Fahrwangen/Sarmenstorf
Die Geschichte hinter diesen Blumen am Strassenrand kennen nur Eingeweihte

Die Gärtnerei Werder pflanzt und pflegt seit über 20 Jahren eine Osterglockenkolonie zwischen Fahrwangen und Sarmenstorf. Es sind ehemalige Grab-Blumen.

Toni Widmer
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Osterglocken zwischen Fahrwangen und Sarmenstorf.

Osterglocken zwischen Fahrwangen und Sarmenstorf.

Toni Widmer / Aargauer Zeitung

Zumindest ihnen haben die kalten Nächte in den vergangenen Tagen nichts ausgemacht. Die Osterglocken (oder gelben Narzissen) an der Strassenböschung zwischen Fahrwangen und Sarmenstorf stehen zurzeit in voller Blüte. Für Ostern hat es leider nicht gereicht, dafür waren die Festtage dieses Jahr zu früh.

Hinter der Blumenpracht am Strassenrand verbirgt sich eine Geschichte, die in der Region lange Zeit lediglich ein paar Eingeweihte kannten. Allgemein wurde vermutet, es handle sich hier um wilde Osterglocken, also Manzen oder Manzeln, die auf irgendwelchen Wegen an diesen Standort gelangt seien und sich dort von Jahr zu Jahr vermehren würden. Auch in der AZ wurde diese Vermutung vor Jahren in einem entsprechenden Artikel schon geäussert.

Fahrwanger Gärtnermeister Kurt Werder ist der Initiant

Tatsächlich sind es «echte» Osterglocken, die seit über 20 Jahren jeweils im Frühling hier für wenige Wochen blühen. Initiant der Blumenpracht ist der inzwischen verstorbene Fahrwanger Gärtnermeister Kurt Werder. «Mein Vater hat jeweils auf den Friedhöfen, die er als Gärtner betreut hat, Osterglocken gepflanzt und die Knollen beim Anlegen der Sommerbepflanzung auf den Gräbern nicht entsorgt, sondern an der Strassenböschung eingegraben. Am Anfang waren es ein paar wenige Pflanzen, mittlerweile sind es Hunderte», sagt Erwin Werder, der den Fahrwanger Gartenbaubetrieb in zweiter Generation führt.

Er habe, sagt Werder, schon zu Vaters Zeiten diese Tradition übernommen und führe sie bis heute weiter. Gesetzt würden die Blumen-Zwiebeln mittlerweile von Sohn Patrick, der im Geschäft mitarbeitet und es dereinst in dritter Generation weiterführen will. Weil es aufgrund des starken Trends zu kleinen Urnen- und Gemeinschaftsgräbern auf den Friedhöfen immer weniger zu bepflanzen gibt, geht Erwin Werder langsam der Rohstoff für die Weiterentwicklung seiner «Osterglocken-Kolonie» aus. Deshalb hat er dieses Jahr in Holland 500 Narzissen-Knollen bestellt, die Sohn Patrick demnächst an der Strassenböschung pflanzen wird. Auf eigene Rechnung und zur grossen Freude der Spaziergänger, von denen die Blumenpracht Jahr für Jahr bewundert wird.

Verschiedentlich wilde Osterglocken im Aargau

Im Aargau gibt es an verschiedenen Orten auch wilde Osterglocken. Ihre wissenschaftliche Bezeichnung lautet Narcissus pseudonarcissus. Im Volksmund heissen sie Märzenblume, wilde Osterglocke oder auch Trompeten-Narzisse. Die Aargauer haben noch zwei weitere Bezeichnungen: Manzeln heissen die wilden Osterglocken in Tägerig, wo oberhalb des Dorfes im Frühling jeweils ein ganzer Hang davon blüht. Auch im Schlattwald gibt es ein grosses Feld davon, dort werden die Blumen jedoch Manzen genannt. Dieser Name findet auch in Möriken Verwendung, allerdings werden dort die Schneeglöckchen so genannt, die jeweils auf einem Feld am Chestenberg blühen.

Die wilden Osterglocken sind streng geschützt und in Europa praktisch ausgestorben. In der Schweiz findet man sie neben den genannten Standorten im Aargau lediglich noch an einigen Stellen im Jura.

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