Einbürgerungen
Familie Gashi will bis vor Bundesgericht für Einbürgerung kämpfen

Dass ihr Einbürgerungsgesuch abgelehnt wurde, versteht die Familie Gashi in Buchs nicht. Sie will ihre Beschwerde notfalls bis vor Bundesgericht ziehen.

Heidi Hess
Drucken

Am Donnerstag hatte die fünfköpfige Familie Gashi in Buchs die Ablehnung ihres Einbürgerungsgesuches im Briefkasten. Abgelehnt wurden die Gesuche von Selman und Ehefrau Drita sowie dem 11-jährigen Sohn Islam. Der Einwohnerrat war damit der Empfehlung der Einbürgerungskommission gefolgt. Er begründete: «Ihre Deutschkenntnisse reichen für eine Befürwortung des Gesuches nicht aus.» Und: «Ebenso waren nur ungenügende Kenntnisse über die politischen Institutionen der Schweiz vorhanden.»

Die Familie Gashi versteht die abschlägige Antwort nicht. Sie will gegen den Entscheid vorgehen, zunächst beim Regierungsrat. Wenn nötig bis vor Bundesgericht. Immerhin erhält die 16-jährige Tochter, deren Gesuch ebenfalls abgelehnt worden war, im Frühling vor der Einbürgerungskommission eine zweite Chance. Sie hat ihre Lehre abgebrochen, arbeitet zurzeit temporär und will auf nächsten Sommer eine neue Lehrstelle suchen. Der 18-jährige Sohn, der eine Gastronomie-Lehre macht, wurde eingebürgert. Der minderjährige Islam hingegen erfülle laut Gemeindebescheid die Voraussetzungen noch nicht, um alleine ein Einbürgerungsgesuch zu stellen.

Deutschkenntnisse ausreichend

Die Familie empfängt die Redaktorin freundlich. Der Mann erzählt auf Schweizerdeutsch, dass er seit 27 Jahren in der Schweiz lebt. Länger als er jemals in Kosovo, seinem Herkunftsland, gelebt hatte. Er kam 1984, als 17-Jähriger, hierher. Zunächst arbeitete er in einer Geflügelfarm. Heute ist er zu 100 Prozent bei Jowa in Gränichen angestellt. Sein Arbeitgeber stellt ihm laut Tele M1 ein gutes Zeugnis aus, auch die Deutschkenntnisse seien für die Arbeit ausreichend.

Selman Gashi arbeitet Schicht bei Jowa und zusätzlich jeden Samstag im Coop Schafisheim. Die Zusatzeinkünfte sind nötig, um die Existenz der fünfköpfigen Familie zu sichern. Ein Vereinsleben hingegen, das als positiver Integrationsfaktor gewertet wird und nach welchem sich offenbar auch die Mitglieder der Einbürgerungskommission erkundigt hatten, bleibt bei so viel Erwerbstätigkeit auf der Strecke.

Gashi sagt, ihm und seiner Familie gefalle hier alles. Er sagt auch: «In Kosovo sind heute wir die Ausländer.» Er habe sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Umso weniger versteht er das abgelehnte Gesuch - spricht gar von Diskriminierung. Zu seiner Person gebe es weder Einträge im Betreibungs- noch im Strafregister und Arbeitslosengeld habe er in all den Jahren nie bezogen.

Genauso wenig wie seine Frau Drita Gashi, die seit 1991 in der Schweiz lebt. Bereits zwei Wochen nach ihrer Ankunft habe sie im Coop im Verkauf gearbeitet. Es folgten die Geburten der drei Kinder. Und dann, 2003, ein Unfall. Drita Gashi hatte einem Kind den Vortritt auf dem Fussgängerstreifen gewährt und wurde dabei in ihrem Auto von hinten angefahren. Noch heute leidet sie an den Folgen des Schleudertraumas.

Sie befindet sich deswegen weiterhin in medizinischer Behandlung. «Eine IV-Bezügerin aber», betont sie, «bin ich nicht.» Sie sei Hausfrau und kümmere sich um ihre Kinder. Das habe sie auch der Einbürgerungskommission gesagt, als sie danach gefragt worden sei. Als dieselbe Kommission sie aber weiter befragte, sei sie so blockiert gewesen, dass sie die Fragen nur mit Mühe habe beantworten können und dafür «ungenügend» erhalten habe.

Die Einbürgerungskommission setzt sich in Buchs aus fünf Mitgliedern des Einwohnerrats zusammen (2 SVP, 1 CVP, 1 FDP, 1 SP). Gespräche und Befragungen werden protokolliert. Fragen stellen alle. Ausser Gemeindeammann Heinz Baur, der jedoch als beratendes und Bindeglied zwischen Kommission und Gemeinderat anwesend ist.

Wie weiter?

Baur erklärt, Hauptkriterium für die Ablehnung des Gesuches sei die «sprachliche Mangelhaftigkeit». Erschwerend komme hinzu, dass Selman Gashi nach jedem Brief auf der Gemeindekanzlei erschienen sei und sich lautstark empört habe. Er habe Anspruch auf Einbürgerung erhoben, weil er seit 27 Jahren hier lebe. Baur jedoch sagt: «Herr Gashi hat Anrecht auf ein Gesuch, aber der Entscheid liegt beim Einwohnerrat.» Laut Bauer ist ein einzelner Aspekt nie ein Killerfaktor. «Wichtig ist das Gespräch.» In die Buchser Protokolle haben auch die nächsten, prüfenden Instanzen Einsicht. Gemeindeammann Baur liegt jegliche Stimmungsmache fern. Im Verlaufe seiner 16-jährigen Amtszeit, erklärte er gegenüber Tele M1, habe er gerade mal zwei Personen nicht eingebürgert.