Wieder klingelt es. Und wieder springt Árpád Ferencz auf, öffnet die Tür des Pfarrhauses und stapelt. Ein Weihnachtspaket aufs andere, da würden Kinder beim Anblick feuchte Augen bekommen, gegen 100 sind es schon. Alle in schönstes Papier eingewickelt und alle ganz schön schwer. Hier geht Weihnachten nicht nur ans Herz, sondern auch in die Arme.

Die Pakete sind natürlich nicht für Árpád Ferencz gedacht. Sondern für Menschen, die unter dem Existenzminimum leben, für Kranke, Behinderte, Einsame. Für Menschen am Rande der Gesellschaft in Ost- und Südosteuropa. Getragen wird die «Aktion Weihnachtspäckli» von vier christlichen Hilfswerken: Aktion für verfolgte Christen, Christliche Ostmission, Hilfe für Mensch und Kirche und Licht im Osten. An rund 500 Orten werden die Pakete in der Schweiz bis Ende November jeweils gesammelt, über 100'000 Päckli sind so letztes Jahr zusammengekommen.

Der Auensteiner Pfarrer Árpád Ferencz hat zum dritten Mal die Sammlung im Dorf koordiniert. «Im ersten Jahr waren wir etwas spät dran und haben erst im Oktober mit Sammeln begonnen», erinnert sich Ferencz. Trotzdem seien auf einen Schlag 146 zusammengekommen. So viele, dass das organisierte Büssli gar nicht alle aufladen konnte. «Wir mussten kurzerhand einen Lastwagen organisieren, um alle Päckli zur Zentrale nach Worbs zu bringen.»

Ferencz kennt das Elend genau

Die Pakete enthalten keine Luxuswaren, sondern Lebensnotwendiges. Erwachsene bekommen Mehl, Reis, Zucker, Teigwaren, Schokolade, Biskuits, Kaffee, Tee, Zahnpasta und Zahnbürsten, Seife, Shampoo, Schreibmaterial. Kinder kriegen dazu Süssigkeiten, Spielsachen, vielleicht noch gestrickte Socken oder Handschuhe. Die Liste mit den Inhalten ist vorgegeben, daran müssen sich die Schenkenden halten. «Sonst könnte es Probleme am Zoll geben», sagt Ferencz. Auch die Grösse des Pakets ist genormt, damit die Pakete problemlos gestapelt werden können. Letztes Jahr füllten alle Schweizer Pakete 33 Sattelschlepper.

Árpád Ferencz setzt sich nicht nur aus Nächstenliebe für die «Aktion Weihnachtspäckli» ein. Er selbst stammt aus Rumänien und hat nach seinem Studium in Zürich jahrelang in Ungarn gelebt. Er kennt die Nöte der Menschen in den beiden Ländern aus nächster Nähe. «Ich habe in Rumänien selber jahrelang für ein Hilfswerk Pakete im Land verteilt.» Deshalb weiss er auch ganz genau, welche Freude die Pakete bei den Empfängern auslöst. «Viele dieser Kinder haben noch nie in ihrem Leben eine Tafel Schokolade gesehen», sagt er. Etwas, was für uns im Westen kaum zu begreifen sei. «Für uns ist es sowieso unvorstellbar, dass Kinder nichts zu essen bekommen.» Zu sehen, wie diese Kinder die Esswaren und Spielsachen auspacken, diese unbeschreibliche Freude – «Das vergisst man nie mehr.»

Freude erlebe er aber auch bei den Schenkenden. Freude, einem Fremden etwas Gutes tun zu können. Und Dankbarkeit, dass es einem selbst so gut geht. «Das sind wunderschöne Erlebnisse», sagt Ferencz. Und wieder klingelt es an der Haustür.