Region Aarau

Gesetz lässt kaum Spielraum: Pferdehof muss mit Reitunterricht aufhören

Die Ausnahme: Bewilligter Pferdehof in Dietikon. Archiv/Matthias Kessler

Die Ausnahme: Bewilligter Pferdehof in Dietikon. Archiv/Matthias Kessler

Das Raumplanungsgesetz – ein Reizwort für Pferdehalter in der ganzen Schweiz. Wo sollen die Pferdenärrinnen bloss reiten? Ein Pferdehof in der Region Aarau muss jetzt aufgrund des Gesetzes schliessen. Fünf Schulpferde müssen verkauft werden.

Der Hof steht abseits des Dorfes zwischen Wiesen und Feldern. Das Gebiet nahe am Wald ist idyllisch für Ausritte hoch zu Ross. Deshalb stehen dort nicht nur 23 Pensionspferde im Stall, sondern auch fünf Schulpferde.

Ob Reitunterricht erteilt werden darf, hat der Besitzer nicht gefragt, als er den Hof vor zwei Jahren übernommen hat. Gestört hat es niemanden.

Im Gegenteil: Mädchen aus der Region und der Stadt Aarau lernten mit Begeisterung reiten.

Finanziell habe nicht viel rausgeschaut, sagt eine Angestellte, doch man habe den Reitunterricht auch angeboten, um als Neuzuzüger einen guten Kontakt zum Dorf zu knüpfen.

Nur Bauer darf Reitunterricht geben

Als der Besitzer den Aussenplatz für die Pferde umbauen wollte, wurden die Behörden auf die Reitschule aufmerksam.

Nun müssen die fünf Schulpferde verkauft werden. Denn: In einer Reitschule in der Landwirtschaftszone muss die Besitzerfamilie den Hauptteil aller Arbeiten erledigen.

Das war auf besagtem Hof früher der Fall, der neue Besitzer hat dazu aber eine Angestellte, die sich auch um die Pensionspferde kümmert.

Eine Mutter aus Aarau, deren Tochter dort Reitunterricht genommen hat, bedauert die Schliessung sehr: «Das ist extrem schade. Es ist doch eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung.»

Sie sei selber kein Pferdenarr, aber ihr hätten die Mädchen leid getan, die in der Schule zu weinen begonnen hatten, als die Neuigkeit die Runde machte.

Initiative zur Lockerung der Regeln

Das Raumplanungsgesetz – ein Reizwort für Pferdehalter in der ganzen Schweiz. Es besagt nämlich, dass die Landwirtschaftszone den Nutztieren vorbehalten ist.

Pensionspferde sind keine Nutztiere. Die Absicht dahinter ist eigentlich gut: Fruchtbares Land soll nicht an einen Freizeitsport verloren gehen. Hofbesitzer, die im Haupterwerb Landwirte sind, dürfen aber Pensionspferde halten und Reitunterricht erteilen, um finanziell besser über die Runden zu kommen.

Pferdenärrinnen wie jene auf besagtem Hof, die mehrere Pferde halten und auch Reitunterricht erteilen möchten, aber nicht zur Besitzerfamilie gehören, haben es schwer.

Das erkannte 2004 auch Nationalrat Christophe Darbellay und lancierte eine parlamentarische Initiative, welche die Pferdehaltung in der Landwirtschaftszone erleichtern soll. Nirgends sei das Pferd willkommen, stellte er damals fest (siehe separater Text).

Eine Reitschule oder Ställe für Pensionspferde, betrieben von Nicht-Landwirten, werden auch in Zukunft nicht erlaubt sein. Und bei Bauernhöfen gilt: Es muss genug Land zum Hof gehören, sodass die Pferde damit theoretisch ernährt werden könnten: «Futterbasis» wird das genannt.

Auch diese Regelung schränkt die Pferdehalter ein. Die Familie Frey in Oberentfelden, welche nebenberuflich Pferde züchtet, musste vor zehn Jahren extra ein Stück Land kaufen, um ihre elf Pferde behalten zu können. «Das war ein Theater», erinnert sich Sabina Frey, «es wird immer schwieriger, Pferde zu halten.»

Landfläche bestimmt Anzahl Rösser

Der Besitzer auf besagtem Hof in der Region Aarau will sich nicht öffentlich äussern. Dass kein Reitunterricht mehr erteilt werden kann, ist nicht das einzige Problem:

Der Landwirt betreibt eine Baumschule – jedoch nicht auf dem Hof. Nun muss er auf zwei Hektaren zusätzlich Bäume beim Hof anpflanzen, um weiterhin als echter Landwirtschaftsbetrieb zu gelten und die 23 Pensionspferde behalten zu können. Die Verhandlungen mit der Gemeinde sind noch am Laufen.

Markus Würsch, Projektleiter Baubewilligungen beim Kanton, kennt den Fall – und viele weitere. «Pferde sind im Aargau ein grosses Thema, wir haben nahezu die höchste Pferdedichte in der Schweiz.»

Als Nicht-Landwirt eine Bewilligung für Pensionspferde oder Reitunterricht zu erhalten sei fast unmöglich. Es müsste innerhalb der Landwirtschaftszone eine Spezialzone geschaffen werden. Denn in der Wohn- und Gewerbezone oder der Industriezone Pferde zu halten sei teuer.

Extra eine «Pferdesportzone» haben die Kantone Aargau und Solothurn vor drei Jahren für den Trottenhof in Erlinsbach AG mit Weiden im Kanton Solothurn bewilligt.

Sonst wird in der Region kaum Reitunterricht angeboten: Der nächste Reiterhof mit diplomierten Reitlehrern steht in Thalheim.

«Ich weiss noch nicht, was wir jetzt machen», sagt die Mutter der Pferdenärrin. «Ich möchte meine Tochter nicht zu weit weg auf einen Hof schicken. Grad ein eigenes Pferd kaufen, das können wir nicht.»

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