Aarau

Notoperation nach brutaler Attacke am Maienzug: Für den Täter wird es teuer

Meistens verläuft der Maienzug-Vorabend friedlich, für einen Italiener endete dieser 2014 jedoch dramatisch.

Meistens verläuft der Maienzug-Vorabend friedlich, für einen Italiener endete dieser 2014 jedoch dramatisch.

Ein Italiener ist vor einem Jahr am Aarauer Maienzug-Vorabend verprügelt und lebensgefährlich verletzt worden. Ins Gefängnis muss der Täter nicht, finanziell geht es ihm aber ans Eingemachte.

Meistens verläuft der Maienzug-Vorabend friedlich, für einen 40-jährigen Italiener endete dieser 2014 jedoch dramatisch. Um 3 Uhr morgens wurde der gebürtige Italiener vor dem Restaurant Waage niedergeschlagen. Täter war ein etwa gleichaltriger Schweizer aus der Region, der ihm die Faust in die Brust schlug.

Als das Opfer am Boden lag, folgte ein gezielter Fusstritt in die untere Bauchgegend – mit schwerwiegenden Folgen: Der Dünndarm riss. Das Opfer musste notfallmässig operiert werden.

Wäre der Darminhalt in die Bauchhöhle geflossen, hätte das zum Tod führen können. Der Italiener hatte Glück, konnte aber nach dem Vorfall einen Monat lang nicht arbeiten und blieb weitere zwei Wochen zu 50 Prozent krankgeschrieben. Der Täter musste vier Tage in Untersuchungshaft.

Tat kostet etwa 23’000 Franken

Für diese schwere Körperverletzung muss der Täter jetzt büssen: Er ist am Mittwochmorgen vom Bezirksgericht Aarau zu 18 Monaten Gefängnis und einer Busse von 500 Franken verurteilt worden. Die Gefängnisstrafe wurde bedingt ausgesprochen, das heisst sie wird nur vollzogen, wenn er in den nächsten vier Jahren wieder mit dem Gesetz in Konflikt kommt.

Viel schmerzhafter sind die finanziellen Folgen: Der Täter muss dem Opfer 8000 Franken Genugtuung zahlen und 3000 Franken für dessen Anwalt. Hinzu kommen 3648 Franken Verfahrens- und Untersuchungskosten sowie die Anklagegebühr in der Höhe von 1600 Franken.

Zudem muss er später, wenn er genug Geld hat, der Staatskasse die Kosten für seinen Pflichtverteidiger zurückzahlen. Dieser hat gestern vor Gericht eine Kostennote von 6245 Franken eingereicht. Somit kostet die Schlägerei den Täter etwa 23’000 Franken.

Das ist ein happiger Betrag für einen einfachen Angestellten, der monatlich brutto rund 5300 Franken verdient. Der Täter muss zudem damit rechnen, dass die Unfallversicherung des Opfers Regress nimmt und ebenfalls viel Geld von ihm fordert.

Attacke war «Retourkutsche»

Vor Gericht bereute der Mann die Tat, nannte diese «unnötig» und sagte, er sei betrunken gewesen. 1,6 bis 2 Promille zeigte der Bluttest. Faustschlag und Fusstritt seien eine Retourkutsche gewesen: Der Italiener, den er flüchtig kannte, habe ihm vor ein paar Jahren eine Bierflasche über den Kopf gezogen.

Viel mehr sagte der Beschuldigte vor Gericht nicht. Weil er während der Untersuchung bereits alles zugegeben hatte und sich mit den Zivilforderungen einverstanden erklärte, wurde der Fall im abgekürzten Verfahren behandelt. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten sich vor dem Gerichtstermin auf einen Urteilsvorschlag geeinigt, der zur Anklageschrift wurde. Diese hat das Gericht nun nach einer 45-minütigen Verhandlung zum Urteil erklärt.

Maienzug 2013: Aarau im Ausnahmezustand

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