Aarau
Das Zittern um das Stadion – das sagen die Befürworter und Gegner vor der Abstimmung

Die Gegner sind nicht zu unterschätzen. Was Ende August beim klaren 36:8-Entscheid des Einwohnerrats Aarau noch nach einer eindeutigen Sache aussah, wird nun doch noch zur Zitterpartie.

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8000 Sitz- und 2000 Stehplätze: Einige der wenigen Visualisierungen des Aarauer Stadions, das 60 Millionen Franken kosten wird. Die öffentliche Hand und der FCA müssen nur 29 Mio. Franken beisteuern. (Bild: zvg)

8000 Sitz- und 2000 Stehplätze: Einige der wenigen Visualisierungen des Aarauer Stadions, das 60 Millionen Franken kosten wird. Die öffentliche Hand und der FCA müssen nur 29 Mio. Franken beisteuern. (Bild: zvg)

Aargauer Zeitung

In zweieinhalb Wochen zeigt sich an der Urne, ob der Kanton Aargau weiterhin die Möglichkeiten für Spitzenfussball haben wird. Dann entscheiden die Aarauer über das Stadion.

1. Das sagen die Stadion-Befürworter: «Urbanes Stadtquartier mit Lebensqualität»

Aargauer Zeitung

Ueli Hertig, Architekt und Präsident Pro Aarau: «Das Stadionprojekt liegt am einzig realistischen Standort. So entsteht ein attraktives, urbanes Quartier mit hoher Lebensqualität. Durch die zusätzliche Wohnnutzung und die angestrebte soziale Durchmischung im Areal, wird aus dem ehemaligen Industriegebiet ein neues Stadtquartier. Der weitläufige Gleisraum und die angrenzenden Industriegebiete bilden ein städtebauliches Umfeld, welches die idealen Voraussetzungen für eine markante Verdichtung mit Hochhäusern besitzen. Für Aarau ist es ein kontrolliertes Wachstum.»

«Nach ökologischen Grundsätzen»

    

   

Nordwestschweiz

Anna Wartmann, Einwohnerrätin FDP: «Das vorliegende Projekt Torfeld Süd ist aus meiner Sicht der beste Beweis dafür, dass der Aarauer Stadtrat gut verhandelt hat. Wo sich heute im Herzen unserer Stadt noch eine hässliche Industriebrache auftut, soll ein neues, modernes Quartier mit hoher Lebensqualität und autoreduzierter Wohnnutzung entstehen. Ein Quartier, das den künftigen Bedürfnissen von Aarau nach verdichtetem Bauen Rechnung trägt - umgesetzt nach den ökologischen Grundsätzen der Energiestadt Aarau, Minergie und der 2000-Watt-Gesellschaft.»

«Das Torfeld Süd wird wie das Telli-Quartier»

zvg

Max Suter, Einwohnerrat SVP: «Ich befürworte als Einwohnerrat den Standort des Stadions voll und ganz. Es gibt viele überzeugende Argumente für dieses Projekt. Endlich gibt es ein Stadion und ein neues Stadtquartier dazu. Schon als die Telli-Blöcke gebaut wurden, war die Meinung vorhanden, dass man in diesem Quartier nie leben könne. Nun sehen wir ein
lebendiges Quartier für alle Gesellschaftsschichten. So wird es auch im Torfeld mal sein, wo die Lage für Wohnungen ausgezeichnet ist. Dies sieht man deutlich am benachbarten Aeschbach-Quartier.»

«Günstiger kommen wir nicht zu einem Stadion»

Zur Verfügung gestellt

Salomé Ruckstuhl, Einwohnerrätin SP: «Bereits seit dem Jahr 1902 prägt der FC Aarau die Geschichte unserer Stadt aktiv mit – und dies soll die gesamte FC Aarau Familie auch weiterhin tun. Das vorliegende Projekt im Torfeld ist ausgewogen und bringt der Stadt Aarau ein neues, attraktives und urbanes Quartier. Neben vielfältigem Wohnraum, einem Kindergarten und Gemeinschaftsräumen erhält Aarau dabei ein neues Fussballstadion für 17 Millionen Franken. Günstiger kommen wir nicht zu einem Stadion mit Gesamtkosten von 60 Millionen Franken.»

