Aarau

Öffnungszeiten-Knatsch: Telli-Coiffeur erhöht Preise wegen längeren Öffnungszeiten

Mirjam Neeser klebt die Kundeninformation am Spiegel fest.ksc

Mirjam Neeser klebt die Kundeninformation am Spiegel fest.ksc

Das Einkaufszentrum Telli in Aarau hat nun die Shops bis 20 Uhr geöffnet. Dagegen wehren sich längst die Ladenbesitzer. Jetzt wird der Besuch beim Coiffeur im Einkaufszentrum wegen späteren Ladenschlusses teurer.

Die Verlängerung der Öffnungszeiten im Einkaufszentrum Telli hat negative Konsequenzen – nicht nur für die Mitarbeiter und Geschäftsinhaber, sondern nun auch für die Kunden: Auf den Spiegeln im Coiffeursalon «FrisurenFabrik» im Einkaufszentrum klebt ein Zettel mit der Information über einen Preisaufschlag.

«Wir möchten Sie in Kenntnis setzen, dass wir unsere Preise ab 1. März leicht erhöhen», steht da. Als Grund wird nebst dem Gesamtarbeitsvertrag, der neu einen Mindestlohn von 3800 Franken statt wie bisher 3500 Franken verlangt, auch die kürzlich verlängerten Öffnungszeiten angeführt.

«Beide Mehrbelastungen miteinander abzufedern, ist uns nicht möglich», sagt Mirjam Neeser, Geschäftsinhaberin des Salons gemeinsam mit Monika Schiess.

Neben Neeser und Schiess arbeiten noch zwei Teilzeitkräfte im Laden, da summieren sich die Lohnkosten. Seit Anfang Jahr kommt nun mit dem von 19 auf 20 Uhr festgesetzten Ladenschluss täglich die zusätzliche Stunde am Abend dazu.

«Zusätzliche Kunden haben wir aber nicht, sie sind nur anders über den Tag verteilt», sagt Neeser und zeigt in den Salon. Er ist leer.

«Früher wäre das nie passiert, dass wir an einem Nachmittag allein im Laden stehen.» Um aber die Abendstunden auszulasten, nimmt sie nun Kunden vermehrt ab 17.30 Uhr an.

Die Preiserhöhungen sind moderat; Schnitt, Chemie und Föhnen kosten je einen Franken mehr. Das sei nicht viel und die allermeisten Kunden würden das verstehen, sagt Neeser.

Trotzdem gebe es auch Kunden, die sich selbst über diese minimale Preiserhöhung ärgerten. Das enttäuscht Neeser, überrascht sie aber nicht.

«Heute will jeder alles rund um die Uhr haben und am besten nichts dafür bezahlen», sagt sie. Was die zusätzliche Stunde am Abend für die kleinen Geschäfte bedeute, sei einigen Kunden überhaupt nicht bewusst.

Diese Kunden seien aber in der Minderheit, so Mirjam Neeser. «Die meisten reagieren verständnisvoll auf die Preiserhöhung, sagen sogar, sie hätten damit gerechnet.»

Viele Kunden würden sie auch darin bekräftigen, sich weiter gegen die Verlängerung aufzulehnen. «Wir bekommen häufig zu hören, dass die verlängerten Öffnungszeiten völlig unnötig seien.»

Neeser ist fest davon überzeugt, dass die Umfrage, die das Gemeinschaftszentrum und der Quartierverein in den letzten Wochen bei den Kunden durchgeführt haben, genau dieses Resultat ausweisen wird.

Es ist jedoch fraglich, was die Umfrage überhaupt bewirken kann. Laut der Zentrumsleitung soll die Testphase bis Sommer 2015 dauern. Angeregt hatten die längeren Öffnungszeiten die grossen Ladenketten im Einkaufszentrum.

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