Aarau
Ergreifendes Pfingstkonzert in der katholischen Kirche Peter und Paul

Das Pfingstkonzert in der Aarauer katholischen Kirche Peter und Paul war ergreifend. Unter der Leitung von Cheforganist Daniel Willi spielte das Orchester camerata AKSAdemica und sang der Chor Peter und Paul Aarau.

Markus Christen
Merken
Drucken
Teilen
Chor und Orchester harmonierten in der katholischen Kirche Peter und Paul.Markus Christen

Chor und Orchester harmonierten in der katholischen Kirche Peter und Paul.Markus Christen

Markus Christen

Zwischen 1713 und 1719 entstand Antonio Vivaldis geistliche Komposition «Gloria in D-Dur». Hundert Jahre später, im Jahr 1819, wurde der erste Band von Arthur Schopenhauers Hauptwerk «Die Welt als Wille und Vorstellung» veröffentlicht. Als Wille wird darin das allumfassende Streben der Welt bezeichnet, jenseits aller menschlicher Wahrnehmung und rationaler Erklärung. Wille ist Bindeglied und «der Kern jedes Einzelnen und ebenso des Ganzen».

Die Musik gilt Schopenhauer als schönste Kunst. Sie ist Möglichkeit zur Erfahrung dieses Willens. Das Besondere der Musik als einer solchen Existenz-Mitteilung liegt in ihrer Universalität, sie wird verstanden als «eine ganz allgemeine Sprache».

In Entsprechung berichtet die Apostelgeschichte vom ersten Pfingstfest nach Christi Himmelfahrt. Der Heilige Geist erfüllt die Apostel und Jünger; und sie «fangen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist es ihnen auszusprechen gab». Die Zuhörer, die unterschiedliche Sprachen sprechen, sind verblüfft: Sie alle verstehen die Verkündung von Gottes grossen Taten.

Das gut besuchte Pfingstkonzert in der katholischen Kirche Peter und Paul hat auf ergreifende Weise diese Klarheit von Musik und christlicher Botschaft miteinander verbunden. Unter der Leitung von Daniel Willi, Cheforganist der Pfarrei Peter und Paul und Initiator des Pfingstkonzerts, spielte das Orchester camerata AKSAdemica und sang der Chor Peter und Paul Aarau.

Die Vorträge, welche die Verbundenheit mit Gott feierten, berührten durch eine innewohnende Schlichtheit und Genügsamkeit, Gesten, die sich auch Chor und Orchester in gegenseitiger und einfühlsamer Rücksicht einverleibt hatten. Die vielstimmigen Lobpreisungen Gottes, die Bitten nach Erbarmen erhellten in sanftem Klang den weiten Kirchenraum.

Auch Sopranistin Christa Kägi und Mezzosopranistin Susanne Wiesner brachten sich als Solostimmen eindrücklich in dieses Gefüge ein. Auf die Zuhörer wirkte eine homogene, berührende Tonkunst, innerhalb derer die einzelnen Stimmlagen sich Raum und Sphäre schaffen konnten.

Viel Applaus, keine Zugabe

Aufgeführt wurden am Sonntagabend neben dem erwähnten «Gloria in D-Dur» auch das «Magnificat» von Antonio Vivaldi, sowie das Konzert in e-Moll von Georg Philipp Telemann. Hier glänzte und verführte Marietta Bosshart mit ihrer Oboe durch bezaubernde Leichtigkeit.

Der Applaus, mit dem sich das Publikum für das rundum gelungene Pfingstkonzert bedankte, hielt lange an und keimte mehrmals wieder auf. Eine Zugabe hätten sich wohl viele Zuhörer gewünscht.