Bezirke Aarau und Lenzburg
Hausärzte leisten weniger Notfalldienst – jetzt wird an eine Firma ausgelagert

In den Bezirken Lenzburg oder Aarau gibt es die kantonale Hausarzt-Notrufnummer. Doch weil es weniger Hausärzte gibt und viele zunehmend Teilzeit arbeiten, wird der Notfalldienst nun outgesourct: Ab Samstag hilft nachts und an Wochenenden die Firma Mobile Ärzte. Sie arbeitet von Birr aus.

Nadja Rohner
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Die Mobilen Ärzte Allschwil sind ab Samstag auch im Aargau tätig. Die Firma betreibt einen Stützpunkt in Birr.

Die Mobilen Ärzte Allschwil sind ab Samstag auch im Aargau tätig. Die Firma betreibt einen Stützpunkt in Birr.

zvg

Herzbeschwerden? Bauchschmerzen? Wer in den Bezirken Lenzburg oder Aarau wohnt und die kantonale Hausarzt-Notrufnummer (0900 401 501) wählt, wird heute mit einem der Hausärzte in der Region verbunden. Sie teilen sich die Notfalldienste werktags, an Wochenenden und an Feiertagen. Aber gerne machen sie diesen Bereitschaftsdienst nicht. Er bringt wenig ein und bindet Ressourcen.

«Weil es weniger Hausärzte gibt und viele von ihnen zunehmend Teilzeit arbeiten, wurde es zunehmend problematisch, den Dienst sicherzustellen», sagt Ulrich Bürgi, Chefarzt und Bereichsleiter Notfallmedizin am Kantonsspital Aarau. Deshalb wird der Notfalldienst ab morgen Samstag, 17. Dezember outgesourct: an die Firma Mobile Ärzte aus Allschwil BL.

Diese betreibt in Birr einen Stützpunkt. Bei einem Notfall rückt ein Arzt gemeinsam mit einer Pflegefachfrau in einem Fahrzeug aus, in welchem er ein mobiles Labor, EKG Sauerstoff, Instrumente und und Medikamente mitbringt. Er besucht den Patienten zuhause – so, wie es auch der Hausarzt machen würde. «Unsere Leistungen werden nach Tarmed abgerechnet und von allen Krankenkassen in der Schweiz im Rahmen der Grundversicherung des KVG vergütet», heisst es auf der Website der Firma. «Die Tarife sind die gleichen wie bei einem Hausarztbesuch.» Das heisst: Verrechnet wird auf jeden Fall eine Notfallpauschale. Diese beträgt bis zu 180 Franken. Zudem kann bei Hausbesuchen eine Wegentschädigung berechnet werden.

Je nach Bezirk verschieden

Die Organisation des Notfalldienstes ist den einzelnen Bezirken überlassen und entsprechend unterschiedlich. Wer im Bezirk Kulm die Notfallnummer wählt, wird von 7 bis 19 Uhr an einen Hausarzt verbunden. Die Hausärzte machen abwechselnd Notfalldienst, parallel zum laufenden Praxisbetrieb. Zu den übrigen Stunden gelangt man via Notrufnummer ans Spital Menziken. Der diensthabende Hausarzt macht dann nur noch den sogenannten Hintergrunddienst (zum Beispiel Hausbesuche bei Todesfällen im Altersheim).

Im Freiamt läuft es nochmals anders: Das Spital Muri hat eine Praxis eingerichtet, in der abwechslungsweise ein anderer Hausarzt aus der Region seinen Notfalldienst macht. Für Hausbesuche steht ein Hintergrunddienst bereit.

So ein Modell wäre auch in Aarau denkbar gewesen. Aber: Notfalldienst leisten müssen alle Ärzte, die über eine Berufsausübungsbewilligung verfügen. Dazu gehören auch Spezialisten, wobei einzelne Sparten – zum Beispiel Pathologen, Mikrobiologen oder Radiologen – ausgenommen werden. «In ländlichen Gebieten haben fast alle Ärzte mit Berufsausübungsbewilligung auch eine eigene Praxis», so Ulrich Bürgi. «In der Region Aarau gibt es aber viele Belegärzte. Diese leisten in ihrer Klinik bereits Notfalldienst und übernehmen ungern zusätzliche Dienste.» Deshalb habe man sich entschieden, den Notfalldienst als Pilotprojekt in den Bezirken Lenzburg und Aarau an «Mobile Ärzte» zu delegieren – ein Novum im Kanton.