Aarau
Einziger Comicshop zwischen Zürich und Bern muss wegen Bauerei dichtmachen

Die Baustelle beim Bahnhof Aarau setzte dem einzigen Comicshop zwischen Zürich und Bern arg zu. «Kari’s Comicshop» musste massive Umsatzeinbussen in Kauf nehmen. Dieter Ammann schliesst deshalb sein Geschäft, bevor er Konkurs geht.

Isabelle Schwab
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Dieter Ammann, Inhaber des Comicshops, fühlt sich wie Dagobert Duck auf dem hier abgebildeten Cover.

Dieter Ammann, Inhaber des Comicshops, fühlt sich wie Dagobert Duck auf dem hier abgebildeten Cover.

Isabelle Schwab

Mit zwei Freunden hatte Dieter Ammann 1991 einen kleinen Comicladen in der Altstadt eröffnet. Der Zeitungsartikel, der damals erschien, hängt noch immer in seinem Shop – mit Bild: Dieter Ammann im Supermankostüm.

Heute ist Ammann alleiniger Geschäftsinhaber. Seit 16 Jahren steht der Comicshop vis-à-vis dem Bahnhof Aarau im Postgebäude.

Mit dem seit 2011 fortschreitendem Umbau des Bahnhofplatzes sah es für den Shop finanziell immer düsterer aus. Im März 2012 habe die Misere richtig begonnen. Die Fenster des Comicshops wurden wegen der Bauarbeiten abgedeckt, der Durchgang beim Postgebäude von einer Bretterwand verdeckt.

«Ich habe dadurch meine gesamte Laufkundschaft verloren. Nur noch Stammkunden kamen vorbei», sagt Amman. «Schlagartig habe ich in einem Monat 7000 bis 10'000 Franken weniger Umsatz gemacht, als vor der Bauerei», sagt Ammann.

Er habe versucht, seine Verluste beim Bauherren, dem Kanton, geltend zu machen. Ein Spezialverwaltungsgericht des Departements für Bau, Verkehr und Umwelt entscheide nun über seinen Fall. «Das Urteil wird wohl erst Anfang nächsten Jahres gefällt.»

Der Kanton spricht sich in einer Stellungnahme gegen eine Entschädigung aus: «Die im vorliegenden Fall (...) angewandte Verkehrsführung und die damit vorübergehenden Beeinträchtigungen zum ‹Kari’s Comicshop› können nicht als besonders schwerwiegende Eingriffe in die Nutzung der Liegenschaft bezeichnet werden.»

Der Zugang zum Shop sei während den gesamten Bauarbeiten möglich gewesen. Lediglich die Sicht auf die Schaufenster und den Eingang sei zeitweise eingeschränkt gewesen.

Mit einem Verlust von insgesamt 200'000 Franken in zwei Jahren hat Ammann sich entschlossen, seinen Comicshop aufzugeben. Er habe zu viele Kunden verloren. Seine Kundschaft wieder aufzubauen, würde Jahre dauern. Die Folgeschäden trieben seinen Laden in den Ruin. «Deshalb schliesse ich, bevor der Comicshop Konkurs geht.»

Seinen Geschenkartikelbestand versucht Dieter Ammann, bis zur Schliessung des Comicshops aufzubrauchen. Sein Comicsortiment bleibe aber aktuell, sagt er. Nach dem 31. Dezember werde er weiter Comics und Mangas verkaufen, jedoch nur noch über das Internet. Mit dem Ende von Kari’s Comicshop verlieren drei Teilzeitangestellte ihren Arbeitsplatz. Unter ihnen ein Teilinvalide. Für ihn, wie auch für Dieter Ammann, wird es nicht einfach, eine neue Stelle zu finden. «Ich bin 55 Jahre alt. Für Leute in meinem Alter gibt es kaum mehr Platz in der Arbeitswelt», sagt Dieter Ammann.

Der Familienvater arbeitet nebenbei 60 Prozent bei einem Kleidergeschäft und macht sich Sorgen um die Zukunft seiner Familie. «Schliesslich habe ich vier Töchter. Jetzt muss ich schauen, wie es weitergeht.»

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