Jubiläumslager

Über 100 Aarauer Pfadis belebten eine Geisterstadt im Wilden Westen

Viele Jahrgänge vereint: 5- bis 16-jährige Aarauer Pfadis am Kennenlern-Postenlauf im Jubiläumslager in Uster. kus

Viele Jahrgänge vereint: 5- bis 16-jährige Aarauer Pfadis am Kennenlern-Postenlauf im Jubiläumslager in Uster. kus

Die Kleinsten sind im Kindsgialter, die Ältesten schon Teenager – und alle in einem gemeinsamen Pfila. Dass bei einer Spannweite von 10 Jahren alle 83 Teilnehmer Spass haben würden, das war beim Jubiläumslager der Pfadi Adler Aarau nicht garantiert.

Doch es galt in Uster ZH, eine Geisterstadt des Wilden Westens gemeinsam zu beleben. Die Kleinsten, die Biber, kamen als Indianer, die Wölfe als Häftlinge, deren Gefängnis abgebrannt war, die Kinder der Pfadistufe stellten Geisterjäger dar und die Teenager der Pio-Stufe waren Banditen, die einen Goldschatz klauen wollten.

Die erste gemeinsame Aktivität am Pfingstsamstag war ein Postenlauf. Noch standen die Gruppen separat auf dem Platz, doch die Pfadileiter sorgten mit kleinen Gruppen für Durchmischung. Damit dabei die Kleinsten die Orientierung nicht verloren, wurden sie von den Ältesten begleitet. So hielt ein 5-jähriges Mädchen stolz die Hand einer 16-Jährigen und wich ihr nicht mehr von der Seite. In einer anderen Gruppe beteiligte sich einer der Kleinen nicht an der kniffligen Aufgabe, ohne Worte etwas in der Gruppe zu basteln, dafür erzählte er seiner Pfadi-Gotte alles, was er über Dinosaurier wusste und dass beim Alpenzeiger in der Urzeit einst ein Fluss vorbeigeflossen sei.

Die Leiter der Pfadistufe mussten die Aufgaben der Posten diesmal so erklären, dass auch die Kleinen sie verstanden und die Wolfs- und Biber-Leiter hatten die fordernden Fragen der Grösseren zu beantworten. «Ich finde es lässig, dass alle an einem Ort sind», sagte ein Leiter, «man kann über den Tellerrand hinausschauen und sehen, wie es die anderen machen.»

Noch nie so viele «Wölfe»

Die Mitglieder der Pfadiabteilung Adler Aarau sehen sich vereint sonst nur einmal im Jahr an der Abteilungs-Olympiade und der Waldweihnacht. «Je grösser die Abteilung wird, desto schwieriger wird es, so etwas zu organisieren», bemerkte Abteilungsleiterin Melina Germann/Aquelli. Die Adler zählen mittlerweile 220 Mitglieder – mehr als doppelt so viele wie vor sechs Jahren. Die Wölfe sind mit 75 Kindern mit Abstand die grösste und am schnellsten wachsende Stufe. Doch sogar die kleine Stufe der 14- bis 16-Jährigen, die Pios, sind am Erstarken: Zum ersten Mal findet diesen Sommer ein Lager nur mit dieser Altersstufe aus sechs Aargauer Abteilungen statt.

Nach dem Postenlauf balancierte ein Leiter eine Schüssel mit Birnenschnitzen als Zvieri durch die grossen und kleinen Bewohner der nun quirligen Stadt. Für einige war es das erste Pfadilager und so durfte ein Wolf mit dem Telefon der Leiterin seine Eltern anrufen, bis seine Augen wieder trocken waren.

Irgendwie ging vergessen zu verkünden, welche Gruppe denn nun gewonnen hatte – aber das schien keinen zu kümmern. «Darum ging es ja auch nicht», sagte Haupt-Lagerleiter Mathias Romer/Flintsch. Er war mit dem Start des Abteilungs-Pfilas zufrieden. «Die meisten sind angenehme Pfadi-Kinder», sagte er und fragte: «Hören Sie, wie aussergewöhnlich ruhig es ist?» Das sei eine Pfadi-Generation vorher ganz anders gewesen, schmunzelt der Lagerleiter: «Jene, die jetzt Leiter sind, waren herausfordernde Teilnehmer – aber sie sind nun ein besonders starkes Leitungsteam.»

Den heftigen Regen am Montag überstand die Abteilung trocken: Fürs Jubiläumspfila mit allen Stufen waren fast alle im Pfadizentrum in Uster einquartiert.

*arbeitet bei der Aargauer Zeitung und ist im OK 100 Jahre Pfadi Adler Aarau

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