2. Das sagen die Stadion-Gegner: «Es droht uns ein Problemquartier»

Aargauer Zeitung

Daniel Ballmer, Einwohnerrat Grüne: «Hochhäuser wollen gut geplant sein. Viele Hochhausquartiere werden im Sommer brandheiss oder kanalisieren Winde zu Orkanen; der Basler Roche-Turm produziert im Winter gar Hagel. Nur sorgfältige Planung und grosszügige, begrünte Freiflächen wie in der Telli verhindern ein höllisches Quartierklima. Im Torfeld Süd diktiert das Stadion die Lage der hastig geplanten Hochhäuser; die Freiräume werden eng und kahl. Lassen wir uns heute von FCA und HRS zu einem Ja drängen, droht uns ein Problemquartier.»

«Aus diesen Gründen ist der Stadtrat für das Projekt»

«Der Stadtrat verfolgt mit den beiden Vorlagen Ziele in der Stadtentwicklung, im Sport und in der Finanzpolitik. Sie sichern im Torfeld Süd ein urbanes, dichtes und qualitativ hochwertiges neues Aarauer Quartier mit vielfältigen Nutzungen für alle Bevölkerungskreise. Sportpolitisch erhalten wir eine Lösung für den Spitzenfussball an einem verkehrsmässig optimalen Ort. Finanzpolitisch ist der Beitrag der Stadt zum Stadion substanziell, dank der Quartierentwicklung und der Bedeutung des Fussballs im Breitensport aber bestens gerechtfertigt.»

«Es wird weiterhin erpresst und gedrängt»

Aargauer Zeitung

Lelia Hunziker, Grossrätin SP und ehemalige Einwohnerratspräsidentin: «2017 wurde der bewilligte Plan A von der Bauherrin freiwillig verworfen und der Plan B entworfen: Aus dem Einkaufszentrum wurden vier Wohnsilos. Das entspricht weder Richtplan noch BNO. Sicherheits-, Verkehrs-, Gestaltungsfragen und die Anliegen der Anwohnerinnen müssten neu geprüft werden. Aber nein, es wird weiter erpresst und gedrängt. Denn: Es gibt viel zu verdienen. Das Projekt entspricht deshalb Zombie-Urbanismus in Reinform: alles für Konsum und Kapital – nichts für Klima und Gesellschaft.»

«Gewinne den Privaten, Kosten der Stadt»

Aargauer Zeitung

Stephan Müller, ehemaliger Einwohnerrat «Jetzt!»: «Private Public Partnership HRS – Stadt Aarau: Die Glaubwürdigkeit ist längst dahin. Zuerst verspricht die HRS sportliche Mantelnutzungen und will dafür ein Einkaufszentrum. Die Stadt kuscht und sagt dazu Ja. 2011 werden die sportlichen Mantelnutzungen liquidiert, 2017 das Einkaufszentrum. Alle Planungen waren unrealistisch. Jetzt will die HRS auf engstem Platz verfehlte Wohntürme zu ihrem Profit bauen; die Stadt kuscht wieder. Die Gewinne den Privaten, die Kosten der Stadt. Die Behörden haben nichts gelernt.»

«Das finanzielle Risiko ist viel zu gross»

Aargauer Zeitung

Barbara Schönberg, Einwohnerrätin CVP: «Das finanzielle Risiko für die Stadt Aarau ist viel zu gross. Das Projekt Torfeld Süd ist nur eine Grobplanung. Viele Fragen sind noch immer offen und laufend kommen neue Veränderungen hinzu. Deshalb: Für allfällige millionenschwere Nachtragskredite und Zusatzkosten im Zusammenhang mit diesen Veränderungen werden wir Steuerzahler aufkommen müssen. So geschehen bei den HRS-Stadionprojekten in Biel und Thun.»

«Warum gibt es keine Ausschreibung?»

