Küttigen
Spatenstich mit Alpenblick: Am Hinterrain wird bald verdichtet gewohnt

Im Frühling 2022 sollen die Bewohnerinnen und Bewohner in die Siedlung am Hinterrain in Küttigen einziehen. Eigentlich hätte sie weitestgehend energieautark werden sollen.

Markus Christen
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Bauleiter Luca Rodel, Architekt Claudio Richiusa, Bauherren Bruno Hermann und Jürg Häfeli, Projektleiterin Jana Rosu (v.L.)

Bauleiter Luca Rodel, Architekt Claudio Richiusa, Bauherren Bruno Hermann und Jürg Häfeli, Projektleiterin Jana Rosu (v.L.)

ZVG

Im besten Fall fügt sich ein neues Bauwerk derart in die Landschaft und die Nachbarschaft ein, dass der Betrachter zum Schluss gelangt, es habe schon immer genau an diesen Ort gehört. Was eine solche natürliche und mühelose Vereinnahmung einer Architektur durch die Umgebung allerdings leicht vergessen lässt, sind die vielen Kompromisse und unterschiedlichen Interessen, die bei der Gestaltung des Bauobjekts auszuhandeln und gegeneinander abzuwägen waren. Noch ist es zu früh, um über den ästhetischen Erfolg der entstehenden Siedlung am Hinterrain in Küttigen zu befinden. Am Dienstag feierten die Bauverantwortlichen sowie die bereits bekannten, neuen Eigentümer der insgesamt fünf Häuser Spatenstich.

Der Bezug der Zuhause, die den künftigen Bewohnern einen beeindruckenden Panoramablick auf die Alpen gewähren werden, ist auf den nächstjährigen Frühling geplant. Doch bereits heute lässt sich anhand der Wohnsiedlung auf einige interessante Aspekte zum Bauen und Wohnen im Jahr 2021 aufmerksam machen.

«Ein vordergründiges Ziel bei der Planung des Doppelhauses und der drei Reihenhäuser war es, dem vielseitigen Bedürfnis nach massvoller Verdichtung gerecht werden», erläutert der ausführende Architekt Claudio Richiusa von der Architekten Gemeinschaft 4 AG aus Aarau. «Gleichzeitig galt es ebenso, den Bewohnern auch im Aussenbereich Raum zur individuellen Gestaltung zur Verfügung zu stellen.» In Einklang gebracht wurden diese unterschiedlichen Interessen durch eine Erhöhung der Häuser, die separate Terrassenbereiche mit einem geteilten Umschwung verbindet.

Die Landschaft in die Wohnung holen

An der Stelle der neu entstehenden Wohnsiedlung am Hinterrain befand sich zuvor ein Einfamilienhaus, das von den Besitzern aus Altersgründen verkauft wurde. «An die verdichtete Wohnsituation, wie sie heute gewünscht und gefördert wird, müssen sich die Menschen zuerst gewöhnen», sagt Investor Bruno Hermann von der Immobilien Gemeinschaft 4 AG und führt aus: «Knapp 60 Prozent der Gebäude in der Schweiz sind Einfamilienhäuser. In ihnen wohnen rund 28 Prozent der Menschen. Die Wohnfläche pro Person hat sich seit 1965 verdoppelt.» Dies sei auch ein Wohlstandseffekt, der aber zunehmend mit ökologischen Anliegen vereinbart werden müsse.

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Im Modell und in Illustrationen machen die Wohnhäuser einen geräumigen, gemütlichen und vor allem lichten Eindruck. Eine bemerkenswerte Fensterfront an der Südfassade soll, so Architekt Richiusa, die Landschaft in den Wohnraum holen. Erwähnenswert ist daneben auch der modulare Aufbau der Häuser, für welche Investitionen von insgesamt 5,9 Millionen Franken aufgewendet werden.

Unter anderem nicht ­tragende Wände lassen eine Vielzahl von Grundrissvarianten zu. Die neuen Häuser sollen, so schreiben die Bauverantwortlichen im Projektbeschrieb, auf die wechselnden Nutzungsbedürfnisse der ­Bewohner innerhalb von verschiedenen Lebensphasen reagieren können.

Punkto Nachhaltigkeit «äusserst solide»

Kompromisse mussten die Bauherren schliesslich bei den Fragen nach Energieeffizienz und Nachhaltigkeit eingehen. Ursprünglich war geplant, dass die Siedlung weitestgehend energieautark funktioniert. «Dass wir für dieses Vorhaben nicht genügend Interessenten gefunden haben, war etwas enttäuschend», sagt Bruno Hermann. Die Häuser in ihrer jetzt geplanten Form bezeichnet er aber weiterhin als äusserst solide, was die Nachhaltigkeit betreffe.

Mittlerweile steht am Hinterrain in Küttigen übrigens noch eines der fünf Häuser zum Verkauf. Geeignet sei es für so ziemlich jede Wohn-, Familien- oder Lebenssituation, sagt Architekt Claudio Richiusa.