Aarau
Stadtbach: Soll man ein weiteres Stück offenlegen?

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Der Stadtbach in der Rathausgasse. (Archiv)

Der Stadtbach in der Rathausgasse. (Archiv)

Luis Hartl

Heute findet in Aarau der Bachfischet statt. Der perfekte Tag, um eine Diskussion über den Stadtbach zu lancieren: Um die Frage, ob er auch in der Vorderen Vorstadt aus der Röhre geholt werden und das Stadtbild bereichern soll. Die Frage ist darum aktuell, weil der Einwohnerrat am Montag über den Hochwasserschutz in der Vorderen Vorstadt entscheiden wird. Beantragt ist ein Kredit von 393'000 Franken.

Der Bach soll künftig durch ein neues, grösseres Rohr fliessen. Eine Offenlegung ist nicht geplant. Entsprechende Bestrebungen sind 2014 vom Einwohnerrat mit 30 zu 15 Stimmen abgelehnt worden – in der Phase, als es um den Projektierungskredit ging. Damals wurden hauptsächlich finanzielle Gründe gegen die Planung eines sogenannten Wasserelements angeführt. Heute geht es der Stadt finanziell deutlich besser.

Initianten mit Stadtbach-Verdienst

Vor diesem Hintergrund nehmen Ueli Hertig (Einwohnerrat Pro Aarau) und Stephan Müller (ehemaliger Einwohnerrat Jetzt!) noch einmal einen Anlauf. Beide haben im Bereich des Stadtbaches bereits sehr viel bewegt. Die weitherum als schön empfundenen Offenlegungen in der Rathaus- und Metzgergasse (Einweihung im Herbst 2011) ist letztlich auf ihre Volksinitiative «Für eine sinnvolle Gestaltung der Altstadtgassen» zurückzuführen. Diese ist 2007 zurückgezogen worden, nachdem sich der Stadtrat bereit erklärt hatte, die Offenlegung zu projektieren und die Bus- und Postautostellen aus der Altstadt (früher beim «Boiler» und bei der Alten Post, heute beim «Holzmarkt») herauszunehmen.

«Historisch verpasste Chance»

Hertig wird am Montag dafür plädieren, dass zumindest eine Teilöffnung des Baches in der Vorderen Vorstadt geplant wird. Er begründet seinen Rückweisungsantrag unter anderem so: «Eine teilweise Öffnung des Stadtbaches verbessert den Hochwasserschutz, ist eine attraktive Gestaltung des Gassenraumes und kann, falls räumlich oder verkehrstechnisch nötig, zum Teil auch mit einem Gitter überdeckt werden.» Nach jahrelanger Planung sei die leichte Verzögerung problemlos in Kauf zu nehmen, für ein attraktives Projekt für die nächsten 50 Jahre.

Hertig weiter: «Wir wollen den Stadtbach sichtbar machen – und nicht historisch wieder herstellen.» Will heissen, es soll nicht ein drei Meter breites Bett, sondern eine relativ schmale Rinne geben. Anders als in der Rathaus- und Metzgergasse müsste das Wasser nicht gepumpt werden, sondern würde wegen des Gefälles selbstständig fliessen. Platz wäre laut den Initianten vorhanden. Dies umso mehr, als der Bus mittelfristig vielleicht nicht mehr in beiden Richtungen durch die Vordere Vorstadt verkehren wird (weil er aus der Altstadt genommen wird).

Für Stephan Müller ist klar: «Ich fände es eine historisch verpasste Chance, wenn man die Bachöffnung jetzt nicht wenigstens prüfen würde.» Er glaubt, dass eine Kombination von offenem Gerinne und bestehendem Rohr auch im Hochwasserfall genügen könnte: «So kann der Hochwasserschutz bestens gewährleistet werden.» Müller ist auch überzeugt, dass die Kosten überschaubar, im Idealfall sogar günstiger als die jetzige Lösung mit dem Hochwasserschutz, wären. (uhg)

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