstropfen: Sie müssen nun doch noch eine Weile warten, bis der rote Pass eintrifft. Laut Gemeindeammann Anton Möckel könne dies noch ein bis eineinhalb Jahre dauern.