Aargauer Zeitung

Albert Rüetschi, Präsident Quartierverein Torfeld Süd: «Das Stadion soll statt 36 neu 60 Millionen Franken kosten (+ 67 %)! Warum? Wie die HRS auf die sagenhaften 60 Millionen kommt, legt sie nicht offen! Weshalb wird keine Ausschreibung gemacht? Erlaubt man der HRS Hochhaus-Wohnsilos, schenkt man ihr Traumrenditen. Davon gibt sie angeblich 29 Millionen an das Stadion ab. Was aber, wenn es weniger teuer wird? Die HRS erzielt mehr Rendite, trägt aber nichts aus eigenen Mitteln bei. Jeder und jede Steuerzahlende muss mindestens 1000 Franken beitragen!»

Die unendliche Geschichte des Aarauer Stadions:

Seit über 30 Jahren ist klar, dass der FC Aarau ein neues Stadion braucht. Was bisher geschah, erfahren Sie in der Bildergalerie.
35 Bilder
1985: Cupsieg und Erkenntnis Der FC Aarau feiert 1985 seinen bisher einzigen Cupsieg. Vier Jahre spielt der FCA schon in der Nationalliga A. Es wird klar: Für die höchste Spielklasse ist das Brügglifeld zu klein.
1994: Erstes Projekt Sie nennen es "Vision 2002": Architekt und Ex-Fc-Aarau-Präsident Ernst Lämmli sowie Bauingenieur und Landbesitzer Peter Zubler wollen in Schafisheim ein Stadion in der Kiesgrube bauen. Für 30 Millionen Franken und 20'000 Zuschauer, inklusive Casino.
2000: Mittellandarena Der Gestaltungsplan Mittellandpark wird erarbeitet. Er umfasst das Stadion «Mittellandarena», ein grosses Shopping-Center und Büros. 2006 soll im 70-Millionen-Franken-Stadion im Torfeld Süd gekickt werden.
2001: "Vision 2002" am Ende Das weit fortgeschrittene Projekt scheitert an der Finanzierung, Zonenvorschriften und dem Widerstand "von ein paar wenigen im Verein", wie Lämmli (rechts) in einem Interview sagt.
2003: Mittellandpark nimmt erste Hürde Der Aarauer Einwohnerrat heisst einen Kredit von 900'000 Franken für die Planung des Mittellandparkes deutlich gut.
2005: Niederlage an der Urne Das Aarauer Stimmvolk lehnt das 25-Millionen-Darlehen der Stadt für den Mittellandpark ab. Eine Umfrage ergibt, dass sich die Ablehnung primär gegen das Einkaufszentrum richtet. Wenig später geben die Initianten auf.
2006: Standort Buchs Neben der Sanierung des Brügglifelds und dem Torfeld Süd (Mittellandpark) kommen zwei neue Varianten aufs Tapet. Beide sehen Standorte in Buchs vor: Lostorf und die Obermatte.
2007: Torfeld Süd setzt sich durch Der Aarauer Einwohnerrat genehmigt im Juni einen Kredit von 1,6 Millionen Franken für ein Stadion mit Mantelnutzung im Torfeld Süd. Die Einkaufsfläche ist gegenüber dem Mittellandpark halbiert. Ebenfalls zur Diskussion steht die Buchser Obermatte. Sie findet lediglich bei einer linken Minderheit Anklang. Das Stimmvolk segnet den Kredit im Herbst ab.
2008: Volk sagt Ja Der Souverän der Stadt Aarau stimmt deutlich für einen Betrag von 17 Millionen Franken für ein neues FCA-Stadion im Torfeld Süd. Bauherrin ist die private HRS AG. Vorbild für das Stadion soll die Neuenburger "Maladière" sein (Bild). Insgesamt kostet das Stadion 36 Millionen Franken.
2009: Einsprachen Gegen Gestaltungsplan und Stadion-Baugesuch gehen 41 Einsprachen ein.
13.5.2010: Abstieg Schock für den FC Aarau: Der "unabsteigbare" Klub muss nach einem 1:4 gegen GC und dem gleichzeitigen Sieg von Bellinzona den Gang in die Challenge League antreten. David Marazzi (Bild) wird von seinen Emotionen überwältigt.
13.6.2010: Erneuter Abstimmungserfolg Die Nutzungsplanung "Torfeld Süd" schafft auch die letzte politische Hürde. In einer Referendumsabstimmung heisst das Volk die Spezialzone mit einer Ja-Mehrheit von 69,5 Prozent gut. Das Stadion könnte jetzt eigentlich gebaut werden. Wenn da nicht die Einsprachen wären.
