BVK-Prozess

Hauptangeklagter Daniel Gloor: Vom Anlagechef zum Zeitungsverträger

Daniel Gloor, Hauptangeklagter im BVK-Prozess, verlässt das Bezirksgericht.

Daniel Gloor, Hauptangeklagter im BVK-Prozess, verlässt das Bezirksgericht.

Am Bezirksgericht läuft der BVK-Prozess um den Hauptangeklagten Daniel Gloor. Wie tritt der Mann vor Gericht auf, der im Zentrum des grössten Zürcher Korruptionsskandals steht? Der 57-jährige Daniel Gloor wirkte gereizt und mit den Nerven am Ende.

Der ehemalige Anlagechef der zweitgrössten Pensionskasse der Schweiz ist tief gefallen. Während 15 Jahren konnte er in der BVK, der Vorsorgeeinrichtung der Angestellten des Kantons Zürich, schalten und walten. Er dominierte fachlich und prägte die Anlagepolitik der Kasse. Auf die Finger schaute ihm niemand.

Die allzu lange Leine machte ihn anfällig für Machtmissbrauch. Gloor vergab Mandate und liess sich dafür Millionen bezahlen und nahm Geschenke an. Heute arbeitet der einst einflussreiche Mann als Zeitungsverträger und verdient 400 Franken monatlich.

Als Anlagechef kam er auf ein reguläres Salär von 230 000 Franken. Mit Zusatzaufträgen brachte er es in den besten Zeiten auf 375 000 Franken.

3000 Franken Miete monatlich

Die Korruption flog erst 2010 auf. Am 26.Mai verhaftete ihn die Polizei. Nach der Untersuchungshaft bezog er Arbeitslosengeld von monatlich rund 8000 Franken, wurde aber Mitte Juni 2011 ausgesteuert.

Nach seiner fristlosen Entlassung bei der BVK erwarb Gloor ein Diplom als Sachbearbeiter für Sozialversicherungen. Jetzt ist er auf Jobsuche. Bis Ende Oktober könne er von seinen Ersparnissen leben. Monatlich stottert er Steuerschulden von 1300 Franken ab.

Für die Miete seines Hauses in Uster zahlt er monatlich 3000 Franken. Er wolle nicht umziehen, um seine beiden Söhne nicht aus der gewohnten Umgebung zu reissen, sagte er vor Gericht.

Aufgewachsen im Kongo

Gloor wuchs im Kongo auf, wo sein Vater als Tierarzt arbeitete. Er ist verheiratet mit einer Peruanerin. Sie könne die Rolle als Ernährerin nicht übernehmen, da ihre letzte Tätigkeit als Laborantin 13 Jahre zurückliege, sagte er am Rande der Verhandlung.

«Das Schlimmste sind die Existenzsorgen», fügte er hinzu. Ganz am Ende ist er finanziell nicht. Er besitzt ein Haus in der Provence, für das er einen Käufer sucht.

Schlecht ist Gloor zu sprechen auf einige seiner ehemaligen Vorgesetzten: «Ich hoffe, dass die verantwortlichen Politiker auch noch drankommen.» Vor dem Richter gab er seine Taten im Grossen und Ganzen zu. Einzelnes bestreitet er.

Golfferien in Marokko, Irland und Mallorca

Es stimme, dass er sich bei der Mandatsvergabe nicht an die heute üblichen Regeln gehalten habe, meinte er, rechtfertigte seine Praktiken aber mit profunden Branchenkenntnissen. Ausserdem habe er Rücksicht auf in Not geratene Geschäftsfreunde genommen.

Einige bestachen ihn mit Golfferien in Marokko, Irland und Mallorca. Die Kontakte seien abgebrochen. Richtig sauer ist Gloor auf R. H., der ihn auch bestach, aber am Ende enttarnte. Dieser Mann kaufe gezielt Leute und habe eine lose Zunge, sagte Gloor.

Richter mahnt zur Sachlichkeit

Dann wurde er sarkastisch: «Ich danke ihm, dass er meine Existenz zerstört hat.» Einmal ermahnte ihn der Richter, sachlich Auskunft zu geben, statt sich «so zu enervieren».

Gloor entschuldigte sich und enervierte sich erneut: «Ich lasse mir doch nicht unterstellen, dass ich wie ein kleiner Dieb oder ein Schulbub etwas aus dem Text streichen wollte.» Das Gericht hatte ihn damit konfrontiert, dass in einem Bericht an die Finanzkontrolle ein wichtiger Satz fehlte, der in einem andern Dokument noch enthalten war.

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