Baden

220 Wohnungen für 95 Millionen Franken: Grosses Bauprojekt im Brisgi-Areal wird noch grösser

In den 15 geplanten Neubauten auf dem Brisgi-Areal sollen 220 Wohnungen entstehen.

In den 15 geplanten Neubauten auf dem Brisgi-Areal sollen 220 Wohnungen entstehen.

Das grosse Bauprojekt auf dem Brisgi-Areal im Badener Kappelerhof wird konkreter. Auf dem Gelände stehen heute bereits wenige Wohngebäude inklusive eines Hochhauses. Geplant sind 15 weitere Gebäude. Die Wohnbaustiftung Baden holt dafür zwei Partner ins Boot.

Das Projekt wurde bisher von der Wohnbaustiftung Baden verantwortet, nun wurde eine Partnerschaft mit zwei weiteren Genossenschaften geschlossen: Graphis und Logis Suisse AG. Die Graphis Bau- und Wohngenossenschaft mit Sitz in Bern besitzt laut Medienmitteilung 1300 Wohnungen in neun Kantonen und ist gemeinnützig und unabhängig organisiert. Die gemeinnützige Wohnbau-Aktiengesellschaft Logis Suisse AG hingegen ist in Baden lokalisiert. Sie besitzt 3000 Wohnungen in der gesamten Deutschschweiz, 500 davon in der Region Baden.

Dass die Wohnbaustiftung Baden die alleinige Bauherrschaft aufgegeben hat, liegt laut Geschäftsführer Adrian Rehmann an zwei Faktoren. Einerseits erhoffe man sich durch drei Genossenschaften ein vielfältigeres Quartierleben. «Es ist sicher nicht verkehrt, wenn drei unterschiedliche Eigentümer ihre Spuren im Quartier hinterlassen. So können unterschiedliche Anforderungen der künftigen Mieter erfüllt werden», so Rehmann.

Andererseits öffnet die Aufteilung neue Spielräume für die Wohnbaustiftung. Das Badener Stimmvolk beschloss 2010 die Gründung der Stiftung mit dem Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – und stattete sie gleich mit zehn Millionen Franken Eigenkapital aus. «Das Stiftungskapital muss ja nicht vollumfänglich in das Brisgi-Areal fliessen. Wir wollen die Stadt Baden auch an zukünftigen Standorten zur Schaffung von guten Lebensbedingungen unterstützen», erklärt Rehmann. Entsprechende Projekte für innerstädtisches Wohnen in zentraler Lage seien bereits in Planung, aber noch nicht spruchreif.

Projekt kostet nun mehr

Der Investitionsrahmen für das Projekt ist von 60 auf mittlerweile rund 95 Millionen Franken gestiegen. Allerdings sind nun auch nicht mehr nur 190, sondern 220 Wohnungen geplant. Von den insgesamt 15 Gebäuden, die auf der Fläche neben dem Limmatturm entstehen sollen, werden einige nun sechs statt fünf Etagen hoch werden. Dieser Vorschlag sei in Zusammenarbeit mit der Stadtbildkommission ausgearbeitet worden.

Die 15 Gebäude werden in drei Cluster à fünf Gebäude aufgeteilt, jedes Cluster teilt sich einen gemeinsamen Innenhof. Dieser soll als eine Art sozialer Treffpunkt fungieren – weg von der Anonymität einer Siedlung, hin zu einer eigenen Quartiersidentität. Die Genossenschaften tragen jeweils die Verantwortung für eine Gebäudegruppe. «Fassade und Freiraumgestaltung werden sich nicht unterscheiden. Es ist aber vorgesehen, dass die drei Genossenschaften in den Innenräumen auf unterschiedliche Akzente zum Beispiel in der Küchenmöblierung setzen», so Rehmann.

Als Herausforderung bis zum geplanten Baustart im Sommer 2022 stellt sich die Verkehrssituation dar. Die Bewohnenden der bisherigen 190 Wohnungen fürchten eine massive Verkehrsbelastung. Die Projektleitung will den Autoverkehr allerdings nicht durch das Quartier lenken, sondern von der Brücke über das Bahntrassee möglichst schnell in eine Tiefgarage. Dort sind 201 Stellplätze vorgesehen. Rehmann: «In den Neubauten wird jede zweite Wohnung autofrei. Die Hälfte der Stellplätze soll Platz für die Nachbarn aus den bestehenden Gebäuden bieten.» Diese müssten derzeit zum Teil entlang der Strassen parken.

Ehemalige Gastarbeitersiedlung der BBC

Bei den bestehenden Gebäuden handelt es sich um zwei Punktbauten und ein Hochhaus mit 20 Etagen, dem Limmatturm. Die BBC hatte die Gebäude in den 60er-Jahren errichtet. Sie hatte auf dem Gelände bald nach dem Krieg eine Barackensiedlung für Gastarbeiter errichtet – in Spitzenzeiten lebten davon 1500 im «Brisgi» (jenisch für «Bruder»).

Aus den Plänen der BBC für eine Gastarbeitersiedlung wurde ebenso wenig wie aus den Plänen vor 80 Jahren, hier ein zweites Flusskraftwerk zu bauen. In den 90ern wurde das Baurecht der Stadt übergeben und zu einer der letzten städtischen Baulandreserven. Seitdem besteht der Wunsch, neuen Wohnraum für Familien zu schaffen.

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