Aarau
«Comics sind nicht immer komisch. Sie zeigen das reale Leben»

Seit 20 Jahren finden Comicliebhaber in Kari’s Comicshop alles, was das Herz begehrt. Damals wurde Inhaber Dieter Ammann für seine Comic-Leidenschaft noch belächelt. «Such dir doch ein richtiges Hobby», rieten ihm seine Freunde.

Sebastian Wendel
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«Ich mache jeden Comic-Muffel zum Fan.» Man glaubt Dieter «Kari» Ammann die gewagte Aussage sofort. Flink wie ein Wiesel eilt er durch seinen vollgestopften Laden, zieht drei Bände aus dem Regal und legt sie auf die Theke. «Sie lesen gern historische Romane? Dann schauen Sie sich mal an, wie schonungslos dieser Zeichner das brutale Leben der alten Römer darstellt.» Er finde für jeden das Passende, denn Comics bieten eine Vielfalt wie kaum ein anderes Medium. «Comics sind keineswegs immer komisch. Sie zeigen das reale Leben.»

Vor 20 Jahren wurde «Kari» für seine Comic-Leidenschaft noch belächelt. «Such dir doch ein richtiges Hobby», habe man ihm geraten. Er blieb dabei und eröffnete mit zwei «Seelenverwandten» an der Pelzgasse den ersten und bis heute einzigen Comicshop zwischen Zürich und Bern. Dass ihn die Konkurrenz dennoch ernst nahm, beweist folgende Anekdote: Die Buchhandlung Meissner hängte noch zwei Wochen vor Türöffnung ein riesiges Plakat mit der Aufschrift «Wir haben auch Comics» in ihr Schaufenster. «Heute führe ich mit den ‹Grossen› ein freundschaftliches Verhältnis», sagt «Kari». Über 60 Bibliotheken besorgen sich bei ihm die neuesten Erscheinungen.

Keine Ladenhüter

Das Interesse an der «sequenziellen Kunst» (Wikipedia) nahm im Laufe der 90er-Jahre stetig zu und so wurden die 20 Quadratmeter Ladenfläche an der Pelzgasse bald einmal zu klein. 1998 zog Kari’s Comicshop an die Bahnhofsstrasse ins Postgebäude. Auch hier ist inzwischen jede Nische besetzt. Neben all den Buchbändern türmen sich T-Shirts, Geschirr, Portemonnaies, Pins, Poster, Süssigkeiten, Schlüsselanhänger, Fahnen, Badetücher und sogar Kondome. Vertreter etlicher Herstellerfirmen rennen ihm den Laden ein. «Die Kunden kaufen alles, Ladenhüter habe ich keine», sagt «Kari».

Er staune manchmal selber, für welchen «Schmarrn» sich die Menschen begeistern können. Die Wünsche der Kunden seien ganz verschieden und hätten sich in den 20 Jahren nicht verändert. Die einen fragen nach einem ganz bestimmten Band, der ihnen in der Sammlung noch fehlt. Solche Unikate gibt es im Laden zuhauf. «Es gibt Fanatiker, die reisen aus Deutschland oder Frankreich hierhin und flehen mich an, ich sei ihre letzte Hoffnung.» Andere sind auf der Suche nach einem Gag für die nächste Geburtstagsparty. Eine ältere Dame aus Basel, erzählt «Kari», komme jedes Mal, wenn sie in Aarau beim Arzt ist, zu ihm und kaufe irgendetwas. «Solche Stammkunden habe ich viele.»

Sein ganzer Stolz sind die vier mannshohen Skulpturen, die dem Besucher beim Eintreten direkt ins Auge stechen. Mit dem Gabelstapler wurden die zwei Dinosaurier, Spiderman und Hulk unter die Decke gehievt. Wer bezahlt denn für so etwas? «Einen Spiderman habe ich direkt nach Erhalt verkauft. Wer mir 5000 Franken für den Hulk in die Hand drückt, kann diesen mit dem Lieferwagen abholen», sagt «Kari», der das Geschäft mittlerweile alleine führt, vier Angestellte hat und zudem 60 Prozent als Kleiderverkäufer arbeitet.

Lust ist noch da

Solange er noch Lust habe und verrückt nach Comics sei, werde er den Shop noch weiterführen. «Wie meine Kunden, werde auch ich älter», lacht der Vater von vier Kindern. Zurückblickend gibt er zu, vor allem in den Anfangszeiten «viel Lehrgeld bezahlt zu haben. Aber wo ist schon ein Meister vom Himmel gefallen»?

Heute ab 10 Uhr feiert Kari’s Comicshop mit einem Apéro und vielen kleinen Überraschungen den 20. Geburtstag. Zu Gast sind die Star Wars Troopers, eine Imitatorengruppe des berühmten gleichnamigen Films.

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