Seit dem 1. April hat das Kantonsspital Aarau (KSA) mit Peter Suter einen neuen Verwaltungsratspräsidenten. Ihn reize «ganz klar die Herausforderung», sagt Suter auf Anfrage der AZ. An Herausforderungen wird es in den nächsten Jahren nicht mangeln. Auf den 61-jährigen Mellinger warten in Aarau viele Baustellen. Das ist er sich bewusst. Er werde diese Herausforderungen «mit Respekt, grosser Freunde und dieser Aufgabe verpflichtend» annehmen. «Aus meiner heutigen Sicht dürften die Hauptthemen, die uns die nächsten Monate begleiten, die nachhaltige finanzielle Gesundung, die Kontinuität in der Führung, die Schärfung der Strategie und die Erneuerung einer finanzierbaren Infrastruktur sein», sagt er.

Was die Erneuerung der Infrastruktur betrifft, fällt der Verwaltungsrat schon morgen Donnerstag einen ersten wegweisenden Entscheid. Er kürt das Siegerprojekt für den Neubau. Dieser soll 600 Millionen Franken kosten. Das Siegerprojekt wird der Öffentlichkeit dann am kommenden Dienstag präsentiert. Der Entscheid über die Investitionen hingegen soll laut AZ-Informationen erst später gefällt werden.

Fragen bleiben offen

Die AZ wollte vom neuen Verwaltungsratspräsidenten wissen, wie man nach so kurzer Zeit im Amt einen solchen Entscheid fällt und ob es überhaupt sinnvoll ist. Peter Suter verweist dazu auf die Medienkonferenz von nächster Woche. Ebenso lässt er die Frage offen, ob der Investitionsentscheid verschoben werde. Er sagt: «Der Jury- beziehungsweise Verwaltungsratsentscheid bedeutet noch nicht die Freigabe des Projektes. Auch zu den Investitionen wurden noch keine Entscheide gefällt.» Die Öffentlichkeit werde nächste Woche über «das weitere Vorgehen beziehungsweise den Entscheidungsfahrplan» informiert.

Bezug 2023 wäre der Idealfall

Zuletzt hatte das Kantonsspital Aarau im Dezember über den Stand der Bauprojekte informiert. Damals war noch die Rede davon, dass der Verwaltungsrat am 4. April entscheiden wird, welches Projekt realisiert und wie das Ganze finanziert wird (die AZ berichtete). «Wir sind zügig unterwegs», sagte Sergio Baumann, Leiter Betrieb des KSA damals. «Wenn es ideal läuft, sollten wir das Gebäude 2023 beziehen können.» Ideal heisst, dass es nach dem Verwaltungsratsentscheid vom April keine Submissionsbeschwerden gibt und zudem keine Flut von Einsprachen im Rahmen des Baugesuchverfahrens eingeht. Wie sich ein späterer Entscheid des Verwaltungsrats über die Investitionen auf das Neubau-Projekt auswirken wird, klärt sich nächste Woche. Der Verwaltungsratspräsident möchte diese Information nicht vorwegnehmen.

Hingegen führt er aus, was ihn an seiner neuen Aufgabe reizt. Peter Suter möchte seine strategische Erfahrung in die Weiterentwicklung des Spitals einbringen. Er verpflichte sich zusammen mit dem Verwaltungsrat und der Spitalleitung der Mission «erfolgreiches KSA».

Suter sagt, dass über das Spital jüngst mehrheitlich negativ berichtet worden sei. «Dabei ist oft vergessen gegangen, dass das KSA ausgezeichnete medizinische Leistungen erbringt und über eine hohe Patientenzufriedenheit ausweisen darf», so der Verwaltungsratspräsident.

Schlagzeilen machten etwa der Chefarzt, der Leistungen erfasst hat, die er gar nicht erbrachte - deswegen läuft inzwischen ein Strafverfahren, ermittelt wird unter anderem wegen des Verdachts auf Betrug, Falschbeurkundung und ungetreue Geschäftsbesorgung. Immer wieder Thema war auch die angespannte finanzielle Situation des KSA. Das Spital hat die Zielvorgaben des Kantons für die Gewinnmarge in den letzten Jahren nie erreicht. Die Zahlen für das Jahr 2018 liegen noch nicht vor, der Geschäftsbericht soll laut Mediensprecherin Isabelle Wenzinger am 29. April veröffentlicht werden.