Vor genau 250 Jahren reiste Wolfgang Amadé Mozart auf seiner dreijährigen Europatournee durch die Schweiz – gerade mal 10 Jahre alt, hochbegabt, in Begleitung seiner Eltern und der Schwester Nannerl. Diesem Jubiläum wird nun Rechnung getragen mit einer Veranstaltungsreihe in acht Kantonen von Genf bis Schaffhausen, äusserst fantasievoll umgesetzt von Gymnasien und Kantonsschulen – nächste Woche in Aarau und Baden.

Röstigraben? Von wegen

Initiant dieses nationalen Projekts, das sogar den Röstigraben überwindet, ist ein Erlinsbacher: Walter H. Rambousek. Vor zwei Jahren nahm er zusammen mit einer Handvoll anderen «Mozartianern» die Organisation von «Meetingpoint Mozart» in die Hand. Dabei ist Rambousek nicht einmal Musiker, sondern Ökonom. Aber seit ihn seine Eltern mit 12 Jahren an ein Mozart-Konzert mitgenommen haben, ist er dem Genie aus dem 18. Jahrhundert verfallen. «Ich konnte danach eine Woche lang kaum mehr schlafen», erinnert er sich zurück. «Ohne Mozart könnte ich nicht leben, er ist mein Gott.» Heute ist Rambousek Grossvater, spielt seinen Enkeln vor dem Schlafengehen die Papageno-Arie aus der «Zauberflöte» vor – und will die Begeisterung für Mozart auch in den Jugendlichen von heute wecken, die noch keinen Zugang zu klassischer Musik haben: «Das Projekt soll sie erkennen lassen: Mozart war ein geiler Siech.»

Kreative Umsetzung

Als Identifikationsfigur taugt Mozart, der mit nur 35 Jahren starb, durchaus: Ärger mit den Eltern, ein aufregendes Leben, wenig Schlaf – das ist den Jugendlichen gar nicht so fremd. Allerdings hat Mozart auch äusserst hart gearbeitet, als er im selben Alter war. Im Prinzip war er der Justin Bieber seiner Zeit, bloss mit sehr viel mehr Talent.

Für die Veranstaltungsreihe «Meetingpoint Mozart», die sich über ein ganzes Jahr hinzieht, sind 300 000 Franken an Unterstützungsgeldern zusammengekommen, unter anderem vom Bundesamt für Kultur. Zwar tragen die teilnehmenden Schulen die meisten Auslagen selber, dank den Sponsoren können sie aber das eine oder andere Extra in ihre Aktionen und Konzerte einbauen.

Es ist den Schulen überlassen, wie sie das Thema «Mozart» umsetzen wollen. In Yverdon haben die Schüler eine eigene «Zauberflöte» aufgeführt, in Interlaken gab es eine Variante von «Così fan tutte» in der Zivilschutzanlage, in Uster wurde der Pausengong durch Mozart-Stücke ersetzt. «Ich habe von den Schülern bisher immer dieselbe Reaktion gehört: Danke, dass wir das machen dürfen», sagt Rambousek.

«Ihnen wird der Zugang zur Hochkultur auf dem Silbertablett serviert», sagt Rambousek. «Wenn sie das Mahl nicht mögen, ist das eben so.» Er hofft aber, bei möglichst vielen Mitwirkenden «den Virus einpflanzen» zu können, auf dass die Krankheit ausbreche und sich die jungen Leute für klassische Musik begeistern lassen.

Meetingpoint Mozart: Das Konzert der Kanti Baden im Metroshop des Bahnhofs Baden findet am 22. September, von 12 bis 19 Uhr statt.