Gränichen
Zehnder streicht 40 Jobs im Aargau: «Lohnkosten in Frankreich fast 50 Prozent tiefer»

Erneut kommt es im Aargau zu einem grossen Stellenabbau. Die Zehnder Group verlagert ein Drittel der Produktion weg aus Gränichen, wo sie 1895 gegründet wurde.

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Zehnder-Finanzchef René Grieder – Blick in die Zehnder-Produktionsstätte.

Zehnder-Finanzchef René Grieder – Blick in die Zehnder-Produktionsstätte.

Mario Heller/HO

Die Zehnder Group, Hersteller von Heizkörpern und Lüftungen, stellt in ihrem Gränichener Werk ein Drittel der Produktion ein. Diese wird an den Standort in Vaux-Andigny verlagert, im nördlichen Frankreich. «Die Lohnkosten sind dort auf die Stunde umgerechnet fast 50 Prozent tiefer», sagt Zehnder-Finanzchef René Grieder. Zudem sei das Werk in Vaux-Andigny besser aufgestellt für die Herstellung standardisierter Produkte und näher an Grossbritannien gelegen, wo eben solche Produkte vor allem gefragt sind.

Zehnder hat alle Alternativen durchgerechnet, so etwa auch, die Herstellung in Gränichen zusammenzuziehen statt wie es nun geschieht in Frankreich. Betriebswirtschaftlich gesehen war jedoch nur der Abbau in Gränichen sinnvoll, so Grieder. «Der Markt für Heizwände ist seit Jahren rückläufig, die Preise gehen tendenziell runter und höhere Preise lassen sich nur selten erzielen: Also müssen wir dort produzieren, wo die Kosten tiefer sind.»

Kundennähe als Vorteil

Hingegen bleibe in Gränichen die Herstellung von Spezialanfertigungen, die im schweizerischen Markt nach wie vor gewünscht sind. «In der Schweiz ist die Nähe zum Kunden von Vorteil: Wir können in zwei bis drei Tagen liefern und auf Wünsche eingehen. So lange die Kunden bereit sind, dafür einen angemessenen Preis zu bezahlen, kann die Produktion in Gränichen bleiben.» Garantien könne es jedoch keine geben, der Kunde entscheide.

Nun muss der Abbau gemanagt werden. Die Gespräche mit Arbeitnehmer-Vertretern und Gewerkschaften laufen. Es können Vorschläge gemacht werden, um Arbeitsplätze zu erhalten. Die Suche nach neuen Stellen wird dadurch erschwert, dass mancher Mitarbeiter sich über viele Jahre auf die Anforderungen bei Zehnder spezialisiert hatte. «Wir werden bei jedem Mitarbeiter die persönliche Situation berücksichtigen. Oberstes Ziel ist es, dass der Mitarbeiter im Arbeitsmarkt bleiben kann», sagt Grieder.

Um den Industriestandort Schweiz müsse man sich nicht sorgen, findet Grieder, auch wenn sich die Stellenabbauten zuletzt häuften. «Es lassen sich hierzulande bloss nicht alle Tätigkeiten halten, dafür ist der Standort zu teuer.» Zehnder selber werde in Gränichen weiterhin Forschung und Entwicklung belassen, auch Vertrieb und Leitung der Gruppe. «Es gibt viele gute Gründe, daran festzuhalten.»