Aarau

Aarauer Stadion-Gegner: «Ich habe keine Angst – aber es ist ungemütlich»

Das Stadion in der Umgebung Torfeld-Süd

Das Stadion in der Umgebung Torfeld-Süd

Mit einer Beschwerde verzögert ein Mann das Projekt für das neue Aarauer Fussballstadion. Nach einem Artikel im «Blick» ist es vorbei mit seiner Anonymität. Und trotzdem will er nicht aufgeben, wie er nun sagt.

Eine einzige Beschwerde gegen die Baubewilligung für das Fussballstadion im Torfeld Süd ist eingereicht. Das war Anfang Juli, knapp vor Ablauf der Beschwerdefrist. Die Fussballfans reagierten zornig.

Und nachdem der «Blick» am 20. August den Beschwerdeführer als «Totengräber des FC Aarau» betitelt und mit Angaben zur Person quasi enttarnt hatte, folgten sofort Reaktionen. «Ich bekam Telefonanrufe, Leute tauchten vor dem Haus auf und fotografierten es. Einer zeigte mir den Drohfinger», sagt der Einsprecher gegenüber der az.

Wie die «SonntagsZeitung» berichtete, hat der Stadion-Gegner Anzeige gegen den «Blick» erstattet. Die betroffenen Journalisten werden laut Kapo vorgeladen. «Ich akzeptiere nicht, dass ich für die Ausübung eines Bürgerrechts als Verbrecher hingestellt werde», sagte der Beschwerdeführer der «SonntagsZeitung», der weiterhin nicht mit Namen hinstehen und öffentlich in der Stadion-Debatte auftreten will.

«Ich verstehe den Ärger, aber das geht allen so, die bauen»

Der Beschwerdeführer will aber trotz der Enttarnung standfest bleiben. Gegenüber der az sagt er: «Ich habe mich zur Beschwerde beschlossen, also mache ich es.» Dies auch, wenn er der einzige verbleibende Gegner ist. Die übrigen Einsprecher haben nach langen Verhandlungen gegen das Stadion-Baugesuch die im Juni erteilte Baubewilligung nicht mehr angefochten.

Es geht dem Beschwerdeführer um das geplante Einkaufszentrum im Mantel des Stadions, das er zu gross findet, nicht um das Stadion an sich. Auch gegen die neue Wohnüberbauung im Torfeld Süd wehrt er sich nicht.

«Das sind Wohnungen, die man brauchen kann», sagt er und zeigt auch Verständnis für die Fussballfans. «Ich verstehe den Ärger. Aber das geht allen so, die etwas bauen wollen.» Die Einsprache sei sein Recht, und dass er nun deswegen belästigt werde, sei nicht richtig. «Angst habe ich nicht, aber es ist ungemütlich.»

Man wisse ja nie, wie sich das Ganze noch steigere. Seine Sorge ist nicht unbegründet: Vor Jahren war sein Transparent gegen das geplante Stadion an seinem Haus angezündet worden.

Inzwischen hat sich jedenfalls auch die Polizei gemeldet und versprochen, Patrouillen bei seinem Haus vorbeizuschicken. Der Beschwerdeführer sagt, er hoffe, die Sache werde sich beruhigen.

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