«Es heisst nicht Gegenwartsraum»

Am letzten Event zum Zukunftsraum in Entfelden vor dem ersten Entscheid lagen die Befürworter leicht im Plus.

Daniel Vizentini
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Der Infoabend gestern in der Turnhalle Bünten in Unterentfelden war geprägt von der Maskenpflicht. Es war die erste grosse Veranstaltung, bei der das Publikum da keine Wahl hatte. Brigitte Siegenthaler und Dieter Ammann (links) vertraten die Fusionsgegner, Johann Sager und Lucia Engeli (rechts) die Befürworter.
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Der Infoabend gestern in der Turnhalle Bünten in Unterentfelden war geprägt von der Maskenpflicht. Es war die erste grosse Veranstaltung, bei der das Publikum da keine Wahl hatte. Brigitte Siegenthaler und Dieter Ammann (links) vertraten die Fusionsgegner, Johann Sager und Lucia Engeli (rechts) die Befürworter.

Der Infoabend gestern in der Turnhalle Bünten in Unterentfelden war geprägt von der Maskenpflicht. Es war die erste grosse Veranstaltung, bei der das Publikum da keine Wahl hatte. Brigitte Siegenthaler und Dieter Ammann (links) vertraten die Fusionsgegner, Johann Sager und Lucia Engeli (rechts) die Befürworter.

Bilder: Britta Gut

In letzter Sekunde meldete sich doch noch ein Gegner des Zukunftsraums: Nach langer Suche hatten die Veranstalter des Infoabends gestern in Unterentfelden nur eine Person präsentieren können, die das Nein-Lager öffentlich zu vertreten wagte. Es brauchte zwei Aufrufe von Moderator Walter Vogt ans Publikum, bis dann Dieter Ammann auf die Bühne trat. «Ich bin vor 62 Jahren hier geboren und habe auch immer hier gelebt», stellte er sich als eingefleischten Oberentfelder vor. Mit ihm auf der Bühne stand Brigitte Siegenthaler, ebenfalls Oberentfelderin seit Geburt, Ortsbürgerin und Lehrerin in der lokalen Schule. Für beide wäre der Demokratieverlust bei einer Fusion mit den umliegenden Gemeinden «viel zu gross», ein Einwohnerrat sei «ein Schlachtfeld von Parteien», bei dem normale Bürger keine Chance hätten. «Ich wüsste zudem nicht, was ich an einer fusionierten Ortsbürgergemeinde der Stadt Aarau verloren hätte», sagte Brigitte Siegenthaler. Von den Stadtteilkommissionen, bei denen auch Ausländer mitbestimmen dürften, halte sie nichts. «Die langjährigen Einwohnern verlieren alles», doppelte sie nach. «Wir haben mit dem Distelberg eine natürliche Grenze, diese sollte man beibehalten», fügte Dieter Ammann an.

Auf der Seite der Befürworter standen Johann Sager und Lucia Engeli als einzige Unterentfelderin. Wie in der AZ vom letzten Dienstag erwähnte sie die Fusion von Aarau und Rohr als positives Beispiel. Die Grenzen zwischen den Zukunftsraum-Gemeinden seien heute fliessend, «Wald oder Strassen gehören teilweise schon zusammen». Mit einer gemeinsamen Stadtverwaltung könnte man Energie sparen und diese nutzen «für ein starkes Entfelden». Vor allem in Unterentfelden ginge der Steuerfuss «immer wieder ein bisschen nach oben», durch die vielen gebundenen Ausgaben bleibe der Gemeinde aber kaum Luft, sich zu entfalten. «Stillstand ist gleich Rückschritt, wir müssen vorwärts machen», hielt Johann Sager fest. «Heute sind wir ein Lebensraum. Wenn ich nach Aarau fahre, merke ich die Grenze am ‹Mont Disteli› nicht besonders.»

Wie schlägt nun der Puls in Ober- und Unterentfelden? Nach dem ersten Streitgespräch auf der Bühne konnte man noch keine Prognose wagen. Es war dann die Stellungnahme von einem Mann aus dem Publikum, die von grossem Applaus gefolgt wurde und so klar das Gefühl gab: In Entfelden scheinen die Befürworter doch leicht die Oberhand zu haben, auch wenn sich immer mehr Fusionsgegner mit ihren Argumenten an die Öffentlichkeit wagen.

«Wer eine Grenze sieht, ist in der Zeit stehen geblieben»

Der Mann sagte: «Es heisst Zukunftsraum, nicht Gegenwartsraum.» Entfelden müsse bald ein Schulhaus bauen, das Steuersubstrat der beiden Gemeinden werde strapaziert, die Steuerfüsse bewegen sich eher nur nach oben. Zu den vielfach beanstandeten, teilweise höheren Gebühren im heutigen Aarau sagte er: Eine gratis Grünabfuhr gibt es nicht, in Oberentfelden zahlt sie nur jemand anderes via Steuern. Zum Schluss teilte er noch einen Seitenhieb an die Fusionsgegner aus: «Wer am Distelberg eine Grenze sieht, ist in der Zeit stehen geblieben.»

Im Publikum kamen noch Fragen auf zu einer möglichen Vereinheitlichung der öV-Tarifzonen im neuen Stadtgebiet (liegt nicht in der Kompetenz der Stadt) oder zu den Adressen (bleiben gleich). Eine Dame schlug vor, die Stadtteilkommissionen für über 16- statt 13-Jährige und nur niedergelassenen Ausländern freizuhalten. Ob wegen des warmen Wetters oder der Maskenpflicht: 110 Menschen wagten sich gestern Abend in die Turnhalle Bünten, weniger als die Hälfte als an der letzten Infoveranstaltung im November in Oberentfelden. Am 2. September entscheiden beide Entfelden, ob die Fusionsverträge ausgearbeitet werden sollen oder nicht.

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