Er ist der einzige Bestatter, der sehnsüchtig erwartet wird: Luc Conrad (Mike Müller), Hauptfigur der SRF-Erfolgsserie «Der Bestatter», ermittelt wieder. Ab Dienstag wird die sechste Staffel mit sechs Folgen gezeigt. Eine Ankündigung, die bei Aarauern seit Jahren für etwas mehr Herzklopfen sorgt als bei allen anderen Fans.

Doch diesmal ist alles anders. Statt einer Leiche auf der Baustelle des Aarauer Hotels Kettenbrücke liegt diese nun auf dem Flugplatz Birrfeld, statt Verfolgungsjagden durch die Meyerschen Stollen gibt es Intrigen in einem Badener Casino. Und noch nicht einmal seine Bratwurst isst Luc Conrad mehr bei Ömer am Graben. Der «Bestatter» ist längst nicht mehr so aarauerisch wie in den Vorjahren. Der Grund: Der Kanton Aargau investiert Zehntausende Franken in die Produktion und Vermarktung des TV-Films. Das fordert Gleichberechtigung. Sorgt das bei den Aarauern für das grosse Wehklagen?

Die wohl grössten Aarauer «Bestatter»-Fans arbeiten im Team des Aarauer Tourismusbüros «aarau info». Seit August 2014 bietet «aarau info» die Themenführung «Auf den Spuren des Bestatters» an, an denen die Teilnehmer nicht nur zu Drehorten geführt werden, sondern auch allerlei Schmankerl rund um die Dreharbeiten erfahren. Innert weniger Monate hat sich die «Bestatter»-Führung zum absoluten Renner gemausert und ist es bis heute geblieben. «Auch nach über drei Jahren läuft die Führung extrem gut», sagt Agnes Henz, zuständig für das Ressort Stadtführungen. 2017 wurde die Führung 13 mal öffentlich durchgeführt, dazu kamen Führungen für 40 private Gruppen. Alle öffentlichen Führungen waren ausgebucht.

«Conrad gehört zum Inventar»

Bedenken, dass die Begeisterung für die «Bestatter»-Führungen nach der aarauarmen Staffel abflauen könnte, hat Henz nicht. «Das Fieber ist da und es hält an. Und noch immer fliesst Aarauer Blut im ‹Bestatter›.» Das beziehe sich nicht nur auf Kunstblut und Drehorte, sondern auf die Serie als Ganzes. «Sie wird mit ihrer Mischung aus Altem und Neuem, aus Bodenständigem und Urbanem auch der Stadt gerecht», sagt Henz. Das Gleiche gelte auch für die Hauptdarsteller. «Luc Conrad gehört praktisch zum Inventar der Stadt.»

Impressionen von der Vorpremiere zur 6. Bestatter-Staffel:

Henz ist überzeugt: Für Aarau ist die Serie Gold wert, die Wahrnehmung der Kantonshauptstadt habe sich dank des «Bestatters» verändert. «Für viele Leute wurde Aarau von einem blinden Fleck auf der Schweizerkarte zu etwas mit Kontur, zu einer Stadt mit wunderschönen Ecken.» Ausserdem habe die Serie eine neue Gruppe Aarau-Besucher erschlossen, sagt Henz und nennt ein konkretes Beispiel: «Früher kamen die Besucher alleine der Kunst wegen ins Aargauer Kunsthaus. Heute kommen sie auch des ‹Bestatters› wegen.»

Es fliesst der «Stierebluet»

Ein Publikumsmagnet ist der «Bestatter» nicht nur bei «aarau info», sondern auch für die Kino Aarau AG. Wie bereits letztes Jahr findet im Kino Ideal am Dienstagabend jeweils ein «Bestatter»-Public-Viewing statt (Eintritt gratis). «Das Interesse ist sehr gross», sagt Rolf Portmann, Chef der Kino Aarau AG, «wir haben schon Reservationen für 180 Plätze.» Während der «Bestatter»-Vorführung gibt es sogar ausnahmsweise Wein: den «Stierebluet» von Peter Wehrli aus Küttigen, benannt nach einer Folge aus der zweiten «Bestatter»-Staffel, in der unter anderem das Rebhäuschen der Wehrlis explodierte. Auch Portmann ist vom Mehrwert für Aarau überzeugt: «Der ‹Bestatter› hat der Stadt sicher etwas gebracht.» Und nicht nur der Stadt: Er selbst werde von seinen Kino-Branchenkollegen immer wieder auf das einzigartige Public-Viewing angesprochen.

«Bestatter»-Stammkunden

Bereits in die dritte Saison startet das Public Viewing in der Bar «Platzhirsch» (Eintritt ebenfalls gratis). «Wir haben inzwischen sogar eine richtige ‹Bestatter›-Stammkundschaft, die während der Staffel jeden Dienstagabend zu uns kommt», sagt Geschäftsführer Philipp Berner. Serviert wird auch im Platzhirsch während des Public Viewings «Stierebluet».

Berner ist stolz, den «Bestatter» zeigen zu dürfen – nicht nur als Beizer, sondern auch als Aarauer. «Wenn eine Ecke aus Aarau gezeigt wird, ist die Freude im Publikum immer gross», sagt er. Dieser Stolz, wenn auch kurzweilig, tue der Stadt gut. Dass nun Aarau in der neuen Staffel weniger vorkommen wird, findet Berner weiter nicht schlimm. «Solange Mike Müller immer wieder öffentlich betont, dass Aarau eine wunderschöne Stadt ist und die absolut richtige Wahl als ‹Bestatter›-Heimat war, spielt das keine Rolle.» Berners Stolz erklärt sich übrigens noch anders: Im Sommer wurde eine Bar-Szene im nun öffentlichen Memberclub «Les Amis» gedreht, dem Schwesterbetrieb des «Platzhirschs». Ob die Szene es in die Staffel geschafft hat? Berner: «Lassen wir uns überraschen.»