23.2.2011: Kein Asyl für GC Mitten in die Stadionplanung platzt die Meldung, dass die Grasshoppers mit einem Umzug nach Aarau liebäugeln. Die Miete im Letzigrund ist GC zu hoch. Der FCA ersucht den Stadtrat, den Zürchern Asyl zu gewähren – wegen Synergien im geplanten Stadion. Der Stadrat lehnt das Begehren ab. Grund: Die Zusatzbelastung wäre für das Volk nicht zumutbar. Bild: Aarau's Michele Polverino, links, fällt nach im Zweikampf mit GC's Rolf Feltscher im Brügglifeld.
11.5.2011: Einsprachen abgelehnt Jetzt ist der Aargauer Regierungsrat an der Reihe: Die Kantonsregierung weist die verbliebenen Beschwerden vom Sommer 2009 ab und genehmigt sowohl die Spezialzone Torfeld Süd als auch den Gestaltungsplan. Mehrere Bewohner des Aarauer Gönhard-Quartiers ziehen ihre Beschwerde ans kantonale Verwaltungsgericht weiter.
9.12.2011: HRS muss Projekt erneuern Nach dem Entscheid des Einwohnerrates vom 14. November 2011, auf die Realisierung von polysportiven Mantelnutzungen im Stadionkomplex zu verzichten (zu teuer), muss die HRS das Projekt überarbeiten. Das Baugesuch muss ein zweites Mal aufgelegt werden. Die Grundeigentümerin Mobimo rechnet mit der Inbetriebnahme des Stadions im Jahr 2015.
2012: Stadionprojekt komplett überarbeitet Weil gegen das erste Baugesuch viele Einsprachen eingingen, präsentiert die HRS ein völlig überarbeitetes Projekt (Bild). Es ist der dritte Anlauf für ein Stadion im Torfeld Süd. Gegen das neue Projekt gehen vier Einsprachen ein. Drei werden später nach langen Verhandlungen zurückgezogen.
2013: Aufstieg Erfolg auf dem Rasen: Der FC Aarau steigt nach drei Jahren in der Zweitklassigkeit in die Super League auf.
2014: Durchbruch und neue Sorgen Der FCA jubelt: Der Stadtrat erteilt die lang ersehnte Baubewilligung für das Stadion. Doch neues Ungemach folgt sogleich: Der letzte verbliebene Einsprecher reicht Beschwerde gegen die Baubewilligung ein. Er wird als Stadionverhinderer landesweit bekannt, weil der "Blick" seine Identität teilweise aufdeckt. Er findet das geplante Einkaufszentrum zu gross.
2015: Beschwerde-Marathon 2015 ist das Jahr der Justiz im Fall Torfeld Süd: Der Aargauer Regierungsrat weist die Beschwerde des Anwohners am 21. Januar ab. Er zieht vor Verwaltungsgericht, unterliegt und gelangt ans Bundesgericht. Die Bundesrichter entscheiden vorerst, dass das laufende Verfahren keine aufschiebende Wirkung hat. Trotzdem warten Stadt und die Bauherrin HRS mit dem Baubeginn zu. Auch mit einem Ausstandsbegehren scheitert der Anwohner vor Verwaltungs- und Bundesgericht.
29.5.2015: Abstieg Der FC Aarau steigt in die Challenge League ab. Mit einem 3:2-Sieg gegen den FC Thun verabschiedet sich der Klub in die Zweitklassigkeit. Bild: Sandro Burki (links) und Kollegen applaudieren zum letzten Mal in der Super League.
2016: Machtwort Das Bundesgericht weist die Stadionbeschwerde ab. "Endlich: Das Stadion kann gebaut werden", titelt die Aargauer Zeitung. Heute wissen wir: Es ging noch immer nichts.
1.5.2017: Plan B Wegen den Einsprachen, strengeren Auflagen der Liga und neuen Gesetzen kostet das Stadion nun 20 Millionen Franken mehr. Die HRS präsentiert darum den Plan B: kein Einkaufszentrum, dafür Hochhäuser für Wohnungen, Gewerbe und kleine Läden im Erdgeschoss.
15.11.2017: Stadion-Retter? Erster Auftritt von "meinstadion.ch": Die Initianten um den früheren FCA-Präsidenten Michael Hunziker (Bild Mitte) halten nichts vom Plan B. Sie wollen, dass der ursprüngliche Plan umgesetzt wird, damit die am 18. Mai 2018 ablaufende Baubewilligung nicht verfällt. Um das fehlende Geld aufzutreiben, haben sie unter anderem ein Crowdfunding lanciert. Vier Millionen Franken sollen so zusammenkommen.
