Auenstein/Wildegg
Warum die Jura-Cement bei der Steinbrucherweiterung so pressiert

Die Gemeindeversammlungen haben vor einem Jahr Ja gesagt zu einer Nutzungsplanänderung, dank derer die Steinbrüche Jakobsberg und Oberegg erweitert werden können. Doch dagegen sind noch Beschwerden hängig. Trotzdem reicht die Jura-Cement-Fabriken AG jetzt ein Abbruchgesuch ein – aus Zeitdruck.

Nadja Rohner
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Die Steinbrüche der Jura-Cement-Fabriken AG liegen auf Gemeindegebiet von Auenstein und Veltheim.

Die Steinbrüche der Jura-Cement-Fabriken AG liegen auf Gemeindegebiet von Auenstein und Veltheim.

Michael Küng / Aargauer Zeitung

In Auenstein und Veltheim liegen neu zwei Abbaugesuche für die Steinbrüche Jakobsberg und Oberegg auf. Von hier bezieht die Jura-Cement-Fabriken AG (JCF) das Material für ihr Werk in Wildegg. Seit bald 130 Jahren wird dort Zement hergestellt. Weil das Material ausgeht, will die JCF die Steinbrüche erweitern.

Die dafür notwendige Teilnutzungsplanungsrevision haben die Gemeindeversammlungen von Auenstein und Veltheim im Januar 2020 genehmigt – und zwar mit einer so grossen Mehrheit, dass das Quorum für eine definitive Beschlussfassung erreicht wurde, ein Referendum also nicht mehr möglich war. Allerdings kann man die Teilnutzungsplanung auf dem rechtlichen Weg noch anfechten. Und das haben laut dem Regionaljournal Aargau-Solothurn von SRF drei Parteien gemacht, darunter der ehemalige Grossrat Sämi Richner. Die Sache liegt nun beim Kanton.

Die Planungsgrundlage für das Abbaugesuch ist also noch nicht rechtskräftig, und sie wird es, sofern die Beschwerdeführer den ganzen Instanzenzug bis nach Lausanne gehen, auch noch jahrelang nicht werden. Und trotzdem liegt das Abbaugesuch schon öffentlich auf. Im Regionaljournal zeigt sich Sämi Richner befremdet über dieses Vorgehen.

JCF-Werkleiter Marcel Bieri erklärt hingegen, es sei zulässig, man habe dies abgeklärt. Die Firma will möglichst rasch vorwärts machen. Denn: Bereits jetzt muss die JCF jährlich mehr als 300 000 Tonnen Rohmaterial von Dritten zukaufen und nach Wildegg fahren lassen, um die eigenen Vorräte zu strecken.

Im AZ-Interview vor einem Jahr sagte Bieri auf die Frage, ob die JCF nicht etwas spät dran sei: «Rein rechnerisch reichen die zwei bis drei Jahre – bis zum Ende der jetzigen Abbaubewilligung beziehungsweise der Rohstoffvorräte – nicht. Wir haben die Dauer der demokratisch-politischen Prozesse unterschätzt. Selbstverständlich hoffen wir darauf, dass der Instanzenweg nicht beschritten wird und wir nicht noch mehr externes Rohmaterial zur Überbrückung zuführen müssen. Eine Erweiterung des Steinbruchs gäbe uns eine Perspektive für 20 bis 25 Jahre, die auch Investitionen rechtfertigen würde. Danach ist entweder Schluss – oder es findet sich in der Zwischenzeit ein neuer, politisch machbarer Steinbruchstandort. In den Steinbrüchen Jakobsberg und Oberegg würde aber höchstens bis 2045 abgebaut und danach bis 2050 aufgefüllt und renaturiert.