Aarburg
Aarburger Chinderhuus kämpft ums Überleben

Die Gemeinde Aarburg lässt trotz beschlossener finanzieller Beiträge das Chinderhuus im Stich. «Wir haben die Strategie geändert, die Krippe muss selbsttragend sein», sagt Michael Meier, Gemeinderat in Aarburg.

Raphael Nadler
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Im Chinderhuus in Aarburg werden täglich 43 Kinder von Aarburger Eltern betreut. Viele der Eltern können sich keine teuren Krippenplätze leisten

Im Chinderhuus in Aarburg werden täglich 43 Kinder von Aarburger Eltern betreut. Viele der Eltern können sich keine teuren Krippenplätze leisten

Raphael Nadler

«Das Chinderhuus in Aarburg kämpft ums Überleben und wartet weiterhin auf die von der Gemeinde versprochenen Gelder in sechsstelliger Höhe», sagt Elisabeth Widmer, Vorstandsmitglied des Vereins KITA Chinderhuus Aarburg.

Die Trägerschaft der Kinderkrippe ist nämlich weiterhin der Ansicht, dass ihr Geld zusteht, auch wenn der Gemeinderat kürzlich anders entschieden hat.

Rückblick: Im November 2010 beantragte der Gemeinderat im Budget 150 000 Franken für eine qualitativ gute Kindertagesstätte. Der Souverän hiess das Budget gut.

«Passiert ist gar nichts, es wurde kein einziger Franken ausbezahlt», sagt Elisabeth Widmer weiter. «Auch nicht an eine andere Kinderkrippe in der Gemeinde.»

Das bestätigten auch die Gemeindeverantwortlichen von Aarburg an der darauffolgenden Rechnungsgmeind. In der Zwischenzeit lässt der Gemeinderat bei der Stiftung Wendepunkt den Betrieb einer Kindertagesstätte offerieren.

Dies, obwohl die Organisation Wendepunkt in Aarburg weder über ein Lokal, noch die nötige Infrastruktur und schon gar nicht über das nötige Personal verfügt.

Im Gegensatz zum Chinderhuus, das es schon seit über 20 Jahren gibt. Im Februar 2011 informiert der Gemeinderat offiziell, dass er jährlich 80 000 Franken zu zahlen gewillt ist.

Aber nur an die Kindertagesstätte der Stiftung Wendepunkt. «Das zeigt doch klar auf, dass auch andere Betreiber einer
KITA in Aarburg auf Unterstützungsbeiträge angewiesen sind», sagt Elisabeth Widmer vom Verein Chinderhuus Aarburg weiter.

Strategiewechsel der Gemeinde

Im Gemeinderat von Aarburg sieht man die Sache etwas anders. Der zuständige Gemeinderat Michael Meier (SVP) gibt zwar zu: «Es wurde Geld für eine Kindertagesstätte gesprochen.»

Der Rat sei aber später zur Meinung gelangt, so Meier weiter, die öffentliche Hand sei rechtlich nicht verpflichtet, das privat geführte Chinderhuus zu subventionieren.

«Wir haben die Strategie gewechselt. Die Krippe muss selbsttragend sein, dann kann sie ohne Subventionen arbeiten.»

Auf die Frage, warum das budgetierte und vom Souverän bewilligte Geld für die Kinderkrippe nie ausbezahlt worden ist, sagt er nur: «Das war vor meiner Zeit im Gemeinderat.»

Meier nimmt Schliessung in Kauf

Auf eine mögliche Schliessung des Chinderhuus aus finanziellen Gründen angesprochen, sagt Gemeinderat Michael Meier: «Ich wünsche mir nicht, dass das Chinderhuus schliessen muss, aber das Risiko besteht.»

Es sei halt nicht Aufgabe der Gemeinde, eine private Kinderkippe zu tragen, betont er weiter. «Wenn Eltern die Beiträge für die Krippe nicht mehr bezahlen können, besteht für sie die Möglichkeit, Sozialhilfe zu beantragen.»

Solche Sätze machen Elisabeth Widmer rasend: «Der Gemeinderat von Aarburg verkennt die Notwendigkeit einer Kindertagesstätte, wenn er trotz Eingabe ins Budget und beschlossenen 80 000 Franken seine Entscheide widerruft.»

Die Leitung des Chinderhuus hat bereits im Jahre 2010 teures Fachpersonal angestellt im Wissen, nur so die von der Gemeinde geforderte Qualität zu erlangen.

Weil bis heute noch keine Unterstützung an die KITA erfolgte, können die Auflagen nicht ganz erfüllt werden. Es fehlt einerseits noch eine Fachperson, andererseits ist der Betrieb finanziell an seine Grenzen gestossen. Die Zukunft des Chinderhuus Aarburg ist ungewiss.