Mobilfunktechnologie
Das 5G-Netz kommt – was halten die Menschen in Aarau davon?

Die Schweiz ist eines der ersten Länder weltweit, welches die neue Technologie bereits in Betrieb genommen hat. Die Meinungen sind gespalten – auch in Aarau.

Mojan Salehipour
Merken
Drucken
Teilen

Ab Donnerstag kann man bei Sunrise die ersten 5G-Handys in der Schweiz kaufen. In 150 Städten und Ortschaften im Land nutzen Smartphone-Nutzer die Technologie bereits. Bis Ende des Jahres plant die Swisscom, über 90 Prozent der Schweiz mit der neuen Mobilfunkgeneration abzudecken.

Die Einführung der «5. Generation» des Mobilfunkstandards, dem Nachfolger von 3G und 4G, ist mit Hoffnungen, aber auch mit Bedenken verbunden. Das zeigt eine Umfrage der AZ bei Menschen in Aarau, am Bahnhof und in der Altstadt. Die Meinungen sind gespalten.

Einigen Befragten ist es wichtig, mit der Zeit zu gehen und im weltweiten Vergleich technologisch nicht hinterher zu hinken: «Ich finde es wichtig, dass man auch in der Schweiz den Anschluss nicht verliert», sagt ein Befragter.

Ähnlich äussert sich ein anderer: «Die anderen Länder bleiben ja auch nicht stehen und versuchen immer das Neuste zu haben und innovativ zu bleiben.» Doch ob das 5G-Netz für den privaten Smartphone-Nutzer tatsächlich einen entscheidenden Unterschied macht? Dieser Frage steht er skeptisch gegenüber: «Ob ich jetzt merke, ob ich 4G- oder 5G-Internet habe, da bin ich mir nicht ganz sicher.»

Wie viel bringt 5G?

Überhaupt scheinen viele Smartphone-Nutzer mit dem 4G-Netz recht zufrieden zu sein. Ihnen reiche die Geschwindigkeit beim Surfen. Sie können sich nicht vorstellen, dass das 5G-Netz eine derart grossartige Veränderung mit sich bringt und ob der Aufwand sich denn lohnt. Eine Befragte findet es gar «unnötig». Ein anderer stellt die Frage in den Raum, ob das Geld, das für die Aufrüstung ausgegeben wird, nicht lieber in andere Bereiche investiert werden könnte?

Eine Befragte schaut dem 5G-Netz wesentlich optimistischer entgegen: Sie habe deswegen «eigentlich keine Bedenken». Sie sieht die Entwicklung hingegen «als einen weiteren notwendigen Schritt«. Im technischen Fortschritt sieht sie eine Möglichkeit, um Herausforderungen zu bewältigen.

Fake-Video irritiert

Obwohl die meisten Befragten eine Meinung zum Thema haben, räumen viele ein, dass sie die Informationslage zur brandneuen Technologie nicht als genügend wahrnehmen. Der Grundtenor deutet darauf hin, dass sie sich mehr Informationen von unabhängigen Stellen wünschen. Vor allem zweifeln sie die Qualität und die Unabhängigkeit der Informationen an. Eine Befragte erzählt von einem Video, das kürzlich im Umlauf war und gegen die neue Technologie Stimmung gemacht hat. Es habe sich als Fake-Video herausgestellt. «Darum bräuchte ich schon mehr Informationen, um mir eine Meinung bilden zu können», sagt sie weiter.

In der Pflicht sieht ein Befragter nicht nur die Betreiber, sondern «auch das Bundesamt für Gesundheit». In Bezug auf das 5G-Netz scheint die meisten Befragten vor allem die Neuheit der Technologie und das Fehlen von Langzeitstudien zu verunsichern.

Einige der Befragten scheinen sich nicht nur über die gesundheitlichen Folgen Gedanken zu machen, sondern auch über die gesellschaftlichen: «Was sich die jungen Leute vielleicht nicht überlegen, wenn alles immer schneller geht, ist, dass sie als Mensch auch immer schneller reagieren und schneller arbeiten müssen.»

Einem Mann, der kein Handy besitzt, ist das egal, wenn sich die Smartphone-Besitzer «terrorisieren lassen wollen», er nutzt das Internet nur zu Hause. Damit bleibt er zumindest in der Befragung ein Einzelfall. Auf das Smartphone scheint fast niemand mehr verzichten zu wollen. Der Einfluss des neuen Netzes wird die Menschen wohl noch eine Weile beschäftigen. «Die Zukunft wirds uns sagen.»