26.2.2018: Millionenstrafe gefordert "meinstadion.ch" fordert eine Konventionalstrafe von mindestens 5 Millionen Franken für die HRS, sollte diese ihrer Pflicht, dem Stadionbau, nicht nachkommen. HRS hat ein bewilligtes Stadion-Projekt, will aber statt eines Einkaufszentrums Hochhäuser bauen.
6.3.2018: Plan C HRS und "meinstadion.ch" skizzieren einen Plan C. In einer Mitteilung heisst es: "Eine Zwischenfinanzierung soll es ermöglichen, den Stadionbau vom Vorliegen von rechtskräftigen Baubewilligungen von Hochhäusern zu entkoppeln." Damit könnte mit dem Stadionbau begonnen werden, auch wenn für die Hochhäuser keine Baubewilligung vorliegt. Plan C würde rund 40 Millionen Franken kosten. Und Junioren müssen nicht mehr Kissen auf die Sitzflächen der besseren Plätze im Brügglifeld legen.
21.3.2018: Gemeinsam für Plan B Stadt, Bauherrin HRS, FCA und "meinstadion.ch" geben an einer gemeinsamen Medienkonferenz das Versprechen ab: Wir ziehen jetzt alle am gleichen Strick, am Strick Plan B (Stadion mit Hochhäusern). Darum braucht es eine erneute Abstimmung über die BNO-Revision (Bau- und Nutzungsordnung). Ein Ja ist die Voraussetzung für das neue Stadion. Die Bauherrin HRS unterstützt den FCA ausserdem in den nächsten fünf Jahren mit einer Million Franken, zusätzlich zu den bisher jährlich 70'000 Franken.
Plan B: Das Stadion mit Hochhäusern.
31.8.2018: Neues Baugesuch eingereicht Das Baugesuch des angepassten Projekts für das Stadion liegt auf dem Tisch der Aarauer Verwaltung. Das komplette Gesuch für das angepasste Stadion umfasst 20 Büroschachteln. Der Baubeginn für das Stadion erfolgt erst, wenn für die neben dem Stadion geplanten vier Hochhäuser eine rechtskräftige Baubewilligung vorliegt. Voraussetzung dafür ist, dass das Volk der BNO-Revision zustimmen wird.
7.2.2019: Bundesgericht hebt Urteil auf Das Bundesgericht heisst eine Beschwerde von sechs Personen gegen ein Urteil des Aargauer Verwaltungsgericht gut. Dieses hatte eine fristgerechte Eingabe der Beschwerdeführer nicht berücksichtigt. Es hatte den Fehler selbst bemerkt und vor Bundesgericht beantragt, dass die Beschwerde gutgeheissen wird.
3.5.2019: Stadion-Gegner blitzen beim Aargauer Verwaltungsgericht ab Das Aargauer Verwaltungsgericht weist drei Beschwerden zur Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) ab. Darunter auch jene, die es zum zweiten Mal bearbeiten musste, weil es beim ersten Mal das rechtliche Gehör der Beschwerdeführer verletzt hatte. Das Bundesgericht hatte das Urteil darum aufgehoben. Das Stadion geht frühestens in der Saison 2022/2023 in Betrieb.
16.8.2019: Politiker aus dem links-grünen, vereinzelt auch aus dem bürgerlichen Lager lancieren überraschend eine Volksinitiative für einen neuen Stadion-Standort – die Buchser Obermatte kommt wieder ins Gespräch.
26.8.2019: Der Aarauer Einwohnerrat heisst die Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung und den 17-Millionen-Kredit gut. Damit steht der Volksabstimmung im November 2019 nichts mehr im Weg. Im Bild: FDP-Fraktionschef Yannick Berner im FCA-Dress.
24.11.2019: Die Stadt Aarau sagt zu beiden Abstimmungen bezüglich Stadion im Torfeld Süd mit 61 Prozent Ja. Die Auflage der Baugesuche für Stadion, Hochhäuser und Zwischenbau ist frühestens nach den Sommerferien 2020 realistisch.
5.6.2020: Die Auflage des Baugesuches verzögert sich, das Verfahren ist anspruchsvoll und der Druck der Stadion-Gegner weiterhin gross. Es könnte darum sein, dass das Aarauer Stadion erst 2028 steht.

