Aarau
Kunsthaus-Direktorin Madeleine Schuppli kündigt nach 12 Jahren – und wechselt zu Pro Helvetia

Mehr Publikum, mehr Renommee: Madeleine Schuppli hat das Aargauer Kunsthaus erfolgreich geführt. Sie wechselt Anfang Februar zu Pro Helvetia.

Sabine Altorfer
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Kunsthausdirektorin Madeleine Schuppli verlässt das Aargauer Kunsthaus.

Kunsthausdirektorin Madeleine Schuppli verlässt das Aargauer Kunsthaus.

Sandra Ardizzone

Die Kündigung von Madeleine Schuppli als Direktorin des Aargauer Kunsthauses ist so überraschend wie nachvollziehbar. Zwölf Jahre hat sie das Museum geleitet. Erfolgreich – und wenn man das Publikumsinteresse und das Ausstellungsprogramm anschaut auch ohne jegliche Ermüdungserscheinungen. Es gäbe also keinen Grund zu gehen.

Andererseits sind zwölf Jahre eine lange Zeit, ein Wechsel auch im Museumsgeschäft also normal. Schuppli wechselt zu Pro Helvetia, als Leiterin Visuelle Kunst wird sie für die Förderung der Gegenwartskunst und Architektur im Inland aber auch für den Austausch mit dem Ausland zuständig sein – etwa mit den Biennale-Auftritten in Venedig. Eine Aufgabe, für die sie gerüstet ist und die ihren Interessen auch entspricht.

Direktorin Madeleine Schuppli spricht an der Vernissage Blumen für die Kunst, am 4. März 2019 im Aargauer Kunsthaus. Im Hintergrund die teilnehmenden Floristinnen und Floristen.
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Direktorin Madeleine Schuppli spricht an der Vernissage Blumen für die Kunst, am 4. März 2019 im Aargauer Kunsthaus.
Die Direktorin des Aargauer Kunsthauses Madeleine Schupplie erklärt Werke von Dieter Meier.
Madeleine Schuppli, Direktorin des Aargauer Kunsthaus in Aarau. Fotografiert in der aktuellen Ausstellung "Swiss Pop Art" vor dem Gemälde "M 301." (1970) von Peter Stämpfli.
Kunsthausdirektorin Madeleine Schuppli verlässt das Aargauer Kunsthaus.

Direktorin Madeleine Schuppli spricht an der Vernissage Blumen für die Kunst, am 4. März 2019 im Aargauer Kunsthaus. Im Hintergrund die teilnehmenden Floristinnen und Floristen.

SEVERIN BIGLER

Schwerpunkte ihrer Zeit

Was hat die 54-jährige Madeleine Schuppli als erste Frau an der Spitze des Aargauer Kunsthauses erreicht? Sie hat die Position des Museums als „heimliche Nationalgalerie“ der Schweiz im Land gestärkt – und gleichzeitig das Haus mit Ausstellungen von zeitgenössischen, internationalen Künstlerinnen und Künstlern verstärkt auch international vernetzt. Ein dritter Schwerpunkt war die Förderung des Nachwuchses mit der Reihe „Caravan“ für junge Kunst“. Und sie hat mit „Blumen für die Kunst“ seit 2014 ein breites Publikum angesprochen, viele Leute gar zum ersten Mal in ihrem Leben in ein Kunstmuseum gelockt.

Das breit gefächerte Programm, die thematische Öffnung wie auch das stark ausgebaute Vermittlungsangebot zeigen sich in den Eintrittszahlen. Kamen in den Anfangsjahren von Schupplis Direktion um die 30 000 Besucherinnen und Besucher ins Kunsthaus, so waren es 2018 über 55 000.

Bilder vom Aufbau der Ausstellung «Blumen für die Kunst» im Aargauer Kunsthaus in Aarau
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Florale Interpretation von Susan Rüsch, Meisterfloristin, Uitikon und Sabine Rüsch, Teufen, (nicht im Bild) zum Werk von Renée Levi, Viola, 2014, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Susan Rüsch, Meisterfloristin, Uitikon und Sabine Rüsch, Teufen, (nicht im Bild) zum Werk von Renée Levi, Viola, 2014, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Susan Rüsch, Meisterfloristin, Uitikon und Sabine Rüsch, Teufen, zum Werk von Renée Levi, Viola, 2014, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Susan Rüsch, Meisterfloristin, Uitikon und Sabine Rüsch, Teufen, (nicht im Bild) zum Werk von Renée Levi, Viola, 2014, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Lisa Pellanda, Losone TI, zum Werk von Patrick Rohner, Ohne Titel, 1999, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Lisa Pellanda, Losone TI, zum Werk von Patrick Rohner, Ohne Titel, 1999, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Lisa Pellanda, Losone TI, zum Werk von Patrick Rohner, Ohne Titel, 1999, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Lisa Pellanda, Losone TI, zum Werk von Patrick Rohner, Ohne Titel, 1999, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Lisa Pellanda, Losone TI, zum Werk von Patrick Rohner, Ohne Titel, 1999, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Isabelle Becker, Zug zum Werk von Hannah Villiger, Block I, 1988, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Isabelle Becker, Zug zum Werk von Hannah Villiger, Block I, 1988, (nicht im Bild) in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Isabelle Becker, Zug zum Werk von Hannah Villiger, Block I, 1988, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Isabelle Becker, Zug zum Werk von Hannah Villiger, Block I, 1988, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Claudia Lischer und Annina Ruch (im Bild), St. Moritz, zum Werk von Ugo Rondinone, siebteraprilneunzehnhundertzweiundneunzig, 1992, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Claudia Lischer und Annina Ruch, St. Moritz, zum Werk von Ugo Rondinone, siebteraprilneunzehnhundertzweiundneunzig, 1992, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Claudia Lischer, rechts, und Annina Ruch, links, St. Moritz, zum Werk von Ugo Rondinone, siebteraprilneunzehnhundertzweiundneunzig, 1992, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Claudia Lischer und Annina Ruch, St. Moritz, zum Werk von Ugo Rondinone, siebteraprilneunzehnhundertzweiundneunzig, 1992, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Claudia Lischer und Annina Ruch, St. Moritz, zum Werk von Ugo Rondinone, siebteraprilneunzehnhundertzweiundneunzig, 1992, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Im oberen Stockwerk des Kunsthauses werden die Besucher durch das Arrangement der St. Galler Floristin Sandra Diener begrüsst. Sie interpretiert «Through the Bamboo Grove» von Mireille Gros.
Florale Interpretation von Sandra Diener, St. Gallen, zum Werk der Künstlerin Mireille Gros, Trough the Bamboo Grove, 2010, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Lisa Pellanda, Losone TI, zum Werk von Patrick Rohner, Ohne Titel, 1999, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Sandra Diener, St. Gallen, zum Werk der Künstlerin Mireille Gros, Through the Bamboo Grove, 2010, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.

