Obersiggenthal

100-Millionen-Überbauung auf dem Oederlin-Areal rückt (langsam) näher

Blick auf einen Teil des Oederlin-Areals: Das Botta-Thermalbad, das auf der gegenüberliegenden Flussseite gebaut wird, hätte darauf viermal Platz. Alex Spichale /AZ-Archiv

Blick auf einen Teil des Oederlin-Areals: Das Botta-Thermalbad, das auf der gegenüberliegenden Flussseite gebaut wird, hätte darauf viermal Platz. Alex Spichale /AZ-Archiv

Viermal so gross wie das neue Thermalbad in Baden: Hier sollen 110 Wohnungen, Hotels und Stadtvillen sollen gebaut werden. Lange Jahre stand das Projekt still: nun soll er wieder ins Rollen kommen.

Die Initianten hätten vielleicht besser einen anderen Namen für ihr 100-Millionen-Franken-Projekt gewählt als «Zackenbarsch». Gewisse Arten dieser Fische können zwar eine imposante Grösse von fast drei Metern erreichen; allerdings wachsen sie nur sehr langsam.

Nomen est omen, der Name ist ein Zeichen, wussten schon die alten Römer: Von Wachstum war auf dem Oederlin-Areal in den vergangenen Jahren nichts zu sehen. Doch nun nimmt eines der grössten privaten Bauprojekte im Kanton Aargau der letzten Jahre wieder Fahrt auf. Obersiggenthals Gemeindeammann Dieter Martin (FDP) bestätigt: «Der Entwurf zur Teiländerung der Nutzungsplanung des Oederlin-Areals liegt vor, wir stimmen ihn derzeit gemeinsam mit den Entwicklungsträgern ab.»

Viermal so gross wie das neue Thermalbad in Baden ist die Fläche des ehemaligen Industrieareals auf der gegenüberliegenden Flussseite in Obersiggenthal. Hier soll ein metropolitanes Quartier entstehen: Neben einem Wohnquartier mit 110 Apartments und Stadtvillen direkt am Fluss sind in der Arealmitte Hotels und Longstay-Apartments vorgesehen, wobei auch Platz für die Kreativitätsindustrie und kulturelle Angebote, Lifestyle und Freizeit geschaffen wird.

Viele Steine im Weg

Im Osten des Areals soll urbanes Arbeiten möglich gemacht werden. Wertvolle industrielle Bauten – die Metallwarenfabrik zählte vor hundert Jahren rund 400 Mitarbeiter – werden erhalten bleiben. Mit Baden verbunden werden könnte das Gebiet durch den Mättelisteg.

Vor drei Jahren prüften die Initianten den Rückzug und drohten mit dem Projektabbruch (AZ vom 10. 9. 16). Dies, weil ihnen die Behörden – konkret die Ortsbildkommission – angeblich zu viele Steine in den Weg legten. In diesem Zusammenhang lässt eine Nachricht der Gemeindekanzlei Obersiggenthal, verschickt diese Woche, aufhorchen: «Die frühere Ortsbildkommission wurde aufgelöst», heisst es. «Man musste behördenseitig erkennen, dass die Organisation der expertenseitigen Baugesuchsprüfungen hinsichtlich Ortsbildbelange nicht mehr zufriedenstellend funktionierte.» Der Gemeinderat habe sich dazu veranlasst gesehen, «im Bereich Baugesuchsverfahren eine massgebliche Verschlankung umzusetzen».

Gemeindeammann Dieter Martin betont, es bestehe kein direkter Zusammenhang zwischen der Auflösung der Kommission und dem jahrelangen Stillstand auf dem Oederlin-Areal. Die Initianten des «Zackenbarsch»-Projekts jedoch – Thomas Schmid, Geschäftsführer der Oederlin AG, und Projektleiter Andreas Wirth – dürften das Verschwinden der Kommission mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen.

Äussern wollen sie sich aktuell jedoch nicht. Sie erklärten schon vor Monaten, sich an die Übereinkunft mit der Gemeinde halten zu wollen, wonach die Öffentlichkeit koordiniert informiert werde. Wie im vorliegenden Fall war es zuletzt jedoch meist der Gemeinderat, der Informationen verbreitete.

Bei der Präsentation im Jahr 2015 hofften die Initianten auf eine schnelle Umsetzung ihrer Pläne. Sieben Investoren sollten sich darum konkurrenzieren, das Projekt realisieren zu dürfen, wobei der Sieger die restlichen Realisierungsträger ausbezahlen sollte. Geplant war der Bau der Wohnungen bis im Jahr 2018.

Bis das 100-Millionen-Franken-Projekt realisiert wird, dürfte trotz des vorliegenden Entwurfs zur Teilzonenplananpassung noch viel Zeit vergehen. Sobald diesbezüglich eine Einigung besteht, wird der Einwohnerrat darüber abstimmen, danach werden die Anpassungen der Bevölkerung zur Mitwirkung aufgelegt. Anschliessend wird ein Gestaltungsplan erarbeitet werden müssen – erst danach kann das Baugesuch eingereicht werden.

Inzwischen wissen es auch die Initianten des Obersiggenthaler Projekts: Bis ein Zackenbarsch seine Grösse erreicht, vergehen viele Jahre.

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