Aarau
65 Einsprachen bei der Keba: So argumentieren die Gegner

Das Lärmgutachten stimme nicht, der FC Aarau halte sich nicht an die Regeln, die Platzgenossenschaft komme ihnen nicht entgegen – das sagen die Einsprecher.

Nadja Rohner
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Der FC Aarau trainiert direkt neben den Wohnliegenschaften (Foto vom 12. Juni 2018).

Der FC Aarau trainiert direkt neben den Wohnliegenschaften (Foto vom 12. Juni 2018).

Foto: Claudio Thoma / Aargauer Z

Die «Schweiz am Wochenende» hat mit Einsprechern gesprochen. Öffentlich äussern wollen sie sich nicht – in den frühen Phasen des Keba-Debakels wurden Anwohner, die sich als Gegner zu erkennen gaben, massiv bedroht. Oft hören sie von Aussenstehenden: «Die Sportanlagen waren vor euch da.» Das stimme zwar, sagen die Anwohner, die Probleme und Emissionen hätten aber massiv zugenommen. Sie sind offen gegenüber einer Lösungsfindung, sagen aber: «Wir wollen, dass nicht nur die Bedürfnisse der Fussballer in die Gleichung einfliessen, sondern auch die der Anwohner.»

Tiefes Misstrauen

Zwar scheinen sich die Wogen geglättet zu haben, seit der Suhrer Gemeinderat Thomas Baumann das Dossier «Keba/ Brügglifeld» übernommen hat und die «Reizfigur» – alt Gemeindepräsident Beat Rüetschi – weg ist. Dennoch ist immer noch ein tiefes Misstrauen zwischen den Einsprechern einerseits und dem FC sowie den Behörden («vor allem jenen der Stadt Aarau») andererseits spürbar. «Uns halten sie für Querulanten – und wir haben zu viele Halbwahrheiten gehört, um ihnen zu vertrauen», sagt ein Einsprecher.

So würden Massnahmen – das erzählen die Einsprecher – mit angeblichen Vorschriften durch die Swiss Football League begründet. Etwa, was die Intensität der Rasenpflege angeht. Sie hätten selber bei der Liga angefragt, und dort habe man von diesen Vorschriften nichts gewusst. Oder dann sei der Zaun um eines der Spielfelder viel höher gebaut worden als bewilligt, weil der Projektleiter die Baugenehmigung nicht hinreichend überprüft habe – und dann habe man «aus Gründen der Verhältnismässigkeit» den höheren Zaun stehen lassen.

Grundsätzlich stört die Anwohner vor allem der Lärm. Einerseits der von der Keba: Hockeyspiele oder Musik auf dem Ausseneisfeld (was drinnen passiert, hört man kaum). Genannt wird auch die grosse Lüftung des Kühlturms, die ab Mitte August die Keba für den vorsaisonalen Betrieb herunterkühlt und «entgegen früherer Zusicherungen laut Lärmgutachten die gesetzlich zulässigen Emissionswerte deutlich überschreitet».

Was die Fussball-Trainingsplätze angeht, so stören sich die Anwohner primär am Einsatz der in die Jahre gekommenen Maschinen mit Verbrennungsmotoren für die Rasenpflege (bewässern, vertikutieren, mähen), die rund acht Stunden pro Tag im Einsatz seien. Im Lärmgutachten wird festgehalten, dass diese deutlich lauter als 100 dB sind. Sie fordern als Ersatz leise Rasenmäherroboter oder wenigstens elektrobetriebene Traktoren, wie sie bei anderen Klubs zum Einsatz kämen. Dieser Ersatz ist in der Übergangs-Betriebsbewilligung festgehalten worden, werde aber von den Betreibern mit vorgeschobenen Begründungen verweigert. Ein Thema ist auch die Bewässerungsanlage mit Impulsmechanismus, der als störend empfunden wird.

Arroganz des FC Aarau

Und: Der FC Aarau habe nicht nur sehr laut schreiende Trainer, sondern halte sich auch nicht immer an die vereinbarten Trainingszeiten. Wenn man die Verantwortlichen direkt vor Ort darauf anspreche, geschehe nichts – nach dem Motto: «Was wollt ihr denn dagegen tun?» Diese Arroganz der FCA-Verantwortlichen, so ein Einsprecher, vergifte das Klima.Ausserdem seien die Lautsprecher bei Matches im Brügglifeld zu laut, der Lärm halte jeweils bis 22.30 Uhr an. «Laut Gesetz sollten Lautsprecheranlagen in Stadien primär auf die Tribüne ausgerichtet sein – im Brügglifeld hingegen ist das Gegenteil der Fall, sodass Musik und Ansagen primär im angrenzenden Wohnquartier ankommen.»

Fehlerhaftes Lärmgutachten?

Auch am neuen Lärmgutachten zweifeln einige Einsprecher. Etwa, weil die Messungen an einem Spiel gemacht wurden, bei dem laut Einsprecher nur etwa 800 Zuschauer zugegen gewesen seien. Den gemessenen Lärm habe man aber 2000 Zuschauern zugeschrieben, weil alle verkauften Saisonkarten mitgezählt worden seien. So stimme die Hochrechnung auf den Lärm, der ein vollbesetztes Stadion mache, nicht. (Anm. der Redaktion: Dass es nur 800 Zuschauer waren, ist unwahrscheinlich. 2017 lag der Minus-Rekord bei 1500, ohne dass die abwesenden Saisonabo-Inhaber mitgezählt worden wären.)

Gemäss Einsprechern sind auch andere Lärmquellen nicht, respektive mit zu niedrigen Dezibel-Werten oder zu geringen Zeiträumen berücksichtigt worden. Es fällt der Ausdruck «Gefälligkeitsgutachten». Die Einsprecher fordern deshalb eine Korrektur des Gutachtens, damit sie es als objektive Grundlage akzeptieren können.

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