Eines haben der Stadioneinsprecher und der FC Aarau gemeinsam: Sie verlieren derzeit auf der ganzen Linie. Der FCA in der Challenge League, der Stadioneinsprecher vor Bundesgericht. Dieses hat beschlossen, auf eine Beschwerde des Aarauers gar nicht erst einzutreten. Nein, dabei geht es nicht um den Stadionbau an sich. Der Mann hatte vielmehr einen Zwischenentscheid des Aargauer Verwaltungsgerichts weitergezogen.

Rückblick: Im März hatte das Verwaltungsgericht drei Vorfragen zur Stadionbeschwerde behandelt. Es ging erstens darum, ob ein Richter voreingenommen war, weil er sich laut Beschwerdeführer negativ vorverurteilend geäussert haben soll. Das Verwaltungsgericht entschied, der Richter müsse nicht in den Ausstand treten.

Stadiongegner geht vor Bundesgericht: «Diese Phantome sollen sich der Öffentlichkeit stellen» – Ex-Grossrat und Stadion-Unterstützer René Kunz ist wütend.

Stadiongegner geht vor Bundesgericht: «Diese Phantome sollen sich der Öffentlichkeit stellen» – Ex-Grossrat und Stadion-Unterstützer René Kunz ist wütend. (7.10.2015)

Zweitens trat das Verwaltungsgericht auf den Antrag des Stadiongegners, seine Beschwerde möge aufschiebende Wirkung haben, nicht ein.

Drittens hatte der Stadiongegner einen unentgeltlichen Rechtsbeistand sowie unentgeltliche Prozessführung gefordert. Das Verwaltungsgericht entschied, er müsse seinen Anwalt vollumfänglich selber bezahlen. Dies unter anderem, weil seine eigenen Rechtskenntnisse in dieser Sache „hinreichend“ seien, hiess es in der Begründung. Einen Teil der Stadion-Beschwerde stufte das Gericht ohnehin als aussichtlos ein, wofür es grundsätzlich weder unentgeltlichen Rechtsbeistand noch kostenlose Prozessführung gibt. Als intakt sah das Verwaltungsgericht die Chancen des Beschwerdeführers in zwei Punkten an: die beanstandete Verkehrssituation auf der Quartierstrasse des Einsprechers und die Parteientschädigung. Deshalb wurden dem Einsprecher die Kosten für die Prozessführung um rund einen Viertel reduziert.

Mit diesem Zwischenentscheid gelangte der Stadiongegner ans Bundesgericht. Dieses hat nun entschieden, gar nicht erst auf die Beschwerde einzutreten. Der Grund: Die Beschwerde sei rein appellatorischer Natur. Das bedeutet, dass die Beschwerde nicht genügend begründet ist. Sie legt nicht dar, wo genau das Urteil der Vorinstanz Bundesrecht verletzt.

Stadiongegner geht vor Bundesgericht: «Wir sind enttäuscht, aber nicht überrascht», sagt FCA-Präsident Alfred Schmid.

Stadiongegner geht vor Bundesgericht: «Wir sind enttäuscht, aber nicht überrascht», sagt FCA-Präsident Alfred Schmid. (7.10.2015)

Kosten steigen und steigen

Der Stadiongegner muss nun seine Anwaltskosten für das Verwaltungsgerichtsverfahren selber zahlen, die Prozesskosten (gegen 10 000 Franken) zu 70 bis 80 Prozent. Der genaue Betrag wird festgelegt, sobald über die Baurechtsbeschwerde am Bundesgericht entschieden wurde.

Selber berappen muss er auch die Bundesgerichtskosten für den Zwischenentscheid (1000 Franken) sowie 2000 Franken Entschädigung an die Bauherrin HRS Real Estate. Noch nicht genau festgelegt beziehungsweise nicht rechtskräftig sind diverse Parteientschädigungskosten zugunsten der Stadt Aarau und der HRS in den Verfahren vor dem Regierungsrat und dem Verwaltungsgericht. Durchaus möglich, dass diese letztlich über 100 000 Franken betragen.

Noch ausstehend ist derzeit das Bundesgerichtsurteil zur Baubeschwerde gegen das Stadion. Damit ist frühestens in etwa einem halben Jahr zu rechnen.

Erst kürzlich hatte das Bundesgericht eine Beschwerde des Stadiongegners wegen verweigerter unentgeltlicher Prozessführung und unentgeltlichem Rechtsbeistand in einem anderen Fall abgelehnt. Es ging dabei um einen Prozess gegen einen "Blick"-Journalisten.

Stadiongegner geht vor Bundesgericht: «Wir verstehen das nicht», sagt der Aarauer Stadtrat Werner Schib.

Stadiongegner geht vor Bundesgericht: «Wir verstehen das nicht», sagt der Aarauer Stadtrat Werner Schib. (7.10.2015)