Tötungsdelikt Aarau
Kroate (28) tötete Rentnerin: Keine Mordanklage – Staatsanwaltschaft fordert «kleine Verwahrung»

Der 28-jährige Kroate, der am 17. Januar 2019 in Aarau die Rentnerin Hildegard Enz Rivola getötet hat, ist laut psychiatrischem Gutachten schuldunfähig.

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Tötungsdelikt Aarau (4.12.2019)
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Es handelt sich um einen 28-jährigen Kroaten aus Unterentfelden. (Zum Bild: Hier trägt er eine grosse Sonnenbrille.)
Beim Opfer handelt es sich um die 66-jährige Hildegard Enz Rivola aus Aarau. Enz Rivola wurde zu Hause an der Erlinsbacherstrasse umgebracht.
Hildegard Enz-Rivola (†66) mit Enkelin Ronja. Das Foto aus schönen Tagen wurde der AZ von den Angehörigen zur Verfügung gestellt.
Hildegard Enz Rivola ging gern mit ihrem Hund in Aarau spazieren.
Der Hund von Hildegard Enz Rivola verschwand zwischen Donnerstag 17. und Samstagmorgen, 19. Januar 2019. Die Polizei wollte wissen: Wer hat ihn in dieser Zeit gesehen?
Der Tatort befindet sich an der Erlinsbacherstrasse 40 in Aarau (rot markiert). Dort wohnte das Opfer.
Die Kantonspolizei Aargau verteilt rund um den Tatort des Tötungsdelikts an Hildegard Enz Rivola Flugblätter an Passanten und Hündeler.
Diese Treppe an der Erlinsbacherstrasse in Aarau wurde abgesperrt, nachdem am Donnerstagabend (17. Januar 2019) die 66-jährige Frau niedergestochen wurde.
Die Kantonspolizisten durchforsten am Freitagmorgen die Umgebung nach Hinweisen zur zunächst unbekannten Täterschaft.
Das Gelände um den Tatort, insbesondere das teil unbebaute Nachbargrundstück, wird grossräumig abgesucht.
Die Polizisten suchen hier das Nachbargrundstück ab. Die 66-Jährige wurde vor dem Haus im Hintergrund (Erlinsbacherstrasse 40) gefunden.
Die Haustüre: Hier fanden Nachbarn das Opfer schwer verletzt am Boden liegend.
Die Haustür des Opfers wurde von der Polizei versiegelt.
Der Tatort Erlinsbacherstrasse 40: Die Frau wurde vor ihrem Hauseingang (oben hinter dem Haus) gefunden.
Die Polizisten suchen dei Nachbargrundstücke und die Treppe zur Weinbergstrasse ab.
Am Tag nach der Tat durchforstet die Kantonspolizei Aargau mit einem 20-köpfigem Team die Umgebung.
Die Kantonspolizisten kehren buchstäblich jeden Stein um.
Die Kantonspolizei Aargau durchforstet mit einem 20-köpfigem Team die Umgebung. Im Hintergrund das Kraftwerk.
Vom Haus des Opfers blickt man auf die Aare.
Am Tag nach der Tat durchforstet die Kantonspolizei Aargau mit einem 20-köpfigem Team die Umgebung.
Der Tatort ist von der Strasse aus nicht einsehbar.
Blick vom Haus des Todesopfers auf die Aare.
Das Haus des Opfers

Tötungsdelikt Aarau (4.12.2019)

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Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hat statt Anklage wegen Mordes und mehrfachen Betäubungsmittelkonsums zu erheben, beim Bezirksgericht Aarau die Anordnung einer Massnahme beantragt, wie die Oberstaatsanwaltschaft in einer Medienmitteilung schreibt. Der Grund dafür ist, dass der Täter laut psychiatrischem Gutachten schuldunfähig ist.

Am Abend des 17. Januar 2019 hatten Nachbarn die 66-jährige Schweizerin mit zahlreichen Stichverletzungen vor ihrer Wohnung in Aarau aufgefunden. Das Opfer erlag später im Spital seinen schweren Verletzungen.

Der Beschuldigte gestand, Hildegard Enz Rivola getötet zu haben. Er hatte mindestens 30 Mal auf den Oberkörper sowie zahlreiche weitere Mal auf Beine und Arme des Opfers eingestochen. Dies besagt das rechtsmedizinische Gutachten.

Keine persönliche Beziehung zwischen Täter und Opfer

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, das Opfer getötet zu haben, weil er nur noch einen Monat in einem Zimmer hätte wohnen können und vorhatte, nach dem Tod des Opfers dessen Wohnung zu beziehen.

Zwischen dem Beschuldigten und der erstochenen Frau bestand laut der Mitteilung keine persönliche Beziehung. Warum wurde dann ausgerechnet die Rentnerin zum Opfer des Kroaten? Auf Nachfrage der AZ sagt Fiona Strebel, der Mann habe im Jahr 2015 als Sanitär in ihrer Wohnung gearbeitet und deshalb gewusst, dass die Frau dort alleine wohne.

Beschuldigter leidet an paranoider Schizophrenie

Vor und nach der Tat hatte der Beschuldigte Kokain, Marihuana und Alkohol konsumiert. Die Staatsanwaltschaft hatte ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben, welches beim Täter eine paranoide Schizophrenie diagnostizierte und einen schädlichen Konsum von Alkohol und Kokain. Aus forensisch-psychiatrischer Sicht sei zum Zeitpunkt der Tat die Einsichtsfähigkeit des Beschuldigten aufgehoben gewesen. Das psychiatrische Gutachten kommt daher zum Schluss, dass der Beschuldigte schuldunfähig sei.

Deshalb hat die Staatsanwaltschaft, statt Anklage wegen Mordes und mehrfachen Betäubungsmittelkonsums zu erheben, die Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme in einer geschlossenen Einrichtung beantragt. Diese wird auch als "kleine Verwahrung" bezeichnet.

Hohes Rückfallrisiko

Die Staatsanwaltschaft geht, gestützt auf das Gutachten, davon aus, dass ohne entsprechende stationäre psychiatrische Behandlung ein hohes Risiko besteht, dass der Beschuldigte erneut Gewaltstraftaten begehen könnte.

Bis der Antritt des stationären Massnahmevollzugs möglich ist, befindet sich der Beschuldigte im vorzeitigen Strafvollzug. Der Antrag auf Anordnung der Massnahme ist am Bezirksgericht Aarau hängig.