Aarau
«Reines Prestigeprojekt» – SVP startet Offensive gegen «Alte Reithalle»

Die SVP will die 20,45 Millionen Franken teure Sanierung der «Alten Reithalle» nicht hinnehmen und präsentiert ihre Argumente für den Abstimmungskampf – es handle sich um ein reines Wunschprojekt.

Urs Helbling
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«Wir möchten das KuK als Kulturhaus erhalten»: Susanne Heuberger, Thomas Richner und Max Suter (r.) von der SVP.

«Wir möchten das KuK als Kulturhaus erhalten»: Susanne Heuberger, Thomas Richner und Max Suter (r.) von der SVP.

Urs Helbling

Die SVP Aarau-Rohr fühlt sich in der Rolle von David gegen Goliath. Sie beklagt sich über «die riesige Propagandawalze, welche mit grossem Aufwand versucht, jegliche kritische Würdigung des 21-Millionen-Projektes im Keim zu ersticken».

Es geht um die Volksabstimmung über die Sanierung der «Alten Reithalle», die am 10. Juni stattfindet. Ein Projekt, das der Einwohnerrat mit 40 zu 8 Stimmen genehmigt hatte (Lesen Sie hier). Widerstand gab es einzig von der SVP-Fraktion.

Sie hatte Ende 2016 bereits versucht, mittels Referendum den Planungskredit zu Fall zu bringen, brachte dann aber nicht einmal die notwendigen Unterschriften zusammen. Abgestimmt wird Anfang Juni über einen 20,45-Mio.-Kredit, an den die Stadt 7,725 Mio. Franken beizusteuern hat.

«Alte Reithalle» nur ein Raum

Fraktionspräsidentin Susanne Heuberger präsentierte gestern Morgen zusammen mit Parteipräsident und Einwohnerrats-Vizepräsident Thomas Richner sowie Einwohnerrat Max Suter das Argumentarium gegen die «Alte Reithalle».

«Diese ist für die Stadt keine Chance, sondern eine riesengrosse Hypothek», betonte Susanne Heuberger. Allein die Abschreibungen und der Unterhalt würden ein Steuerprozent ausmachen. «Die Kosten für Institution und Betrieb dieser Prestigebaute sprengen den Finanzhaushalt der Einwohnergemeinde.» Es handle sich ganz offensichtlich um «ein reines Wunsch- und Prestigeprojekt».

Laut der SVP verfügt Aarau mit dem Kultur- und Kongresshaus (KuK) bereits über «ein multifunktionales und schönes Kulturhaus». Schon lange werde dieses von den Befürwortern der «Alten Reithalle» bewusst schlechtgeredet. «Das Raumangebot im KuK ist massiv besser, als es in der Reithalle je sein wird», betont Susanne Heuberger. Die «Alte Reithalle» sei einzig «eine originelle Lokation».

Und sie habe den Nachteil, dass sie aus nur einem Raum bestehe. Für Susanne Heuberger ist klar: «Wir möchten das KuK als Kulturhaus erhalten.» Schliesslich sei es seinerzeit für 24 Millionen Franken umgebaut worden. Und es solle, so steht es in der SVP-Mitteilung, «in absehbarer Zeit für über 10 Mio. Franken saniert werden».

«Überteuerter Konzertsaal»

Die SVP-Vertreter betonten mehrfach, sie seien nicht gegen die Kultur. Aber gegen ein Überangebot. «Das Kulturangebot in Stadt und Kanton ist übersättigt», findet die Partei. In den letzten Jahrzehnten sei es stetig gewachsen. «Sowohl in urbanen Zentren als auch in den Regionen besteht ein Überangebot an Veranstaltungen, an Institutionen sowie an kulturell genutzten Häusern und Räumen.»

Die Gegner des Sanierungskredites finden, die «Alte Reithalle» sei als neue Homebase für das Orchester Argovia Philharmonic nicht nötig. «Von seinen weit über 100 Auftritten pro Jahr finden wie bisher nur deren 10 bis 15 in Aarau statt», heisst es. Diese geringe Anzahl rechtfertige den Umbau der Reithalle zum überteuerten Konzertsaal nicht.

Die Stadt werde per Vertrag über mehr als drei Jahrzehnte verpflichtet, sämtlichen Gebäudeunterhalt plus Folgeinvestitionen zu bezahlen, erklärt Susanne Heuberger. Eigentümer der Reithalle bleibe aber der Kanton. «Durch diesen schädlichen Deal verschiebt sich das hohe finanzielle Risiko einseitig zulasten einer ganzen Generation von Aarauer Steuerzahlern.»

Kritisiert wird, dass die Stadt in der Trägerschaft, die für den Betrieb zuständig sein wird, zu wenig Einfluss haben werde. Überhaupt seien die künftigen Betreiber der «Alten Reithalle» gegen alles, was einen kommerziellen Charakter habe – etwa ein Oktoberfest.

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