Zwei az-Reporterinnen haben alles getan, was man sonst noch am schönsten Vorabend des Jahres getan haben muss – und erfahren, was in Sachen Gemütslage zum Vorabend dazugehört: von der ungetrübten Festlaune über die Wiedersehens-Freude bis hin zum Panik-Moment in der Masse.

Ein Schnelldurchlauf

Es gibt nur einen Maienzug-Vorabend pro Jahr. Und der ist meist schneller vorbei, als einem lieb ist. Zudem sitzt das schlechte Gefühl im Nacken, dass jede Stunde am Vorabend uns am Maienzugmorgen schlechter aussehen lässt. Die Zeit ist kostbar. Wir haben uns deshalb gut vorbereitet, um all das zu tun, was zu einem richtigen Zapfenstreich gehört.

Zum Auftakt die Kanonenschüsse auf der Zinne: Einer verteilt Ohrstöpsel, er weiss, warum. Die Kanonen sind gen Schachen gerichtet, die Mannen und eine Frau des Artillerievereins stopfen das Schwarzpulver. Es knallt gewaltig. 23 Mal, für jeden Kanton ein Mal. Wer ein Bier in der Hand hält, stellt es besser kurz ab. Nach den ersten beiden Schüssen ruft einer in die Menge: «Der Kühlturm steht ja immer noch!»

Dann bald ein Wiedersehen: Es gilt, die Augen offen zu halten, um mindestens ein altes Schulgspändli wieder zu sehen und festzustellen: «Aha, auch älter geworden.» Wir treffen ein paar, manchmal guckt man auch gerne zur Seite. Meist bleibt auch kaum mehr Zeit als für ein kurzes Hallo, dann schieben sich die Kolonnen im Gedränge der Altstadtgassen aneinander vorbei.

Wir hören den Standard-Kommentar: «Der einst kleine, feine Zapfenstreich ist zum Mega-Event mit Hunderten Auswärtigen geworden.» Ebenfalls ein gutes Gesprächsthema: die Wetterprognosen – daran gab es an diesem Vorabend nun wirklich nichts zu mäkeln.

Das Weinfassrollen: Ein «Must». Auch wenn die Feuerwehr Aarau als Favorit ins Rennen geht und tatsächlich zum achten Mal in Folge gewinnt – vor der «Distelbergalp» und den «Männern aus Rohr».

Nächster Programmpunkt: das Portemonnaie auffüllen. Kurz vor 21 Uhr braucht das Geduld – die Schlange vor dem Geldautomaten ist lang.

Die Panik: Im Verlaufe des Abends stellt man zwangsläufig und mit Schrecken fest, dass mindestens einen Punkt auf der Vorbereitungsliste für den Maienzug vergessen ging: Hemd, Hose oder Kleid bügeln, Strumpfhosen auf Laufmaschen prüfen, Blumen ins Wasser und die Granaten in den Kühlschrank stellen, Beine rasieren, Lackschuhe schmieren.

Zweitletzte Tat: Wir machen ab, wer am Maienzugbankett wie viele Plätze auf der Schanz zu reservieren hat. Und wer nimmt die Sonnencreme mit?
Letzter Punkt: Nach Hause gehen, Kopfwehtabletten bereitlegen und Wecker stellen.