Bilder vom Aufbau der Ausstellung «Blumen für die Kunst» im Aargauer Kunsthaus in Aarau

Severin Bigler

Schweizer Forschung

Was es heisst Schweizer Kunst nicht nur zu sammeln, sondern eben auch wissenschaftlich aufzuarbeiten und zu vermitteln hat Madeleine Schuppli 2017 mit der Ausstellung „Swiss Pop Art“ so beispielhaft wie erfolgreich gezeigt. Tatsächlich war diese vor 60 Jahren aufgepoppte, so eingängige und bis heute wirksame Kunstströmung in der Schweiz noch nie im Überblick und mit so akribischer Sucharbeit gezeigt worden. Publikum wie Fachleute waren zu Recht begeistert – und das Buch zur Ausstellung steht seither als Standardwerk in den Regalen.

2012 wagte Schuppli das eigentlich nicht realisierbare Unterfangen, einen Überblick über das unüberblickbar breit gewordene Schaffen der jungen Schweizer Kunst zu zeigen. „La Jeunesse est un art“, eine Kooperation mit dem Manor-Kunstpreis Schweiz, gelang und wirkte.

Der Ausbau und die Pflege der Sammlung gehört zu den Kernaufgaben einer Museumsdirektorin. Dass Madeleine Schuppli – als Resultat der internationalen Ausstellungen – auch vereinzelt internationale Kunst angekauft hat, trug ihr auch Kritik ein. Anerkennung für die Arbeit des Kunsthauses mit der Schweizer Kunst erntete das Aargauer Haus auch aus Bern. Nicht nur ideell, sondern auch finanziell. Dreizehn Museen erhalten vom Bundesamt für Kultur für die Jahre 2018-2022 Geld, satte 1,5 Millionen gehen nach Aarau.

Verkleidung und Maskierung sind im Zeitalter von Selfies und Instagram Alltag. Dieses Werk von Gauri Gill, ab Sonntag im Aargauer Kunsthaus in Aarau zu sehen, spitzt das zu.
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Aneta Grzeszykowska baut ihr Gesicht aus Tierhäuten nach und kombiniert die Teile fotografisch zu verstörenden Gesichtern – im Bild «Selfie #19». (Bild: Raster Gallery
Gillian Wearing: «Self Portrait as My Mother Jean Gregory», 2003.
Weltidentitäten in Maskenform von Christoph Hefti als textiles Objekt.
Ein Plastiksack ist Maske und Botschaft für Edson Chagas’ Fotoserie. «Oikonomos».
Hast du die richtige Nase?, fragt Sabina Baumann mit ihren Objekten.

Verkleidung und Maskierung sind im Zeitalter von Selfies und Instagram Alltag. Dieses Werk von Gauri Gill, ab Sonntag im Aargauer Kunsthaus in Aarau zu sehen, spitzt das zu.

Gauri Gill

Bedauern und Verständnis beim Kanton

Wie reagiert man im Aargau? Der Kulturchef des Kantons, Thomas Pauli, sagt auf Anfrage: “Mit Bedauern und Verständnis. Wir verlieren eine profilierte Direktorin, die mit dem Kunsthaus Wirkung entfaltet hat. Andererseits freue ich mich für Madeleine Schuppli, dass sie eine tolle, für sie interessante Stelle gefunden hat.“ Er schätze sie, und das Kulturdepartement habe von ihrer Erfahrung und ihren Inputs profitiert.

Thomas Pauli erklärt auch, wie es nun weitergeht: Zuerst müsse man eine Findungskommission finden. Mit dabei sein werden: die Abteilung Kultur sowie Vertretungen des Aargauischen Kunstvereins, des Berufsverbands Visuelle Kunst (Visarte) Sektion Aargau und der Stadt Aarau. Diese Kommission wird das Profil definieren, die Ausschreibung machen und dann auch die Bewerbungen prüfen und eine Anstellungsempfehlung an den Regierungsrat abgeben. Ein nahtloser Übergang werde kaum möglich sein, erklärt Thomas Pauli, interimistisch werde die Vizedirektorin, Kunsthaus-Finanzchefin Sandra Walder, das Haus führen.

Sein Wunschfahrplan: „Ich hoffe, dass wir Ende Oktober, Anfang November ausschreiben können und vor Weihnachten oder Anfang Januar die Anstellung machen können.“ Bewerbungen wird es wohl viele geben, das Aargauer Kunsthaus gehört zu den wichtigen Museen in der Schweiz. Kuratoren und Leiterinnen von kleineren Museen mit Ambitionen gibt es auch hierzulande ziemlich viele.