Exakt 101 Sekunden blieben noch zu spielen in der Partie zwischen Unihockey Limmattal und den Rheintal Gators Widnau, als Dario Küng für den wohl emotionalsten Moment an diesem Sonntagabend in der Zentrumshalle Urdorf sorgte. Mit einem wuchtigen Schuss traf er zum 6:7 aus Limmattaler Sicht, die grosse Mehrheit der rund 100 Zuschauer jubelte, als hätte Küng soeben den Siegtreffer erzielt. Noch ein Tor, dann hätten sich die Limmattaler zumindest in die Verlängerung gerettet.

Als dann Roger Metzler von den Gators auch noch eine Zwei-Minuten-Strafe aufgebrummt wurde, riskierten die Limmattaler alles. Goalie Jonas Wittwer wurde durch einen sechsten Feldspieler ersetzt, die Limmattaler konnten nun in doppelter Überzahl agieren. Das Risiko zahlte sich jedoch nicht aus. Eine halbe Minute vor Schluss konnte Martin Ostransky entwischen und traf ins leere Tor zum 8:6 – die Entscheidung.

Die Aufholjagd

«Im Moment schmerzt die Niederlage», gab Limmattal-Trainer Michael Hunziker zu. «Aber die Moral stimmt.» Damit sprach Hunziker vor allem das Schlussdrittel an. Mit 2:6 lagen seine Schützlinge 17 Minuten vor dem Ende der Partie hinten – ein scheinbar hoffnungsloser Rückstand, zumal sie kurz darauf auch noch in Unterzahl spielen mussten: Behar Spahija war auf die Strafbank geschickt worden.

Doch die Limmattaler gaben nicht auf. Nach überstandener Unterzahlphase spielten sie forsch auf und brachten die Gäste damit in Schwierigkeiten. Nach etwas mehr als 47 Minuten dann der Lohn für die Limmattaler und ihre Angriffsbemühungen: Dario Küng erzielte das 3:6. Dann mussten in dieser zeitweise hitzigen Partie mit Sandro Meile und Joel Untersander gleich zwei Gators für zwei Minuten raus.

Nicolas Gitonga nutzte die doppelte Überzahl zum 4:6 und damit zu seinem zweiten Tor an diesem Abend. Und nur eine Minute nach Gitongas Treffer kam Küng mit einem sehenswerten Schuss zu seinem nächsten Tor: nur noch 5:6 aus Sicht der Limmattaler. Die Gäste nahmen ein Timeout – wohl genau im richtigen Moment. Denn wenig später erzielte Untersander das siebte Tor für die Gators und legte damit den Grundstein für den Auswärtssieg. Ein Erfolg, den die Limmattaler wohl mit etwas mehr Effizienz im Abschluss zunichtegemacht hätten.

Allerdings war ihnen im Schlussdrittel trotz ihres Vorwärtsdrangs auch eine gewisse Müdigkeit anzumerken. «Die Gators hatten einen Tag Pause nach ihrem Spiel gegen die Flames vom Freitag», sagte Hunziker. «Wir hingegen haben auch am Samstag spielen müssen – gegen Herisau.»

Drei-Tore-Vorsprung verspielt

Und dieses Spiel war für Hunziker und sein Team die noch grössere emotionale Achterbahn gewesen als dasjenige gegen die Gators. Erst gingen die Limmattaler mit 3:1 in Führung, eine Viertelstunde vor Schluss mit 7:4. Doch dann glich Herisau nicht nur aus, sondern legte dreieinhalb Minuten vor Spielende mit 8:7 vor. Die Limmattaler schienen den sicher geglaubten Sieg schon verspielt zu haben, als Etienne Benz eine Sekunde vor Schluss noch den 8:8-Ausgleichstreffer erzielte. In der Verlängerung wurde dann aber Andris Ladner auf die Strafbank geschickt. Und diese Überzahl nutzte Herisau zum 9:8-Siegtreffer.

«Wir haben am Samstag und am Sonntag eigentlich gutes Unihockey gespielt», bilanzierte Hunziker. «Aber wir hatten auch unterirdische Phasen, in denen wir den Gegnern die Tore geschenkt haben. Schade.» Mit den beiden Niederlagen sind die Limmattaler auf Platz 3 abgerutscht, Pfannenstiel Egg ist ihnen auf die Pelle gerückt und nur dank der schlechteren Tordifferenz einen Rang schlechter klassiert.

Das angestrebte Ziel, am Ende unter den besten vier Mannschaften klassiert zu werden und damit in den Playoffs Heimrecht zu geniessen, ist für Unihockey Limmattal jedoch weiterhin in Reichweite. Denn das Team hat immer noch vier Punkte Vorsprung auf die fünftplatzierten Flames. «Wir haben noch vier Spiele ausstehend und am nächsten Wochenende unser letztes Heimspiel in der regulären Saison», sagte Hunziker. «Da wollen wir unbedingt drei Punkte holen.» Und damit wären Hunziker und seine Schützlinge dem Ziel, unter die ersten Vier zu kommen, wieder etwas näher gerückt.