Neues Hundegesetz

Auch ein neues Hundegesetz hat seine Pferdefüsse

Marianne Mühlberg mit ihrem Rottweiler Bruce. Walter Schwager

Marianne Mühlberg mit ihrem Rottweiler Bruce. Walter Schwager

Vor Jahresfrist verpassten es die eidgenössischen Räte, sich auf ein einheitliches Gesetz zu einigen. Nun kreiert jeder Kanton sein eigenes. So auch der Aargau. Fachpersonen beispielsweise lehnen Rasselisten ab.

Dieses nimmt die Hundehalter in die Pflicht, in erster Linie diejenigen bestimmter Rassen. Mensch und andere Lebewesen will das Gesetz vor dem Hund schützen, aber kaum umgekehrt. Das Gesetz definiert die Zuständigkeiten, räumt mit dem Vollzugnotstand auf und nimmt gefährliche Hunde ins Visier. Dabei spricht es von «Rassen mit erhöhtem Gefährdungspotenzial».

Hundehalter zur Kasse gebeten

Grundsätzlich werden die Hundehalter durch höhere Taxen zur Kasse gebeten. Am heftigsten wird die – zwar noch unbekannte – Rasseliste diskutiert. Eine solche will der Regierungsrat bei Annahme des Gesetzes festlegen. Eine wissenschaftliche Grundlage, die Rassen ein erhöhtes Gefährdungspotenzial zuordnen würde, existiert nicht. Das Komitee «Ja zum Hundegesetz» erklärt jedoch, dass «gewisse Rassetypen und Kreuzungen je nach Zucht, Aufzucht und Haltung potenziell gefährlich werden können». Gemäss Regierungsrat sind das Pitbullterrier, American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Molosser (darunter Rottweiler, Doggen, Boxer), Dobermann etc. Die Halter gelisteter Hunde fühlen sich diskriminiert, denn auf sie warten Pflichten, Auflagen und Kosten.

Anders ist es im Kanton Luzern, dessen Hundegesetz als schlank, aber griffig gilt. Es richtet den Fokus nicht auf einige Rassen, sondern auf verhaltensauffällige Hunde aller Rassen, so der Luzerner Kantonstierarzt Josef Stirnemann. Beurteilt werde nach Sachkriterien. Anders im Aargau: Hier wird aufgrund einer Rasseliste des Regierungsrates geurteilt. Bei Mischlingen gilt das Aussehen, insbesondere des Fells; ein Mischling mit gestromtem (tigermustrigem) Fell dürfte damit unabhängig vom Wesen zum Hunde mit erhöhtem Gefährdungspotenzial werden.

Gesetz verhindert keine Unfälle

«Ein Prozent der Hundehaltenden und ihrer Hunde dient als Bauernopfer, damit Ruhe einkehren soll», kritisiert Marianne Mühlberg («Lexcanis» und Komiteemitglied «Faires Hundegesetz»). Sie hält seit 17 Jahren Rottweiler. «Selbst Befürworter und Regierung erklären, dass kein einziger Unfall mit diesem Gesetz verhindert werden kann», sagt Mühlberg. Denn zwielichtige Halter würden sich ja um die Bewilligungspflicht foutieren.

Gemäss neuem Gesetz kann auf Hinweise interveniert werden. Fällt ein Hund jemandem negativ auf, muss der Halter auf seine Kosten den Gegenbeweis antreten. «Unschuldsvermutung und Beweislast in unserem Recht werden damit auf den Kopf gestellt», so Mühlberg.

Die Stiftung «Tier im Recht» findet ethisch auch nicht tolerierbar, dass die Behörde einen Hund, dessen Halter den Verpflichtungen nicht nachkommt, einfach einschläfern kann. Das Bundesgericht hat in einem solchen Fall aber keinen Verstoss gegen die Tierwürde geortet. Das Pro-Komitee erklärt, die neuen Bestimmungen würden den gesellschaftlichen Bedürfnissen entgegenkommen.

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