Petitio
«Digitale Zukunft für Aarau»: Petition fordert schnelles Internet für die Stadt

Der Aarauer Stadtradt soll den Ausbau eines anbieterunabhängigen Glasfasernetzes anstossen. Das will eine Petition.

Nadja Rohner
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Eine Petitionärin wünscht sich schnelles Internet für die Kantonshauptstadt.

Eine Petitionärin wünscht sich schnelles Internet für die Kantonshauptstadt.

Chris Iseli/ AZ

«Aarau ist eine der 50 grössten Städte der Schweiz – aber was die digitale Kommunikation angeht, liegt Aarau, überspitzt gesagt, irgendwo zwischen einem Weiler und ‹auf der Karte nicht verzeichnet›.» Zu diesem Schluss kommt André Düring, der auf der Petitionsplattform petitio.ch eine Unterschriftensammlung gestartet hat. Sein Anliegen: Aarau soll den Ausbau eines anbieterunabhängigen Glasfasernetzes vorantreiben. Das würde bedeuten: Schnelleres Internet, das erst noch weniger kostet.

Was bringt Glasfaser?

Früher wurde bei Internetzugängen vor allem auf das kupferbasierte Telefon-Festnetz gesetzt. Doch für Datenübertragungen ist die FTTH-Technik viel geeigneter. FTTH steht für «Fibre to the home»; frei übersetzt «Glasfaser bis ins Haus». Damit ist das Verlegen von Glasfasernetz-Zugängen bis in die Wohnungen der Verbraucher gemeint.

Glasfasern sind dünne Fasern aus Glas, die Informationen durch Licht übertragen – in Lichtgeschwindigkeit, also unglaublich schnell. Das erlaubt das Hoch- und Runterladen von grossen Datenmengen innert kürzester Zeit. Nicht unwichtig in einer Welt, die immer digitaler wird.

Oft gibt es zwar Glasfasernetze in einer Stadt – aber eben nicht bis in einzelne Wohnungen, sondern nur bis an die nächste Strassenecke. Auch Aarau setzt auf dieses FTTS («Fibre to the Street», sinngemäss Glasfaser bis zur Strasse). Den Weg vom Verteiler unter der Strasse bis in die Wohnungen, die sogenannte «letzte Meile», müssen die Datenimpulse über die veralteten Kupferkabel zurücklegen, was die Datenübertragung sehr stark verlangsamt.

Kommt hinzu, dass diese Kupferkabel meist einem bestimmten Telekom-Anbieter «gehören»; die Einwohner also nur beschränkt wählen können, bei wem sie ihr Internet-Abo beziehen. FTTH-Anschlüsse mit einem anbieterunabhängigen Netz lassen echte, freie Märkte und Konkurrenzsituationen zu.

Stadt fühlt sich nicht zuständig

Dass sich Aarauer FTTH wünschen, ist nicht neu. Der az liegen Informationen vor, wonach sich eine Einwohnerin monatelang bei der Stadt erkundigte, ob diese einen Glasfaser-Ausbau plane. Sie mache sich Sorgen, so die branchenkundige Frau, ob sich die Stadt mit dem Verzicht auf einen Glasfaserausbau nicht auf das Abstellgleis schiebe. «Erst durch den Glasfaserausbau können neue Technologien genutzt werden. Sonst zieht der Kunde halt an einen Ort, an dem die Zukunft herrscht und nicht der Stillstand.»

Eine Antwort erhielt die Einwohnerin erst acht Monate später und nach der vierten Anfrage. Sinngemäss hiess es darin, dass «die Stadt Aarau als Eigentümerin im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten den Boden für Leitungen jeglicher Art, darunter auch für Glasfaserkabel, zur Verfügung stellt». Die einzelnen Anbieter könnten sich also in die Strasse «einmieten» und auch Glasfasernetze verlegen. Es sei nicht Aufgabe der Stadt, solche Dienstleistungen anzubieten.

Andere Städte sehen das ganz anders. Die Stadtwerke Winterthur sind zum Beispiel daran, bis Ende 2017 Glasfaseranschlüsse in jede einzelne Wohnung zu ziehen, Quartier für Quartier. «Winterthurerinnen und Winterthurer können dank dem offenen Glasfasernetz aus Multimedia-Diensten verschiedener Serviceprovider auswählen», wirbt die Stadt.

Die Einwohner werden schriftlich auf die neu entstandenen Möglichkeiten für kostengünstige Abos und schnelles Surfen aufmerksam gemacht. Für die flächendeckende Erschliessung von 95 Prozent der Liegenschaften mit Glasfasern hat die Winterthurer Stimmbevölkerung 2012 einen Baukredit von 67,4 Mio. Franken gesprochen. Die Stadt ist zwar rund 20-mal grösser als Aarau. Aber: Auch kleinere Gemeinden wie Adliswil, Wabern BE, Meilen oder Schlieren setzen auf Glasfasernetze.

IBA will (noch) nicht

Die IBAarau hat sich einen FTTH-Nummerierungsbereich reserviert, plant jedoch derzeit keinen eigenen Ausbau. «Es gibt in Aarau zwei flächendeckende Kommunikationsnetze von Swisscom und UPC Cablecom, welche nicht nur ihr Netz bauen und unterhalten, sondern auch ihre Dienstleistungen über ihr Netz exklusiv anbieten», sagt IBA-Sprecherin Harriet Moser.

«Der Bau eines neuen, dritten FTTH-Netzes mit Glasfasertechnologie kann deshalb derzeit nicht wirtschaftlich betrieben werden. Damit sich eine neue Technologie mit FTTH-Anschluss in jedes Gebäude rechnet, müssten alle Betreiber die gleiche Netzinfrastruktur nutzen und den Kunden über eine einheitliche Infrastruktur ihre Dienstleistungen anbieten.»

IBAarau baue derzeit im Rahmen des Smart-Grid-Projektes eine leistungsfähige Basisinfrastruktur mit Glasfaserkommunikation bis in die Trafostationen auf. «Wie zu einem späteren Zeitpunkt die Kommunikation zwischen den Smart Metern und den Trafostationen ausgeführt wird, ist noch offen: Es sind verschiedene Technologien denkbar, von Kupfer- über Glasfaserkabel bis hin zu Drahtlos-Kommunikation.»