Seit über 30 Jahren ist klar, dass der FC Aarau ein neues Stadion braucht. Was bisher geschah, erfahren Sie in der Bildergalerie.

zvg/nightnurse images, Montage: AZ

Vier Hochhäuser sollen Stadion querfinanzieren

«Zwei Mal Ja am 24. November 2019 – nicht 2037.» Das sagt Aaraus Meistertrainer Rolf Fringer (er holte 1993 den Titel) in einem Abstimmungsvideo des Vereins «Aarau United». Fringer kennt die gesamte Leidensgeschichte des
Aarauer Stadions: Vom in den Neunzigerjahren des letzten Jahrtausends lancierten Projekt in einer Kiesgrube in Schafisheim («Vision 2002» von Ernst Lämmli) über die «MittellandArena» in Aarau (vom Volk beerdigt im Herbst 2005) über den gescheiterten «Plan A» (mit Einkaufszentrum) bis hin zum jetzt zur Diskussion stehenden Stadionprojekt mit vier Hochhäusern.

Am 24. November stimmen die Aarauer über zwei Vorlagen ab, die kantonsweit von Bedeutung sind: Einerseits über die «Teiländerung Nutzungsplanung Torfeld Süd, Stadion 2017» und andererseits über einen städtischen 17-Millionen-Kredit.
Das Aarauer Stadion (8000 Sitz- und 2000 Stehplätze) soll auf eine zwischenzeitlich abgeräumte Industriebrache südlich der Eisenbahnlinie Zürich–Bern zu stehen kommen. Sein Vorbild ist die «Stockhorn»-Arena in Thun (dort aber noch mit Querfinanzierung über ein Einkaufszentrum).

Bauherrin ist das Totalunternehmen HRS, das in Aarau die gesamte Landfläche besitzt und die Projektierung weitestgehend selber finanziert hat. Die HRS beziffert die Kosten des Stadions mittlerweile auf 60 Millionen Franken (der gesamte Komplex kostet 450 Millionen). Davon sollen 31 Millionen Franken über vier Hochhäuser querfinanziert werden. Mit der «Teiländerung Nutzungsplanung Torfeld Süd» wird die Möglichkeit geschaffen, damit die HRS die Liegenschaft stärker nutzen respektive höher bauen kann – was Voraussetzung für die Querfinanzierung ist.

Die vier Hochhäuser sollen zwischen 58 und 75 Meter hoch werden. Im neuen Quartier könnten 1000 bis 1200 Personen wohnen. Der genaue Wohnungsmix ist noch nicht festgelegt. Klar ist gemäss dem Gestaltungsplan-Entwurf, dass 20 Prozent gemeinnützig sein müssen. Angedacht ist, dass die Aarauer Ortsbürger die Hälfte des kleinsten Turms übernehmen. Zu Kosten in der Grössenordnung von 35 Millionen Franken.

Von den 29 Millionen Franken, die die öffentliche Hand und der FC Aarau ans Stadion beisteuern sollen, werden 17 Millionen Franken von der Einwohnergemeinde Aarau kommen (sie stehen jetzt zur Abstimmung). Die Ortsbürger und der Kanton (Swisslos-Fonds) werden je 6 Millionen Franken zahlen. (uhg)